O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Bernd

Musikalischer Glanzpunkt

MACBETH
(Giuseppe Verdi)

Besuch am
15. August 2023
(Premiere am 29. Juli 2023)

 

Salzburger Festspiele, Felsenreitschule

Leer ist die Bühne. Nur eine unfassbar lange Wartebank, wie von einem Bahnhof über fast die gesamte Breite ist zu sehen. Hier wartet Lady Macbeth auf den Arzt. Ein Tunnel mit Vorhängen wird herein­ge­schoben, hier wird sie gynäko­lo­gisch unter­sucht, was auf Video­pro­jek­tionen andeu­tungs­weise zu sehen ist. Als sie vom Gynäko­logen erfährt, dass sie keine Kinder bekommen kann, bricht sie fast zusammen. Das ist eine Schlüs­sel­szene in Krzysztof Warli­kowskis Insze­nierung von Giuseppe Verdis Macbeth bei den Salzburger Festspielen: Wenn schon kein Kind, dann Flucht und Erfüllung durch Macht, wie es ihrem Mann von den Hexen prophezeit wird. Der Kinder­traum wird zum Trauma. Ihr Ehrgeiz erwacht, und Rache­ge­danken blitzen auf. Sie animiert ihren Gatten zu den folgenden Morden.

Auf der riesigen Bühne des Großen Festspiel­hauses wird mit Simul­tan­szenen und filmi­schen Video­pro­jek­tionen, wo etwa auch der Mord an König Duncan gezeigt wird, gearbeitet. Die Hexen sind blind, bestehen überwiegend aus kleinen Mädchen und werden immer mit einem Kubus herein- oder hinaus­ge­schoben. Das gehört zu den immer wieder­keh­renden Stilmitteln des Regis­seurs. Er zeigt auch ständig eigene Zitate aus seinen anderen Werken und greift immer wieder in seine Psycho­kiste, wofür seine Frau Malgorzata Szcześniak einen durchaus ästhe­ti­schen Psychoraum, der wie auch die Kostüme an die 1930-er Jahre erinnern, entworfen hat. Etwa werden auf einer langen, ebenfalls herein­ge­scho­benen Tribüne für den Chor beim Festmahl später kleine Kinder, es sind jene von Macduff, vergiftet, denn Kinder von anderen erscheinen Macbeth eine Bedrohung. Gleich­zeitig sieht man per Video den Herodes-Feldzug gegen die Erstge­bo­renen aus Pasolinis Matthäus-Evangelium. Ein anderes Mal werden Baby-Puppen auf Blumenkohl angerichtet. Als Macbeth glaubt, den ermor­deten Banco zu sehen, tragen Kinder entspre­chende Masken. Zum Finale sind jeden­falls Macbeth jetzt schon im Rollstuhl und seine Lady blutüber­strömt gefesselt und werden von Macduff nicht erschossen, obwohl er mehrmals die Pistole auf sie richtet, sondern dem Volk zur Lynch­justiz übergeben. Trotzdem wirkt manches auf der Riesen­bühne doch etwas verloren.

Foto © Bernd Uhlig

Mit der Salome von Richard Strauss bei den Salzburger Festspielen gelang ihr 2018 der inter­na­tionale Durch­bruch. Zuvor war sie hier schon als Wozzeck-Marie zu erleben. Dann reüssierte Asmik Grigorian ebenfalls bei den Festspielen als Chryso­t­hemis aus Strauss Elektra, um dann auch in Puccinis Trittico alle Frauen­rollen zu mimen. Jetzt also die Lady Macbeth. Darstel­le­risch umwerfend vielseitig, sie kann Macht­rausch, Depression, Kälte und Wahn vereinen. Auch stimmlich ist sie reich an Emotionen und Abstu­fungen. Fast ein bisschen zu viel Schön­gesang und zu wenig brutal in ihrem Ausdruck, denn Verdi wollte gar keine allzu schöne Inter­pre­tation dieser Rolle. Nur manchmal gerät ihr Sopran an seine Grenzen. Ihr Trinklied darf sie im Zentrum eines Strah­len­kranzes singen, sonst muss sie während ihrer großen Szenen mit dem Feuer spielen, sich umziehen oder mit Stöckel­schuhen über die lange Bahnhofsbank klettern. Ihr ebenbürtig verfügt Vladislav Sulimsky in der Titel­rolle über einen sehr edel geführten Bariton, fast zu schön für einen Bösewicht, aber durchaus auch zur Dramatik fähig.  Tareq Nazmi ist ein profunder, kraft­voller Banco, Jonathan Tetelman ein Macduff mit einem stimm­kräf­tigen, höhen­si­cheren Tenor. Die Konzert­ver­ei­nigung Wiener Staats­opernchor singt machtvoll und mitreißend.

Wunderbar erlebt man die Wiener Philhar­mo­niker unter der Leitung von Philippe Jordan, der kurzfristig für den erkrankten Franz Welser-Möst einge­sprungen ist und der diese Oper schon als Premiere an der Wiener Staatsoper dirigiert hat.  Man hört das Orchester ungemein farben­prächtig, fein ausba­lan­ciert, drama­tisch wuchtig und ganz zart in den Lyrismen.

Am Ende gibt es viel Applaus für die meisten Sänger und für den Dirigenten, auch aus dem Graben.

Helmut Christian Mayer

Teilen Sie O-Ton mit anderen: