O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Matthias Stutte

Fliehende Senta

DER FLIEGENDE HOLLÄNDER
(Richard Wagner)

Besuch am
23. September 2022
(Premiere am 4. September 2022)

 

Theater Krefeld Mönchen­gladbach, Theater Rheydt

Es ist keine bis ins letzte Detail perfekte Produktion, die das Theater Krefeld Mönchen­gladbach derzeit im Rheydter Opernhaus zeigt, aber eine musika­lisch mitrei­ßende und szenisch packende Ausein­an­der­setzung mit Richard Wagners Fliegendem Holländer. Zudem nah am Sinn des Textes bleibend, so dass man sich am Nieder­rhein nicht vor größeren Häusern ducken muss, Bayreuth einge­schlossen, an denen Wagners Stücke offen­sichtlich nur noch als Spiel­ma­terial für selbst­ver­liebte Regis­seure gehandelt werden. Dass das Meer in Mönchen­gladbach überhaupt zu sehen ist, dass der Holländer als Seemann erkennbar bleibt, bereits damit hebt sich Roman Hoven­bitzers Deutung von ganzen Scharen in IT-Zentralen oder Bierschänken verla­gerter Insze­nie­rungen ab.

Das Meer, auf deren optische Wahrnehmung Wagner ausdrücklich Wert gelegt hat, ist ja nicht nur als dekorative Beigabe zu sehen, sondern reflek­tiert in seiner Unbere­chen­barkeit und eindrucks­vollen Kraft die psychi­schen Spannungen der Haupt­fi­guren. Davon zeugt nicht nur die Musik. In Rheydt ist das Meer allge­gen­wärtig, durch Video­ein­blen­dungen oder durch große Bullaugen einsehbar. Der Holländer in seiner schwarzen Tracht erinnert an Abbil­dungen aus alten Märchen­bü­chern. Eine persön­liche Note bringt Hoven­bitzer mit der Charak­te­ri­sierung Sentas ein, mit der er die Figur aufwertet, auch wenn er das ohnehin proble­ma­tische Finale zu einer recht verkrampften Lösung führt.

Foto © Matthias Stutte

Senta, der Backfisch, der davon träumt, den fluch­be­la­denen Seemann zu erlösen, tritt bereits in der Ouvertüre als kleines Mädchen auf, das nicht mit Puppen spielen will, sondern lieber als Pirat mit einem Kinder­schwert und einem Holzschiff. Von den heirats­wil­ligen Mädchen ihres Dorfes, die im zweiten Akt ihre Hochzeits­kleider schneidern, will sie nichts wissen. Und so glaubt sie sich bei der Begegnung mit dem noch verzwei­felten, bedrückten Holländer in seinem wüsten Outfit der Erfüllung ihres Wunsches nahe zu kommen. Das präsen­tiert Hoven­bitzer zwei Akte lang durchweg überzeugend. Aber es gelingt ihm nicht die strin­gente Weiter­führung, indem er den Holländer über Nacht zu einem Spieß­bürger im edlen Smoking mutieren lässt, der sich, wie Sentas Vater Daland, mehr für den schnöden Mammon inter­es­siert als für die Liebe, wie sie sich Senta vorstellt. Folge­richtig wirft sie dem Holländer den Braut­schleier vor die Füße, schlüpft in ihr etwas klischee­haftes Piraten­kostüm und verlässt selbst­be­wusst mit ihrem kindlichen Alter Ego die Bühne. Mit dieser Deutung verliert auch der drama­tur­gisch effekt­volle Dialog zwischen den norwe­gi­schen Seeleuten und der Besatzung des Geister­schiffs seine Logik, wenn die „Einbür­gerung“ des Holländers bereits vollzogen ist.

So eindrucksvoll die Bühnen­bilder von Roy Spahn das spezi­fische Kolorit des Stücks reflek­tieren, so glutvoll führt General­mu­sik­di­rektor Mikhael Kütson die Nieder­rhei­ni­schen Sinfo­niker und das vorzüg­liche Gesangs­en­semble durch den kurzwei­ligen Abend. Sänger­freundlich und gleichwohl orchestral wirkungsvoll. Warum man sich entgegen gängiger Praktiken für eine Pause nach dem ersten Akt entschieden hat, ist nicht nachzu­voll­ziehen. Mit der auf hohem Niveau angesie­delten Besetzung aller noch so heikler Partien des Stücks gebührt Rheydt jeden­falls im weiten Umkreis und noch darüber hinaus die Palme.

Angefangen bei Johannes Schwärsky in der Titel­rolle mit seinem dunkel timbrierten, substanz­reichen Bariton und seiner dämoni­schen Bühnen­präsenz. Grandios auch Matthias Wippich als Daland mit seinem tiefgrün­denden Bass. Und der ebenso undank­baren wie schwie­rigen Rolle des Erik verleiht Ralph Ertel nicht nur dank seines durch­set­zungs­fä­higen Tenors markantes und alles andere als blasses Profil.

Die junge Norwe­gerin Ingegjerd Bagøien Moe könnte in die Fußstapfen der großen drama­ti­schen Sopra­nis­tinnen Skandi­na­viens treten. Ihre Stimme hat für die Senta genügend Volumen, um die drama­tische Substanz der Rolle ebenso überzeugend zum Klingen bringen zu können wie die lyrische Wärme in den ruhigeren Passagen. Und auch die kleineren Rollen des Steuer­manns und der Mary sind mit Woongyi Lee hervor­ragend und mit Eva Maria Günschmann zuver­lässig besetzt. Ein Sonderlob verdient der sicher und klang­mächtig auftrump­fende Opernchor der Theatergemeinschaft.

Großer, langan­hal­tender Beifall für eine musika­lisch erstklassige, szenisch spannende, wenn auch nicht ganz schlüssige Insze­nierung, in der man immerhin mehr vom Stück erfährt als von abwegigen Gedan­ken­flügen manchen Regisseurs.

Pedro Obiera

Teilen Sie O-Ton mit anderen: