O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © O-Ton

Wunderbares Format

SONGS & ARIEN
(Diverse Komponisten)

Besuch am
4. November 2022
(Einmalige Aufführung)

 

Insel im Café Ada, Wuppertal

Nach eigenen Angaben ist das Café Ada auf der Wiesen­straße ein etablierter Veran­stal­tungsort in Wuppertal mit einer über 30-jährigen Tradition. Angeboten werden hier latein­ame­ri­ka­nische Tänze wie Tango und Salsa zum Lernen, Mitmachen und Erleben. Seit rund zwei Jahren ist im Oberge­schoss des Cafés der Verein Insel ansässig. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, das Ada zu einem Kommu­ni­ka­tions- und Produk­ti­ons­zentrum für die so genannte Freie Szene aufzu­bauen. Dabei setzt der Verein gezielt auf Koope­ra­tionen mit anderen Kultur­in­sti­tu­tionen wie beispiels­weise den Wupper­taler Bühnen oder der Folkwang-Univer­sität der Künste.

An diesem Abend findet eine Veran­staltung unter dem Titel Songs & Arien statt. Die Überschrift führt in die Irre. Tatsächlich wäre Gespräche, Songs und Arien sehr viel passender. Bereits zum vierten Mal koope­rieren die Insel und die Wupper­taler Oper unter dem Label. Für die Oper eine willkommene Gelegenheit, sich mit der freien Kultur zu vernetzen und sich in die Stadt hinein­zu­be­geben. Sarah Prinz hat dafür das passende Umfeld geschaffen. In dem großen Saal gibt es links eine Bar. Der Publi­kumsraum ist in der vorderen Hälfte mit Tischen und Stühlen vollge­stellt, dahinter schaffen Stuhl­reihen Platz für mehr Zuschauer. Auf der Bühne entsteht der Eindruck eines gemüt­lichen Wohnzimmers. Im Zentrum gibt es eine Sitzgruppe. Links davon steht ein Flügel, rechts ist Platz für ein Schlagzeug und ein E‑Piano. Hierhin hat Torsten Krug zwei Sänge­rinnen einge­laden, die sich bislang nicht kannten. Krug ist Gründungs­mit­glied und heute Erster Vorsit­zender des Vereins. Er hat in Tübingen Literatur, Musik­wis­sen­schaft und Philo­sophie studiert und absol­vierte eine klassische Gesangs­aus­bildung. Seit 2006 lebt er als freier Theater­re­gisseur, Sänger und Autor in Wuppertal.

Foto © O‑Ton

Joslyn Rechter stammt aus Melbourne. Von 2005 bis 2014 war die Mezzo­so­pra­nistin Mitglied des Wupper­taler Opern­en­sembles. In der Klavier­be­gleitung von Jens Bingert, Chordi­rektor an der Wupper­taler Oper bis 2016, eröffnet sie den Abend mit Una voce poco fa, der Cavatine der Rosina aus Gioac­chino Rossinis Barbier von Sevilla. In der Aufwärm­phase sicher ein guter Einfall. Auf der anderen Seite der Bühne macht sich Anna Luca Mohrhenn hinter dem E‑Piano bereit. Zur musika­li­schen Verstärkung hat sie Yonga Sun am Schlagzeug und Dimitrij Marki­tantov am Saxofon mitge­bracht. Die Sängerin und Kompo­nistin, die sich selbst Anna Luca nennt, ist in Deutschland geboren und in Schweden aufge­wachsen. Heute lebt sie in Wuppertal. „Wenn Wuppertal, dann Ronsdorf“, lautet ihr Bekenntnis zur Wahlheimat. Die Mutter ist Cellistin, der Vater Geiger. Mit vier Jahren beginnt sie selbst mit dem Klavier­spiel, und alsbald scheint ihre Laufbahn als klassische Pianistin vorge­zeichnet. Bis sie sich eine Handver­letzung zuzieht, die die Ausbildung von einem Tag auf den anderen beendet. Der Besuch einer Diskothek eröffnet ihr eine neue Welt. Sie beginnt zu singen und zu kompo­nieren. Inzwi­schen hat sie acht Alben veröf­fent­licht, stark Jazz-orien­tiert, aber immer auch offen für neue Wege in andere Genres. Ihr erster Titel heißt Gryning, auf Deutsch Dämmerung.

Foto © O‑Ton

Anschließend ist Zeit für das erste von vier „Gesprächen“. Echte Gespräche entwi­ckeln sich aber nicht. Es bleibt dabei, dass Gastgeber Krug fragt und die Künst­le­rinnen antworten. Das hätte schief­gehen können. Aller­dings zeigen sich Rechter und Luca ausge­sprochen redefreudig und humorvoll. So bleibt es für das Publikum ein kurzwei­liger Abend, der häufiger zum Schmunzeln, wenn nicht gar Lachen einlädt. Da sieht Rechter inzwi­schen durchaus ein, dass ihr kindlicher Berufs­wunsch, Tierärztin zu werden, sich glück­li­cher­weise nicht erfüllt hat, während Luca doch noch ein ganz klein bisschen dem Journa­lismus nachtrauert. Wie das Leben so spielt: Am Ende geht es doch noch gut aus. Und so kann der nächste Musik­block starten. Luca präsen­tiert ihr Sometimes We Drown, ehe sie von Rechter mit der Arie der Erika Must the Winter Come So Soon? aus Samuel Barbers Oper Vanessa abgelöst wird. Nach einer weiteren Gesprächs­runde verschiebt sich das Gewicht des Abends zugunsten der Musik. Rechter will mit einem weiteren Stern der Opern­li­te­ratur glänzen und präsen­tiert Près des remparts de Séville, die Ségué­dille aus dem ersten Akt der Oper Carmen von Georges Bizet. Ein Abend (Stüves Stadt) setzt Luca als Eigen­kom­po­sition dagegen, bevor Rechter zum Musical wechselt und mit You’ll Never Walk Alone an einen Schlager aus Carousel erinnert. Ein netter Einfall: Nun inter­pre­tiert Luca die Arie Must the Winter Come So Soon? mit Orches­ter­ein­spielung von der Festplatte.

Im letzten Block darf sich Rechter nach dem Song Iceland von Luca mit einer „opera­ti­schen“ Version von Sometimes We drown revan­chieren – sehr zur Rührung der Jazz-Sängerin, die nach eigenen Angaben zum ersten Mal eines ihrer Lieder von einer anderen Sängerin hat singen hören. Home by the Sea, nicht zu verwechseln mit dem Song von Genesis, wird Lucas letzter Einzel­beitrag an diesem Abend. Rechter pocht zwar darauf, nicht patrio­tisch werden zu wollen, aber I still Call Australia Home von Peter Allen aus dem Jahr 1980 hat schon das Zeug zu einer Hymne, bei der man ein Tränchen verdrücken kann. Weniger geglückt ist der abschlie­ßende Song Both Sides, Now von Joni Mitchell, den Judy Collins 1968 zuerst veröf­fent­lichte und der inzwi­schen mehr als 1.500-mal nachge­sungen wurde. Ihn „spontan“ als Duett zu singen, muss man vielleicht doch mehr als einmal üben.

Alles in allem ein entspannter, kurzwei­liger und abwechs­lungs­reicher Abend, der Lust auf die Fortsetzung der Reihe macht. Das findet auch das Publikum, das im Übrigen ungewöhnlich zahlreich erschienen ist und sehr herzlich applaudiert.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: