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Nachdenklicher Sommernachtstraum des Don Pasquale

DON PASQUALE
(Gaetano Donizetti)

Besuch am
29. Mai 2022
(Premiere)

 

Staatsoper Hamburg

In Donizettis 60. von insgesamt 71 geschrie­benen Opern erlebt der Zuschauer eine klassische Komödie um einen reichen, alten, umso heirats­wil­li­geren Mann, der über das Leben seines Neffen Ernesto bestimmen will und ihn – als er ihm nicht folgen will – enterbt. In einer klassi­schen Verklei­dungs- und Verstel­lungs­ko­mödie wird der Alte mit seinen eigen­sin­nigen Plänen ausge­hebelt und die jungen Liebenden können zuein­ander finden.

Die Figuren sind den Typisie­rungen der Commedia dell’Arte entlehnt, jedoch im drama buffo vielschichtig angelegt. Die Charaktere attackieren nicht nur ihre Wider­sacher, sie empfinden letzt­endlich auch Mitleid, können den Schmerz des Verletzten erkennen und agieren nicht ohne Nachdenk­lichkeit. Letzt­endlich changiert die Spiel­handlung mitunter sehr plötzlich zwischen Komik und Tragik.

Die Hamburger Oper hat das 1843 in Paris urauf­ge­führte Werk nach einer Pause von über 25 Jahren nunmehr mit dieser Neuin­sze­nierung wieder auf den Spielplan gehoben.

Der Regisseur David Bösch zusammen mit dem Bühnen­bildner Patrick Bannwart sowie dem Kostüm­bildner Falko Herold vermag die Handlung in ein fanta­sie­volles Ambiente der Gegenwart zu verwandeln.

Don Pasquales Heim ist dominiert durch einen den Bühnenraum wie der Elefant im Raum beherr­schender Tresor mit an Dagobert Duck erinnernden Geldbergen. Dieser Geldregen wird aller­dings durch die ihm zugeführte junge Frau Norina in kürzester Zeit gründlich verprasst und der Tresor schmilzt schließlich fast komplett zusammen.

Foto © Brinkhoff/​Mögenburg

Die Szene wird wiederholt mit Video­ein­blen­dungen von Pasquales geschäft­lichem und gesell­schaft­lichem Aufstieg und Fall begleitet, drei uralte Diener umsorgen Pasquale in seinem Tresor, wobei der Haushof­meister wie ein gealterter Riff-Raff aus der Rocky-Horror-Picture Show auftritt.

Die Handlung ist spritzig und klar erzählt. Es bleibt deshalb ein gewisses Geheimnis, warum die Protago­nisten mitunter unter­ein­ander so verloren auf der Szene verbleiben. Liegt an den sehr unter­schied­lichen Charak­teren der Darsteller? Sind die stimm­lichen Eigen­schaften der Sänger zu unter­schiedlich? Ist es einfach die Thematik der Vorlage?

Ambrogio Maestri als Don Pasquale ist womöglich der weltweit erfah­renste Vertreter dieser Rolle. Er hat in Hamburg einen bejubelten Falstaff ebenfalls in einer Neupro­duktion gegeben und ist sich für keinen gelun­genen Bühnenwitz zu schade. So klettert er mit seiner imposanten Erscheinung auch auf ein Fitnessrad, um sich für seine zukünftige Frau zu ertüch­tigen. In Bühnen­er­fahrung und Stimm­po­tenzial ist es für jeden Partner gar nicht so einfach, in Darstellung und Imposanz mitzuhalten.

Kartal Karagedik als Dottore Malatesta, der Intri­gen­treiber und Strip­pen­zieher der Handlung bewährt sich dabei dennoch auf das Beste. Seine sonore, klug geführte Bariton­stimme und sein wendiger Auftritt machen ihn zu einem ebenbür­tigen Partner.

Die Norina der Danielle de Niese tritt von Beginn an einiger­maßen aufge­kratzt und vielfach mehr als farbig gekleidet auf. Die Stimme klingt schon am Anfang leicht schrill: Die Darstellung bleibt den Abend liebenswert, aber auch etwas aufge­kratzt. Vielleicht muss man berück­sich­tigen, dass die Sängerin die Rolle kurzfristig übernommen hat.

Ganz im Gegensatz dazu steht Levy Sekgapane als ihr zukünf­tiger Ernesto, der seinen lyrischen Tenor sehr zurück­haltend und nachgerade scheu zum Einsatz bringt. Man kann sich das junge Paar nicht sofort in einer gemein­samen Zukunft vorstellen.

Der Regisseur weist in einem im Programmheft abgedruckten Interview darauf hin, dass er glücklich ist, das Werk mit Protago­nisten aus nicht weniger als fünf verschie­denen Ländern zu reali­sieren. Die auf der Bühne agierenden Menschen erhalten so einen gewis­ser­maßen allge­mein­gül­tigen, nicht auf einen Kultur­kreis oder gar ein Land festge­legtes Ambiente – wie in einem Ideal einer offenen, global agierenden Gesellschaft.

Diese Diver­sität mag aber auch eine Heraus­for­derung bilden, wie etwa in dem letzten Bühnenbild einer gar nicht so kusche­ligen Sommer­nachts­traum-Stimmung, in der deutlich wird, dass alle betei­ligten Menschen weiter und laufend an ihrem Mitein­ander werden arbeiten müssen – in diesem Sinne also eine gelungene Umsetzung des vielschich­tigen drama buffo in ihrem ureigenen tragi­comico.

Das Hamburger Publikum amüsiert sich bestens und weiß die nachdenk­liche Umsetzung der Oper sehr zu schätzen. Viel Applaus für die Sänger. Von einem einzigen Protestruf abgesehen, wird auch das Regieteam begeistert beklatscht.

Die Hamburger Oper hat so dem Reper­toire des Haues eine wirkungs­volle Ergänzung hinzu­fügen können, die hoffentlich einige Jahre Bestand haben wird.

Die Premiere wird zum 30-jährigen Bestehen des Fernseh­senders Arte zeitver­setzt übertragen.

Achim Dombrowski

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