O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Bilder ähnlich der besuchten Aufführung - Foto © Innsbrucker Festwochen der Alten Musik

Wenn die Geister singen

IDALMA
(Bernardo Pasquini)

Besuch am
23. Juni 2023
(Premiere)

 

Musik­fest­spiele Potsdam Sanssouci, Neues Palais Sanssouci, Potsdam

Bekanntlich geistert es ja oft in alten Gemäuern. So auch hier, in Alessandra Premolis Insze­nierung von Idalma von Bernardo Pasquini, in der dritten der diesjäh­rigen barocken Darbie­tungen der Musik­fest­spiele Potsdam Sanssouci als Kopro­duktion mit den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik.

Im späten 17. Jahrhundert war Bernardo Pasquini eine Berühmtheit in Italien und es war für ihn eine große Ehre, den Auftrag einer Oper zum römischen Karneval von 1680 zu kompo­nieren. Mit seinem Libret­tisten Giuseppe Domenico de Totis hat er dann auch eine Verwirr­ko­mödie hervor­ge­bracht, die an Moder­nität heutzutage nichts verloren hat. Es geht um Liebe, Eifer­sucht, Bestän­digkeit und Intrigen – was sonst?

Die Handlung dreht sich um Idalma, eine junge adelige Dame von außer­ge­wöhn­licher Schönheit. Ein Ur-Ahn von Don Giovanni, Lindoro, verliebt sich in sie, überredet sie, ihn heimlich gegen den Willen ihres Vaters zu heiraten und mit ihm nach Rom zu ziehen. Dort wird er ihrer bald überdrüssig und will zurück zu seiner alten Flamme, Irene, die mittler­weile seinen Freund Celindo gehei­ratet hat. Natürlich kommt es zu einem Happy End – nach drei Akten in fast vier Stunden inklusive zwei Pausen. Bis es so weit ist und beide Paare mit ihren jewei­ligen angetrauten Partnern glücklich werden, gibt es noch jede Menge Verwir­rungen, die von zwei Dienern, Dorillo und Pantano, sowie dem ältlichen Eigen­brötler Almiro, kommen­tiert werden. Der Unter­titel der Oper chi la dura la vince – wer durchhält, gewinnt – bezieht sich in erster Linie auf die Bestän­digkeit der Liebe der beiden Damen, Idalma und Irene, die zu ihren Männern stehen, obwohl die es mit der Treue nicht so recht ernst nehmen.

Foto © Innsbrucker Festwochen der Alten Musik

Bühnen­bild­nerin Nathalia Deana schafft als Einheits­büh­nenbild eine Eingangs­halle in einem italie­ni­schen Palazzo. Vom alten Glanz sind noch einige Podeste und Gemälde übrig­ge­blieben. Hier finden sich die Figuren des 17. Jahrhun­derts ein, in aufwän­digen, schönen, histo­ri­schen Kostümen von Anna Missaglia. Regis­seurin Premoli sorgt für den amüsanten Einfall, dass stumme Akteure – eine schicke Archi­tektin und zwei Bauar­beiter – immer wieder auftauchen und Renovie­rungs­ar­beiten durch­führen. Sie sehen die Geister der Vergan­genheit nicht, bekommen aber doch mit, dass etwas nicht ganz stimmt: Der Zigaret­ten­an­zünder will nicht recht, weil er von einem unsicht­baren Geist ausge­blasen wird, ein Sofa ist plötzlich besonders schwer durch das Gewicht von Almiro, Lichter, die auf Kolora­tur­so­prantöne reagieren, umgekehrt auch der Page Dorillo, der schnell versteht, wie man ein Selfie aufnimmt – kleine Spiele­reien, die zur Erhei­terung des Publikums beitragen.

Alessandro De Marchi und Giovanna Barbati haben die Partitur neu überar­beitet auf der Grundlage der etwa 350 Jahre alten verges­senen Handschrift, die sich in der Biblio­t­hèque Nationale de France befindet. Diese Neufassung beein­druckt mit einem Feuerwerk an musika­li­schen Pointen. Das unter De Marchis Leitung munter aufspie­lende Innsbrucker Festwo­chen­or­chester liefert dazu eine Vielfalt an Klang­farben, Rhythmen und Tempi.  Der kleine Graben des Theaters ist so voll mit Theorbe, Gitarre, Doppel­harfe, Gambe und Cembalo, dass De Marchi keinen Platz hat und sein Ensemble von außerhalb dirigiert – das ermög­licht ihm einen besonders guten Blick­kontakt zu den Sängern.

Foto © Innsbrucker Festwochen der Alten Musik

Die durchweg überzeu­genden Sänger – es wird sogar verständlich auf italie­nisch gesungen – zeigen eine erfri­schende Spiel­freude auf. Arianna Venditelli ist Idalma, eine Sopra­nistin mit intona­ti­ons­si­cheren Kolora­turen mit einem Hauch an verliebter Verträumtheit, die ihrer Rolle durchaus entspricht. Tenor Anicio Zorzi Giusti­niani ist kurzfristig einge­sprungen und singt aus dem Graben – seine Rolle wird auf der Bühne von der Regis­seurin gemimt. Margherita Maria Sala ist eine Irene, die weiß, was sie will und wie sie es bekommt. Mit einem schönen, warmen Alt und viel Charme und Witz beherrscht sie die Bühne. Ihr Partner ist Celindo, der von Tenor Juan Sancho mit lyrischem Schmelz gesungen wird. Bariton Morgan Pearse gibt einen wunder­baren komödi­an­ti­schen Almiro, Bruder von Irene und passio­nierter Jäger, der erst schießen und dann reden will. Bass Rocco Cavaluzzi setzt den gewieften Diener Pantano ins rechte Licht. Als sein Gegen­spieler ist der Page Dorillo von Anita Rosati mit hellem und wendigem Sopran gesungen. Beide kommen­tieren und lenken die Amouren und Geschäfte ihrer Herrschaften, auch zu ihren eigenen Gunsten.

Die Musik­fest­spiele Potsdam Sanssouci hatten heuer das Motto Die Freund­schaft. Die künst­le­rische Leiterin, Dorothee Oberlinger, hat mit der Auswahl der drei Opern L’Huomo von Wilhelmine von Bayreuth, David et Jonathas von Marc-Antoine Charpentier und zuletzt Idalma von Bernardo Pasquini gezeigt, dass sie über ein feines Gespür für musika­lische und drama­tische Qualität verfügt, ohne die Kompo­nenten der intel­li­genten Unter­haltung zu vergessen. Der Erfolg der drei Opern – über 95 Prozent ausver­kaufte Vorstel­lungen – beweisen, dass das Publikum die Auswahl und das Genre durchaus würdigt. Man darf auf das Programm unter dem Motto Tanz im kommenden Jahr gespannt sein.

Zenaida des Aubris

Teilen Sie O-Ton mit anderen: