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Zwischen Realität und Traumwelt

LA BOHÈME
(Giacomo Puccini)

Besuch am
18. November 2023
(Premiere)

 

Theater Hagen

Auf große Begeis­terung stößt die Premiere von Giacomo Puccinis Reper­toire-Hit La Bohème im sehr gut besuchten Theater Hagen. Die richtige Prise Seelen­massage im Vorfeld der nahenden Festtage, die sich sowohl das Theater als auch das Publikum verdient haben. Die Gefahr, die Oper zum senti­men­talen Rührstück zu verzerren, bannen Dirigent, das szenische Team und vor allem die exzel­lenten Gesangs­so­listen in harmo­ni­schem Einvernehmen.

Mit der ausnahmslos jugendlich frisch agierenden und singenden Crew lässt sich die Handlung glaubhaft als das darstellen, was sie ist: Die Geschichte junger, lebens­lus­tiger und hoffnungs­voller Leute auf der Suche nach dem Glück, die aber von der harten Realität eingeholt werden. Weder Puccinis Musik noch das konge­niale Libretto des Erfolgs-Duos Giuseppe Giacosa und Luigi Illica lassen da Platz für triefende Rührse­ligkeit. Für die emotio­nalen Achter­bahnen, auf denen die zwischen Übermut, Hingabe, Eifer­sucht, Enttäu­schung und Verzweiflung hin- und herge­ris­senen Menschen ihre Jugend durch­rasen; für diese Gratwan­derung zwischen Realismus und Traumwelt treffen sowohl General­mu­sik­di­rektor Joseph Trafton als auch Regisseur Holger Potocki den richtigen Ton.

Trafton, indem er die filigranen Feinheiten der Partitur trans­parent zum Klingen bringt und weniger Wert auf effekt­betont rausch­hafte Gesten legt. Was den vielen intimen, mehr dem Kammer­spiel als der großen Oper verhaf­teten Szenen besonders entge­gen­kommt und wodurch die Gefühls­aus­brüche ohne Überdruck umso natür­licher zum Ausdruck kommen können.

Foto © Volker Beushausen

Auch Regisseur Holger Potocki vertraut der Partitur so fest, dass er auf szenische Mätzchen und verwir­rende Überin­ter­pre­ta­tionen verzichtet. Den Gefühls­re­gungen und ‑schwan­kungen der einge­schwo­renen Bohemien-Gemein­schaft lässt er freien Lauf. Mit einer behut­samen, stets der Handlung verbun­denen Personenführung.

Bühnen- und Kostüm­bild­nerin Lena Brexen­dorff gelingt ebenso geschickt der Spagat zwischen dem Realismus bitterer Armut und hochflie­genden Illusionen. Eine schlichte, aber pittoresk und keineswegs trostlos gestaltete Mansarde verwandelt sich durch die Licht­regie Hans-Joachim Kösters zeitweise in eine dezent imagi­nierte Traumwelt. Der Glitzer des weihnachtlich geschmückten Boule­vards, dominiert von einer komplexen Neonlicht-Instal­lation, verblasst im Nebel der kalten Winter­land­schaft des dritten Aktes.

Alles das kann aber nur seine Wirkung entfalten, wenn eine adäquate Besetzung der anspruchs­vollen Rollen zur Verfügung steht. Und das ist dem Hagener Theater mit der Verpflichtung frischer, unver­brauchter Stimmen rundum gelungen. Heraus­zu­heben ist etwa Jongwoo Kim mit einem strah­lenden Tenor, der mühelos die unbequemsten Spitzentöne trifft und die langen melodi­schen Kanti­lenen bruchlos formen kann. Zurück­hal­tender, ein wenig kühl wirkt Anna Pisareva, die der Mimì stimmlich nichts schuldig bleibt und die Rolle vor naiver Unbeküm­mertheit und in ihrer Sterbe­szene vor senti­men­talen Übertrei­bungen bewahrt. Mit seinem markanten Bariton verleiht Insu Hwang Marcello nachhaltige Akzente, ohne aufge­setzte Koket­terie stellt Mercy Malieloa eine lebens­lustige, gleichwohl sensible und ihre Bravour-Arie vorzüglich bewäl­ti­gende Musetta dar. Dong-Won Seo als Schaunard trifft mit seinem volumi­nösen Bass den richtigen Ton, während der Bariton von Kenneth Mattice in der Rolle des Collines etwas unaus­ge­glichen wirkt. Das Weihnachts­treiben im zweiten Akt lassen Chor und Extrachor sowie der Kinderchor des Theaters Hagen effektvoll ertönen.

Insgesamt eine szenisch sorgfältige und musika­lisch hervor­ra­gende Produktion des populären Werks. Der Beifall des Premieren-Publikums spricht für sich.

Pedro Obiera

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