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Foto © Sandra Then

Der trügerische Schein des Wunders

DIE JUNGFRAU VON ORLÉANS
(Peter Tschaikowsky)

Besuch am
3. Dezember 2022
(Premiere)

 

Deutsche Oper am Rhein, Opernhaus Düsseldorf 

Der Krieg ist allge­gen­wärtig in Peter Tschai­kowskys selten aufge­führter Oper Die Jungfrau von Orléans, deren Premiere im Düssel­dorfer Opernhaus auf begeis­terte Zustimmung stößt. Ein Werk, das den Nerv der von realen Kriegs­sze­narien und Weihnachts­märkten wider­sprüchlich geprägten Stimmung unserer Zeit pointiert trifft.

Grandiose Chor-Tableaus und emotional aufge­wühlte Solo-Szenen garan­tieren effekt­volle Höhepunkte, die aber den bedrü­ckenden Kern der Handlung niemals plakativ übertünchen. Dafür sorgen sowohl Tschai­kowsky mit seinem selbst verfassten Libretto und seiner Musik als auch Elisabeth Stöppler mit ihrer ebenso spannenden wie sensiblen Inszenierung.

Der Krieg kennt keine Grenzen: Eine Französin kämpft gegen die Engländer, kompo­niert von einem Russen nach einer deutschen Vorlage Friedrich Schillers. Johanna, die von Gott berufene Retterin ihrer Heimat, erscheint wie ein Wunder in einer schier aussichts­losen Situation, zeigt aber zugleich, dass Wunder keinen dauer­haften Frieden garan­tieren können. Dafür müssen die Menschen schon selbst sorgen. Und so trumpft Johanna in keinem Moment als strah­lende Heldin auf. Selbst in Momenten des militä­ri­schen Erfolgs trägt sie keinen Lorbeer­kranz, sondern wirkt wie ein verletz­liches und verletztes Mädchen. Und Tschai­kowsky streift die letzten helden­haften Züge von ihr ab, wenn er sie, der Hexerei beschuldigt, stärker als Schiller, als Menschen darstellt, der nichts anderes sucht als Liebe und Gebor­genheit. Für eine Verklärung zur legen­dären Freiheits­heldin bietet Tschai­kowsky keinen Platz. Und Stöppler lässt am Ende zwar die Bühne im Feuer­schein des Schei­ter­haufens aufleuchten, Johanna mischt sich aber unter das Volk, sie verliert sich in der Anony­mität, aus der sie für kurze Zeit wie ein Komet ungewollt katapul­tiert wurde.

Foto © Sandra Then

Auf Schau­platz­wechsel verzichtet die Regis­seurin. Bühnen­bild­nerin Annika Haller begnügt sich, völlig ausrei­chend, mit dem Ambiente einer Kathe­drale nach franzö­si­schem Vorbild, in dem die Menschen, quasi einge­schlossen, hoffen und bangen, die scheinbare Heldin bejubeln und verdammen. Ein Käfig, in dem der der König wankel­mütig umherz­appelt wie in einem imagi­nären Spinnennetz, in dem die Fratze des Krieges auch die eigenen Leute einholt, wenn die Männer brutal zwangs­re­kru­tiert werden. Eine der wenigen direkten Anspie­lungen auf den Ukraine-Krieg, der aber allge­gen­wärtig über der Produktion schwebt.

Tschai­kowsky kleidet das Schicksal des zur unfrei­wil­ligen Heldin stili­sierten Mädchens und ihren Fall in ein musika­li­sches Bad von siedender Inten­sität. Herb tönend ohne senti­mentale oder süßliche Entglei­sungen, selbst in den Triumph­ge­sängen der Chormassen mehr mit verzwei­feltem als hymni­schem Nachdruck. Üppig orches­triert und dennoch so geschickt arran­giert, dass die Sänger niemals überrollt werden. Eine wirklich lohnende Entdeckung.

Vor allem, wenn die beiden wichtigsten Partien so überragend besetzt werden können wie in Düsseldorf. Und das betrifft den vorzüg­lichen Chor der Deutschen Oper am Rhein, der angesichts seiner großen und anspruchs­vollen Aufgaben hier über sich hinaus­wächst, und die Mezzo­so­pra­nistin Maria Kataeva in der Titel­partie, die alle Fassetten ihrer Rolle stimmlich und gestal­te­risch diffe­ren­ziert zum Ausdruck bringt. Gipfelnd in der inneren Zerris­senheit, wenn sie vom Konflikt zwischen ihrem Sendungs­auftrag und ihrer Liebe zu Lionel zermalmt wird. Ihre Stimme besticht durch mädchen­hafte Natür­lichkeit, ausrei­chende Schlag­kraft und sonoren Wohlklang. Ideale Voraus­set­zungen für die Partie.

Die Deutsche Oper am Rhein kann auch diesmal mit ihrer Ensem­ble­leistung punkten. Zwei markant singende Baritone stechen heraus: Evez Abdulla als Heerführer Dunois und Richard Šveda als Liebhaber Lionel. Der Rest des vielköp­figen Ensembles bietet gute, etwa der Tenor Aleksandr Neste­renko, bis akzep­table Leistungen. Péter Halász am Pult der Düssel­dorfer Sympho­niker führt mit angemes­senen Tempi durch den Abend, lässt das Orchester voluminös aufleuchten, nimmt aber genügend Rücksicht auf die Sänger und hält den Apparat auch in den großen Tableau-Szenen unter Kontrolle.

Langan­hal­tender Beifall für eine ebenso spannende wie Betrof­fenheit auslö­sende Begegnung mit einem bisher kaum beach­teten Meisterwerk.

Pedro Obiera

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