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Foto © Sandra Then-Friedrich

Lodernde Gefühle im sozialen Eisschrank

KATJA KABANOVA
(Leoš Janáček)

Besuch am
5. März 2022
(Premiere)

 

Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg, Theater Duisburg

Wir leben in frostigen Zeiten. Eine äußerlich eiskalte, innerlich jedoch brodelnde, geradezu implo­die­rende Welt ist auch der Schau­platz von Leoš Janáčeks 1921 urauf­ge­führter Oper Katja Kabanova, die jetzt in einer Neuin­sze­nierung von Tatjana Gürbaca an der Deutschen Oper am Rhein gezeigt wird.

Janáček greift für seine Oper auf das 60 Jahre ältere Theater­stück Gewitter des russi­schen Drama­tikers Alexander Ostrowski zurück, der die mit weltan­schau­lichen und politisch-gesell­schaft­lichen Wandlungen verbun­denen Krisen seiner Zeit aus der Perspektive eines kleinen russi­schen Dorfes betrachtet. Janáček presst die Thematik noch kompri­mierter in den engen Rahmen einer einzigen Familie, in der hierar­chische Struk­turen auf freiheit­liche Visionen einer neuen Generation prallen.

Katja Kabanova, die Gattin des schwachen und von seiner Mutter dominierten Kaufmanns Tichon, leidet nicht nur unter den Repres­salien ihrer Schwie­ger­mutter, sondern auch unter der Gefühls­kälte der Gesell­schaft und der Sinnlo­sigkeit ihrer Existenz. Sie lässt sich auf ein kurzes Abenteuer mit dem ebenfalls schwäch­lichen Boris ein. Inmitten eines Gewitters gesteht sie mit großem Selbst­be­wusstsein vor der Dorfge­mein­schaft ihren Ehebruch und sieht in vollem Bewusstsein als einzigen Ausweg, sich in der Wolga zu ertränken. Und zwar als aktiver Befrei­ungsakt, nicht als depressive Kurzschlusshandlung.

Die Wolga, das Sinnbild einer intakten, fried­lichen Natur, wird damit zum Rettungs­anker der Frau. Zu sehen ist der Fluss in Gürbacas Insze­nierung nur zu Beginn in einer Video­ein­spielung. Danach schließen sich die hölzernen Mauern der Bühnen­bauten von Henrik Ahr und lassen nur noch enge Schlupf­löcher und gelegent­liche Ausblicke in leere Hinter­gründe zu. Eine Art Terrarium, in dem sich die Figuren wie fremd­ge­steuerte Reptilien bewegen und immer wieder zu Stand­bildern gefrieren. Ausbrüche wie die Affäre Katjas mit ihrem Liebhaber verpuffen als Illusion. Wobei Gürbaca ohnehin nicht die Liebes­tra­gödie in den Mittel­punkt stellt, sondern die gesell­schaft­lichen Zwänge, denen sich Katja durch ihren Suizid entziehen will.

Foto © Sandra Then-Friedrich

Deshalb insze­niert die Regis­seurin die Schluss­szene auch nicht als drama­ti­schen Monolog einer verein­samten Frau. Die gesamte Familie wandelt durch die Szene und verstellt eher den Blick auf Katja, die im Hinter­grund fast beiläufig in den Fluss steigt. Eine vertretbare, wenn auch ungewohnte und drama­tur­gisch weniger effekt­volle Deutung, die aber durchaus der genauen psycho­lo­gi­schen Profi­lierung aller Figuren entspricht, von der altvor­deren Kabanicha bis zur aus der Gemein­schaft ausbre­chenden Ziehtochter Varvara.

Janáčeks Tonsprache klingt hier noch schroffer als in seinen populä­reren Stücken, der Jenůfa oder dem Schlauen Füchslein. Und General­mu­sik­di­rektor Axel Kober entwi­ckelt mit den Duisburger Philhar­mo­nikern ein entspre­chend scharf­kan­tiges, druck­volles Klangbild, hält den Orches­ter­ap­parat aber stets so weit unter Kontrolle, dass sich die Sänger selbst in den Höhepunkten noch behaupten können. Das gelingt der erfah­renen Sylvia Hamvasi in der Titel­rolle mühelos, die auch unter starkem orches­tralem Beschuss die lyrischen Quali­täten ihrer Stimme entfalten kann und ein eindrucks­volles Psycho­gramm einer unter­jochten, aber selbst­be­wussten Frau entwickelt.

Großartig auch das zukunfts­ori­en­tierte Paar mit Anna Harvey als Varvara und Cornel Frey als Lehrer Kudrjasch. Als rückwärts­ge­wandte Antipoden setzen Eva Urbanová als Kabanicha und Sami Luttinen als Dikoj markante Akzente. Wobei die Regis­seurin besonders viel Mühe in die Charak­te­ri­sierung der schwächlich agierenden Männer­rollen inves­tiert, so dass Matthias Klink als Tichon und Daniel Frank als Boris nicht nur stimmlich überzeugen können. Vorzüglich treten Luiza Bardan, Ekaterina Aleksandrova und Roman Hoza in kleineren Partien in Erscheinung.

Starker Beifall für eine diskus­si­ons­würdige Insze­nierung des packenden, musika­lisch hochrangig ausge­führten Werks. Die schlimme Weltpo­litik lässt auch Intendant Christoph Meyer nicht kalt, der, auf das fried­liche Mitein­ander seiner aus über 40 Nationen stammenden Mitar­beiter hinweisend, den Abend gemeinsam mit dem Ensemble mit Felix Mendelssohn Bartholdys schlichtem, aber eindring­lichem Appell Verleih uns Frieden gnädiglich nachdenklich enden lässt.

Pedro Obiera

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