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Foto © Will van Iersel

Schönes Weihnachtsmärchen

ALPENKÖNIG UND MENSCHENFEIND
(Leo Blech)

Besuch am
25. September 2022
(Premiere am 11. September 2022)

 

Theater Aachen

Im Zeichen des 150. Geburtstags von Leo Blech stand die diesjährige Saison­er­öffnung des Aachener Theaters. 2021 vor 150 Jahren wurde der berühmte Dirigent in Aachen geboren. Für General­mu­sik­di­rektor Chris­topher Ward ein Anlass, auf das nahezu völlig vergessene kompo­si­to­rische Schaffen des langjäh­rigen Chefdi­ri­genten der Berliner Hofoper hinzu­weisen. Und das nicht nur mit einigen Orches­ter­stücken, sondern auch mit einer großen Oper, dem 1903 in Dresden urauf­ge­führten Zauber­spek­takel nach dem gleich­na­migen Schau­spiel von Ferdinand Raimund Alpen­könig und Menschen­feind. Eine Aufführung in Blechs Jubilä­umsjahr verhin­derte die Pandemie. Aller­dings hat man eine konzer­tante Version per Livestream einstu­diert, die inter­na­tionale Beachtung gefunden hat und mittler­weile, wie auch einige der Orches­ter­stücke Blechs, bereits als CD erschienen ist.

Die szenische Aufführung musste bis jetzt warten. Vor der Premiere wurde Blech posthum in einem kleinen Festakt die seit 1937 zunächst von den Nazis verschwiegene und seitdem vergessene Ehren­mit­glied­schaft des Aachener Theaters, an dem Blech in jungen Jahren als Kapell­meister wirkte, symbo­lisch zurück­ge­geben. GMD Ward schwärmte wiederholt von der „unglaublich schönen Musik“ der Oper. In der Tat zeigt Blech in diesem Stück, was er von seinem Lehrer Humper­dinck und mehr noch als Dirigent von den Kompo­nisten seiner Zeit im Umfeld von Wagner bis Richard Strauss gelernt hat. Eingängige Melodien, meisterhaft instru­men­tiert, angerei­chert mit märchen­haftem Kolorit. Das hört sich alles angenehm an, und Wards Begeis­terung ist seinem Dirigat durchaus anzumerken. Aller­dings verfängt sich das Werk letztlich in der epigo­nen­haften Blase vieler Kompo­nisten der Jahrhun­dert­wende wie etwa Humper­dinck oder Siegfried Wagner, die sich nicht von dem Einfluss Richard Wagners lösen, aber auch keinen Zugang zu neuen Wegen der Moderne finden konnten. Zusammen mit dem braven, naiv boden­stän­digen Libretto dürfte das Werk trotz mancher Meriten kaum einen festen Platz im Reper­toire finden.

An der beacht­lichen Qualität der Aachener Produktion ändert diese Einschätzung nichts. Die gute Ensem­ble­arbeit schlägt sich darin trotz mehrerer Gast-Auftritte ebenso positiv nieder wie der werkdien­liche Umgang des szeni­schen Teams. Regis­seurin Ute M. Engel­hardt setzt weniger auf effekt­vollen Bühnen­zauber als auf eine genaue Perso­nen­führung, so dass man mit den beschei­denen Dekora­tionen von Henriette Hübschmann leben kann. Ein überdi­men­sio­naler Pferde­korpus bildet den optischen Höhepunkt, die fanta­sie­vollen Kostüme Hübschmanns sugge­rieren ein märchen­haftes Ambiente.

Foto © Will van Iersel

Die Handlung kreist um den chole­ri­schen Misan­thropen Rappelkopf, der seine Familie und Diener­schaft nach Kräften tyran­ni­siert. Der milde Alpen­könig kommt der verzwei­felten Familie zu Hilfe. Er bietet Rappelkopf an, in dessen Rolle zu schlüpfen, um ihm zu zeigen, wie seine Mitmen­schen unter ihm leiden. Rappelkopf ist entsetzt, wie der Alpen­könig in seiner Gestalt wütet und zeigt sich flugs geläutert. Das Famili­en­glück ist gesichert. Jetzt dürfen auch seine Tochter Marthe den von Rappelkopf verhassten Musiker Hans und die Dienerin Lieschen den Lakaien Hababuk heiraten.

Ein schönes Märchen­spiel für die Weihnachtszeit, das aller­dings nur noch bis Anfang Dezember gezeigt wird. Ronan Collett als Alpen­könig und Paul Armin Edelmann als Rappelkopf überzeugen mit ihren präsenten Bariton­stimmen und ihrer Spiel­freude auf gleich hohem Niveau. Desgleichen die jungen Sopra­nis­tinnen Netta Or und Anne-Aurore Cochet als Tochter Marthe und Zofe Liesel. Lyrischen tenoralen Schmelz verbreitet Soon-Wook Ka als Marthes Geliebter Hans und Joshua Owen Mills bietet eine feine Charak­ter­studie des Lakaien Habakuk. Turbulent und mit einer präzisen Ensem­ble­leistung sorgt die Familie um den von Rappelkopf versto­ßenen Tischler Meinhart für Leben auf der Bühne. Dazu gehören Pawel Lawreszuk, Ayaka Igarashi und Jelena Rakić; Irina Popova überzeugt als verzwei­felte Gattin Sabine.

So freundlich auch das Premie­ren­pu­blikum reagiert, der Besuch der Folge­vor­stel­lungen lässt doch deutlich nach. Wie vielerorts hat auch das Aachener Theater Probleme, nach der Pandemie verlo­ren­ge­gan­genes Publikum wieder­zu­ge­winnen. Dazu sollen in der letzten Saison der 17-jährigen Amtszeit von Intendant Michael Schmitz-Aufterbeck in der Oper Reper­toire-Hits wie Mozarts Le Nozze di Figaro und Massenets Manon beitragen. Wobei sich Schmitz-Aufterbeck nicht scheut, auch Unbequemes wie Alban Bergs Wozzeck und Raritäten wie Verdis Stiffelio und Antonio Cestis Aurora anzubieten, mit der das Aachener Theater seinen erfolg­reichen Einsatz für anspruchs­volle barocke Werke fortsetzt.

Im Konzert holt Chris­topher Ward alles nach, was ihm die Pandemie verwehrte. Groß besetzte Zugstücke in voller Besetzung wie Mahlers Erste und Bruckners Vierte Symphonie, Brahms‘ Ein deutsches Requiem und Elgars Traum des Gerontius, Sibelius‘ Zweite und Saint-Saëns‘ Orgel-Symphonie. Nicht zu vergessen die Urauf­führung der Americana-Suite des Jazz-kundigen Neusee­länders Alan Broadbent.

Damit möchte Ward die Magerkost der letzten beiden Spiel­zeiten vergessen lassen, aber auch die Querelen um die Programm­ge­staltung des letzten Konzerts vor der Sommer­pause mit Werken von Rachma­ninoff und Tschai­kowsky. Angesichts des Ukraine-Krieges wollte er das Programm mit Musik ukrai­ni­scher Kompo­nisten ergänzen, was aber auf den Wider­stand der ukrai­ni­schen Gemeinde in Aachen stieß. Man einigte sich darauf, zwei Konzerte mit jeweils ausschließlich ukrai­ni­schen und russi­schen Kompo­nisten zu präsen­tieren. Ein fauler Kompromiss, der kein großes Vertrauen in die völker­ver­bin­dende Kraft der Musik erkennen lässt.

Pedro Obiera

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