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Foto © Michaela Büttgen

Von der Kraft der Utopie

DOMKONZERT
(Valentin Silvestrov, Anno Schreier, Ludwig van Beethoven)

Besuch am
22. April 2022
(Einmalige Aufführung)

 

Theater Aachen im Dom, Aachen

Alle Menschen werden Brüder“: Das Wunsch­denken Schillers und Beethovens scheint eine unerreichbare Utopie zu bleiben. Das Programm des jüngsten Domkon­zerts mit Beethovens Neunter Symphonie stand zwar schon lange fest, erhielt durch die drama­ti­schen politi­schen Ereig­nisse jedoch noch einen besonders aktuellen Akzent.

Das Bedürfnis der Menschen nach Frieden ist so groß, dass man die Plätze im Aachener Dom dreimal vergeben könnte. Zusätz­liche Bedeutung erhält das Konzert durch die mehrfach verschobene Urauf­führung von Anno Schreiers Chorstück Der Anfang. Der Text basiert auf einer uralten indischen Schöp­fungs­ge­schichte, in der sich Gott als „Schöpfer“ der Welt selbst in Frage stellt. Entspre­chend unruhig und alles andere als glaubens­sicher beginnt Schreiers Werk mit schroffen Tonre­pe­ti­tionen, die wie vergrö­ßerte und verhärtete Tremoli der Eingangs­takte aus Beethovens Symphonie wirken. Das zehnmi­nütige Werk gipfelt in der Adaption des „Sternen­ak­kords“, den Beethoven im Schlusssatz anklingen lässt, wenn vom „gütigen Vater“ über dem Sternenzelt die Rede ist. Durch den nachdenk­lichen, vom Chor emotional skandierten Text und Schreiers musika­lische Gestaltung wirkt das Werk wie ein skepti­scher Kontra­punkt zum Optimismus Beethovens. Dabei lässt Schreier das Werk harmo­nisch so geschickt enden, dass General­mu­sik­di­rektor Chris­topher Ward und das Aachener Sinfo­nie­konzert ansatzlos Beethovens Symphonie anknüpfen können.

Foto © Sandra Borchers

Aller­dings beginnt Ward auf einem recht hohen dynami­schen Level, so dass sich das geheim­nisvoll-hinter­gründige Crescendo in den wichtigen ersten Takten nur rudimentär entfalten kann und schnell an die akusti­schen Grenzen des nicht gerade nachhall­armen Doms stößt. Ein Problem, das sich in den eksta­ti­schen Ausbrüchen des Chor-Finales noch verdichten soll. An emotio­nalem Nachdruck fehlt es allen Mitwir­kenden einschließlich des Opern­chors, des Städti­schen Chors und des Solis­ten­quar­tetts nicht im Geringsten – einen idealen klang­lichen Nährboden bietet der Dom aller­dings nicht, was sich letztlich auch im Zusam­men­spiel in filigranen Passagen des Scherzos oder der Fuge im Schlusssatz auswirkt. Die mitrei­ßende Kraft der Musik wird dadurch nicht geschmälert und ohnehin steht der Benefiz-Charakter des Konzerts im Mittel­punkt. Die freiwil­ligen Spenden kommen schließlich und so gut wie ausschließlich dem geschun­denen ukrai­ni­schen Volk zugute.

Zur Bekräf­tigung des Anlasses eröffnet das Sinfo­nie­or­chester, in dem auch die ukrai­nische Geigerin Regina Voskynyan mitwirkt, den Abend mit einer kurzen, sanften instru­men­talen Friedens­bitte des bekann­testen ukrai­ni­schen Kompo­nisten Valentin Silvestrov. Gebet für die Ukraine heißt das ebenso leise wie hoffnungs­stär­kende Werk, dem sich eine kurze Ansprache des General­konsuls der Republik Polen, Jakub Wawrzyniak, anschließt, der sich stell­ver­tretend für seine ukrai­nische Kollegin für die Unter­stützung aus Deutschland bedankt.

Viel Beifall für ein Domkonzert, das angetan ist, die Hoffnung auf eine fried­li­chere Zukunft nicht zu verlieren. Alle Künstler verzichten zugunsten des Aktions­bünd­nisses Deutschland hilft auf ihre Gagen und die Tantiemen aus dem Online-Stream des Konzertes, der vom 1. Mai an auf classic​.nl abgerufen werden kann.

Pedro Obiera

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