O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Leichtfüßige Romanze ohne Opernpathos

BÉATRICE ET BÉNÉDICT
(Hector Berlioz)

Besuch am
5. Mai 2022
(Premiere am 30. April 2022)

 

Oper Köln, Staatenhaus Deutz

Mit einer feinsin­nigen Komödie nach Shake­speares Lustspiel Viel Lärm um nichts beendete Hector Berlioz 1862 sein gewal­tiges Opern­schaffen. Béatrice et Bénédict ist jetzt als Neuin­sze­nierung an der Kölner Oper zu sehen. Und General­mu­sik­di­rektor François-Xavier Roth beweist mit seinem filigranen, leicht­fü­ßigen und farben­präch­tigen Dirigat erneut, wie sehr ihm Berlioz am Herzen liegt.

Seinen Amtsan­tritt bestritt der franzö­sische Dirigent vor sieben Jahren mit Berlioz‘ Benvenuto Cellini, am 24. September wird er die neue Saison mit dem monumen­talen Musik­drama Les Troyens eröffnen. Béatrice et Bénédict nimmt sich dagegen, ähnlich wie später Verdis Falstaff, wie ein entspannter, abgeklärter Abschiedsgruß von der großen Opern­bühne aus. Das von Berlioz selbst verfasste Libretto hält sich eng an Shake­speares Text, was vor allem den ausge­dehnten gespro­chenen Dialogen zugute­kommt. Ohne Straf­fungen geht es nicht, so dass die skurrile Romanze um zwei einge­fleischte Feinde des Ehestandes und des anderen Geschlechts, die am Ende doch ihre Liebe einge­stehen und vor den Altar treten, noch stärker in den Mittel­punkt rückt. Wie üblich geht Berlioz auch hier Opern­kli­schees aus dem Weg. Nicht nur die bizarre Beziehung wirkt wie ein Gegen­entwurf zu liebes­trun­kenen Stoffen wie Romeo und Julia oder Tristan und Isolde, auch in der musika­li­schen Gestaltung geht Berlioz eigene Wege. Ein klassi­sches Liebes­duett gibt es nicht, dafür Arien der Titel­helden, die zuerst die Abneigung und später den Sinnes­wandel der beiden subtil zum Ausdruck bringen. Neben vitalen Chorpas­sagen nehmen vor allem die Frauen­en­sembles mit ihrem leicht süßlichen Kolorit für sich ein.

Foto © Hans Jörg Michel

François-Xavier Roth entlockt dem Gürzenich Orchester ein Höchstmaß an klang­licher Delika­tesse und führt mit sensibler Hand durch den Abend. Die Sänger scheint er auf den Händen zu tragen. Und die bedanken sich mit einer exzel­lenten Ensem­ble­leistung.  Mezzo­so­pra­nistin Isabelle Druet und Tenor Paul Appleby in den Titel­rollen treffen stimmlich und stilis­tisch den lyrisch angehauchten franzö­si­schen Tonfall des Stücks. Mit glocken­klarem Sopran bewältigt Jenny Daviet als Héro die von augen­zwin­kernder Ironie durch­tränkten Kolora­turen ihrer Partie. Zusammen mit Isabelle Druet und dem wohlklin­genden Mezzo von Lotte Verstaen als deren Vertraute Ursule, einem hoffnungs­vollen Mitglied des Opern­studios, bilden deren Duette und Terzette kulina­rische Höhepunkte der Aufführung. Nicht zu vergessen der taufrisch agierende Chor der Kölner Oper. Eine raffi­nierte Zutat steuert Berlioz mit der von ihm erfun­denen Figur eines Musik­di­rektors bei, der mit dem Volk mit der gleichen Verzweiflung wie der Bürger­meister van Bett in Lortzings Zar und Zimmermann eine Lobes­hymne auf die siegreichen Truppen einstu­dieren will. So virtuos Ivan Thirion die Rolle auch ausführt: So vorder­gründig und gemütlich komisch wie die Regis­seruin kann man Kriegs­pathos heute eigentlich nicht mehr persiflieren.

Jean Renshaw, als Choreo­grafin und Regis­seurin gleicher­maßen erfahren, sorgt für einen turbu­lenten Ablauf der relativ kurzen Oper, bedient sich dabei mancher abgedro­schener Gags und erreicht nicht ganz das feinfühlige Niveau des Dirigenten. Dass der Handlung ein Krieg vorausgeht, wird nicht reflek­tiert. Dafür nimmt sie den Milita­rismus auf eine zu leichte Schulter und belässt es bei banalen Parodien militä­ri­schen Pathos‘.

In den raffi­niert pitto­resken Dekora­tionen von Paul Cremer geht sie dennoch erheblich sensibler zu Werke als etwa Barrie Kosky mit Offen­bachs Orpheus in der Unterwelt im benach­barten Düsseldorf. Eine sizilia­nische Häuser­land­schaft zieht Cremer bis an den Bühnenrand, so dass der Bühnen­boden als Teil der Fassade überra­schende Effekte zulässt.

Viel Beifall für einen relativ kurzen, amüsanten Berlioz-Abend als Vorge­schmack auf die Mammut­aufgabe mit den Troyens im September.

Pedro Obiera

Teilen Sie O-Ton mit anderen: