O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Bernd

Mummenschanz im Irrenhaus

DER MEISTER UND MARGARITA
(York Höller)

Besuch am
6. April 2022
(Premiere am 3. April 2022)

 

Oper Köln, Staatenhaus Deutz

Vor 30 Jahren ist es der Kölner Oper nicht gelungen, mit der Deutschen Erstauf­führung York Höllers Oper Der Meister und Margarita zu größerer Aufmerk­samkeit zu verhelfen. Ob es dem opulenten Werk in der aktuellen Neuin­sze­nierung im Staatenhaus besser ergehen wird, ist fraglich.

Michail Bulgakows ohnehin komplexe Roman­vorlage eignet sich nur bedingt als Opern­stoff, und das vom Kompo­nisten verfasste Libretto erleichtert nicht gerade die Übersicht über die Erzähl­stränge des Romans. Vollends Verwirrung stiftet Regisseur Valentin Schwarz mit seiner Insze­nierung, der im Sommer in Bayreuth den neuen Nibelungen-Ring insze­nieren wird und sich mit Höllers fast vierstün­diger Oper auf Wagners noch größer dimen­sio­nierten Ring einzu­stimmen scheint.

Foto © Bernd Uhlig

Als der Roman, eine satirische Abrechnung mit dem Stalin-Terror, 1966 in Moskau veröf­fent­licht wurde, war Bulgakow schon über 20 Jahre tot, schlug aber hohe Wellen. Die Handlung lässt sich nur schemenhaft skizzieren: Der „Meister“ ist mit einem Roman über Pontius Pilatus bei den Funktio­nären in Ungnade gefallen, weil er damit die Existenz Gottes voraus­setzt und bekräftigt. Als Staats­feind lässt er sich in eine psych­ia­trische Klinik einweisen, aus der ihn seine Geliebte Margarita mit Hilfe des teuflisch „schwarzen Magiers“ Voland retten will. Verknüpft wird dieses Handlungs­skelett mit Rückblicken in den Prozess Jesus‘, wobei der „Meister“ in die Rolle des Erlösers schlüpft. Ein ganzes Arsenal an Journa­listen, Hexen, Katzen, Ärzten, Varie­té­ar­tisten und Schrift­stellern kommen­tieren und erweitern die Handlung. Aller­dings maskiert und verzerrt der Regisseur mit den Kostümen Andy Besuchs die Figuren bis zur Unkennt­lichkeit, so dass eine Identi­fi­zierung zusätzlich erschwert wird. Warum die linien­treuen Schrift­steller-Funktionäre als Maler-Karika­turen von Dürer bis Beuys auftreten, bleibt das Geheimnis des Regis­seurs. An farben­präch­tiger und skurriler Fantasie mangelt es Schwarz und seinem Kostüm­bildner nicht, wobei sie offen­sichtlich eher schrille Origi­na­lität als satirisch pointierte Schärfe und Klarheit vermitteln wollen. Das Ganze wirkt eher wie ein Kostümfest als eine Abrechnung mit einem Terror-Regime.

An klanglich farbiger Opulenz mangelt es auch der Musik nicht. André de Ridder leitet das in monströser Besetzung aufspie­lende Gürzenich-Orchester mit bewun­derns­werter Souve­rä­nität durch den langen Abend. Das Orchester liefert eine handwerklich meisterhaft kompo­nierte Klang­ku­lisse, die eine hektische und bedroh­liche Stimmung erzeugt, aber auf Dauer recht pauschal und austauschbar wirkt. Zumal die rezita­ti­visch geformten Gesangs­partien mit ihren unbequemen Inter­vall­sprüngen zwar schwer auszu­führen sind, aber nicht präziser die Situa­tionen einfangen können als das Orchester. Für ihre schwie­rigen, aber letztlich undank­baren Aufgaben verdienen alle Sänger großen Respekt. An der Spitze Nikolay Borchev in der Doppel­rolle des Meisters und Jeschuas (Jesus), Adriana Bastidas-Gamboa als Margarita und Bjarni Thor Krist­insson als „schwarzer Magier“ Voland.

In der Premiere gab es noch Proteste gegen das Regieteam. Angesichts des ernsten, derzeit ungebrochen aktuellen Stoffs reicht kreativer Mummen­schanz eben nicht aus, um einem Roman aus der stali­nis­ti­schen Hölle Russlands gerecht werden zu können.

Pedro Obiera

Teilen Sie O-Ton mit anderen: