O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Feminismus anno dazumal

DAUGHTERS OF THE FUTURE
(Waltraud900)

Besuch am
9. November 2023
(Premiere am 5. November 2023)

 

Forum Freies Theater, Düsseldorf

Iphigenie in Aulis ist eine Tragödie von Euripides, die zwischen 408 und 406 vor Christus entstanden ist. Iphigenie ist die Tochter des griechi­schen Feldherrn Agamemnon, der in den Krieg gegen Troja ziehen will, um Helena zu retten. Auf dem Weg nach Troja halten die Schiffe in Aulis, wo Göttin Artemis für Windstille sorgt, die sie erst aufheben will, wenn Agamemnon seine Tochter opfert. Iphigenie beugt sich schließlich der Staats­räson und willigt ein, sich für Griechenland zu opfern. Artemis jedoch entrückt sie zu den Göttern und lässt statt­dessen eine Hirschkuh den Opfertod sterben. So weit die Geschichte, die das Künst­le­rinnen-Kollektiv Waltraud900 in seinem Stück Daughters of the Future überschreiben will.

Foto © Melanie Zanin

Waltraud900 ist 2019 entstanden und widmet sich nach eigenen Angaben „zeitge­nös­si­schen Fragen nach Identität und gesell­schaft­lichen Zugehö­rig­keiten aus einer feminis­ti­schen Perspektive“. Mit dem Versuch, eine Renais­sance der „feminis­ti­schen Perspektive“ herauf­zu­be­schwören, läuft es bekanntlich nicht so richtig gut. Viele der „Forde­rungen“ sind seit Jahrzehnten überholt, laufen so weit an der Wirklichkeit vorbei, dass es selbst vielen Frauen allmählich leid wird. Wenn das Kollektiv mit seinem neuen Stück die Vergan­genheit überschreiben will, gerät das entspre­chend schief. Die Töchter der Zukunft wollen lernen, nein zu sagen, ihr Leben selbst­be­stimmt zu gestalten, sich nicht mehr vorschreiben lassen, wie sie sich zu kleiden oder zu pflegen haben? Da fragt sich der alte, weiße Mann, wer hier eigentlich in der Vergan­genheit lebt. Die Aufhebung aller Geschlech­ter­un­ter­schiede klingt weniger nach Identi­täts­findung als eher nach einem gruse­ligen Science-Fiction-Roman. Und so bleibt an diesem Abend manche Äußerung, die man über sich ergehen lassen muss, mehr als diskussionswürdig.

Ursprünglich bewarben sich 30 Mädchen und junge Frauen für die Teilnahme an dem Projekt. 17 blieben letztlich übrig, die nun den Abend bestreiten. Die Bühne und Ausstattung von Ria Papado­poulou zeigt sich überschaubar, aber überzeugend. Im linken hinteren Viertel der Bühne ist die Schlag­zeug­bat­terie aufgebaut, davor weißer Tüll gelegt, der im späteren Verlauf als Zelt und als Leinwand dient. Ein Mikrofon hängt frei im Raum und dient als Anspiel­station für State­ments. Die Regie von Bianca Künzel und Nazli Saremi macht Spaß. Sie teilen die Darsteller in drei Chöre auf. Der größte spielt die Iphigenie auf der Bühne, der nächst­größere tritt auf der Tribüne als Agamemnon auf und Aylin Çelik und Juliette Serrié verkörpern Artemis. Hervor­ra­gende Arbeit leistet Phaedra Pisimisi, die die Tänze choreografiert.

Die passenden Klänge dazu liefert Sierré an Xylophon, Donner­blech und Trommeln.

Wer sich an den Inhalten nicht stört, wird von der Spiel- und Bewegungs­freude, insbe­sondere aber von der Textsi­cherheit der jungen Leute höchst erfreut sein, die das Publikum nach knappen 90 Minuten begeistert feiert.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: