O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Thomas Koy

Das kurze und intensive Leben der Lili Boulanger

LILI – DIE LETZTE NACHT DER LILI BOULANGER
(Lili Boulanger, Markus Syperek)

Besuch am
21. April 2022
(Premiere)

 

Neuköllner Oper, Berlin

Sie weiß, dass sie nicht alt wird.  Aber wie viel Zeit bleibt ihr noch?  Die junge Kompo­nistin Lili Boulanger will es immer und immer wieder wissen, reizt ihre Kräfte und ihre Grenzen aus. Sogar auf ihrem Sterbebett, sie ist noch keine 25, diktiert sie ihrer Schwester Nadja letzte Noten.

Geboren in eine Musiker­fa­milie, erleben die beiden Schwestern Nadja und Lili eine gute musika­lische Erziehung. Charles Gounod, Jules Massenet und Camille Saint-Saëns gehören zum engen Freun­des­kreis der Familie. Nadja wird eine der führenden Klavier­päd­ago­ginnen des 20. Jahrhun­derts; bei Lili steht schon früh fest, dass ihre Begabung in der Kompo­sition liegt. Sie erhält Unter­richt von Gabriel Fauré und setzt sich in den Kopf, den begehrten Prix de Rome zu gewinnen, den auch ihr Vater gewonnen hatte. In der Tat gewinnt sie ihn – als erste Frau – im Jahr 1913, gerade mal zwanzig Jahre alt. Über Nacht wird sie berühmt, muss aber immer wieder mit ihrer chroni­schen Lungen­ent­zündung und Morbus Crohn kämpfen, einer Darmer­krankung, der sie dann auch 1918 unterliegt.

Lili, die letzte Nacht der Lili Boulanger wurde von Änne-Marthe Kühn und Bernhard Glocksin als Musik­thea­ter­stück erdacht. Gesang, Schau­spiel und Tanz sind organisch mitein­ander verwoben. Andrea Pinkowski führt Regie und zeigt Lili als lebens­hungrige junge Frau, die sich einer­seits voll ihrer physi­schen Fragi­lität bewusst ist, aber ander­seits auch für ihre Ideen brennt. Nele Ahrens teilt die Bühne in drei Ebenen: Im hinteren Teil agiert das musika­lische Ensemble, auf einem seitlichen Podium befindet sich das Kranken­zimmer, in das sich Lili immer wieder zurück­ziehen muss, und auf der Haupt­ebene befindet sich das sinnge­bende Klavier, das als Mittel­punkt des gesell­schaft­lichen und geistigen Lebens der gesamten Familie fungiert.

Im Paris des frühen 20. Jahrhun­derts vollzieht sich gerade ein enormer Wandel. Das Ballett Sacre du Printemps von Igor Strawinsky sorgt 1913 für einen legen­dären Skandal. Die Kunst­richtung Art Nouveau bricht mit Tradi­tionen des 19. Jahrhun­derts. Da passt die ganz eigene musika­lische Sprache von Lili Boulanger mit ihrem ausge­prägt kraft­vollen Charakter gepaart mit lyrischer Sensi­bi­lität gut hinein. Gerade der Auszug aus dem Requiem Pie Jesu macht viel Lust, mehr von der Kompo­nistin zu hören.

Foto © Thomas Koy

Markus Syperek, der als Komponist, Arrangeur und musika­li­scher Leiter fungiert, hat drei von Lili Boulangers Werken geschickt für ein zehnköp­figes Ensemble arran­giert. Herzstück ist ein Auszug aus Boulangers Kantate Faust et Hélène, mit dem sie den Prix de Rome gewonnen hat. Hier glänzt Bariton Miha Brkinjac als Mephisto, der die schöne Hélène von Merlind Constanze Pohl dem Faust von Chunho Yous zuführt.
Pohl verkörpert auch die Figur der Freundin Miki Piré und sticht hervor mit guter Diktion und klarer Identität.

Johanna Link ist mit Leib und Seele eine selbst­be­wusste Lili, die sich von keinen Konven­tionen einschränken lässt – weder in der Liebe zu Mann und Frau – noch in gesell­schaft­lichen Korsetts. Josephine Lange ist die boden­ständige Schwester Nadja, ihre Befür­wor­terin und Beschüt­zerin, die auch nach dem Tod von Lili dafür sorgt, dass die Werke der Schwester nicht in totale Verges­senheit geraten. Ursula Renneke verkörpert die gestrenge Mutter, Raisa Boulanger, die für musika­lische Disziplin und dem Einhalt gesell­schaft­licher Konven­tionen sorgt.

Es ist die zweite Kompo­nistin, der sich die Neuköllner Oper widmet. 2019 machte Casting Clara – über Clara Schumann und besonders ihre kompo­si­to­ri­schen Aktivi­täten – den Anfang dieser Reihe. Mit Lili wird dieses Projekt, eher unbekannten Kompo­nis­tinnen ein Forum zu geben, fortge­setzt.  Man kann gespannt sein, wie es weiter geht.

Einhel­liger Applaus für alle Mitwirkenden.

Zenaida des Aubris

Teilen Sie O-Ton mit anderen: