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Satter Wohlklang

SING JOYFULLY
(Diverse Komponisten)

Besuch am
24. November 2023
(Einmalige Aufführung)

 

Tauber­phil­har­monie, Weikersheim

Die 600 Plätze des großen Konzert­saales mit der fantas­ti­schen Akustik sind ausge­bucht, das Ensemble Voces8 aus England ist am selben Tag angereist und bereitet sich auf den Auftritt vor. Wie sie das machen? Noch etwas ausruhen im Hotel? Weit gefehlt. Nein, sie bieten noch zwei Stunden vor dem Konzert einen Workshop an, dem 150 Besucher des Konzertes willig folgen – darunter etliche Mitglieder der Jeunesses musicales von nebenan in Weikersheim. Acht junge Sänger betreten in legerer Alltags­kleidung die Bühne und haben mit ihrem Moderator Barnaby Smith, Altus des Ensembles, sofort alle Herzen auf ihrer Seite. Mit tiefgrün­digem briti­schem Humor und einer ausge­klü­gelten Choreo­grafie bringen sie die Besucher des Workshops sofort in eine lockere Stimmung und zum Lachen. Da wird rhyth­misch geklatscht, um den Kopf zu wecken, und mit einem total lustigen Warmup mit heftigen Bewegungen unter Anleitung von Sopra­nistin Molly Noon Spannung in den Körper gebracht. Schließlich dürfen alle einen Bossa Nova anstimmen, eine zweistimmige Melodie, auf die Tenor Blake Morgan sein Solo singt, schwe­relos, aus dem Nichts. Spiele­risch werden Atem und Artiku­la­ti­ons­arten mit viel Liebe zum Detail geschult.

Foto © Michael Pogoda

Dazwi­schen gibt es, natürlich auf Englisch, Hinweise zum besseren Hören, zur relaxed tension, zur inneren Vorstellung. Und dann singen sie William Byrds Sing Joyfully, mit dem sie auch das Konzert eröffnen werden, nur mit dem Gedanken an Präzision, um es danach so zu singen, als wenn man in einen Raum kommt, der voller Ostereier ist. Der Unter­schied ist eklatant und Smith fordert alle anwesenden Chorleiter auf, genau das, das Singen mit einer inneren Intuition, ihrem Chor zu vermitteln. Hier zeigt sich der pädago­gische Ansatz des Ensembles, das nicht nur Workshops, sondern auch Weiter­bil­dungs­mög­lich­keiten im Internet bietet und auch sonst sehr aktiv ist.

Zum Konzert haben sie noch Zeit gefunden, sich in Schale zu werfen, im feinen Abend­kleid und Anzug kommen sie auf die Bühne. Aber das ist völlig egal, sie singen ebenso wie vorher lupenrein, aufein­ander hörend, jede Stimme erkennbar machend, durch­sichtig. Nach so viel Wohlklang tut einem der Applaus in den Ohren weh. Brittens sechs Choral Dances zeigen verschiedene Seiten des Ensembles, mal nachdenklich, mal humorvoll ausge­lassen. Die Acht singen auswendig und unter­streichen ihren Gesang nur durch sehr feine, manchmal kaum merkliche Gesten. Verlassen aber auch schon mal ihren Platz, um wechselnde Paare zu bilden. Altus Smith ist der Spiritus Rector der Gruppe und moderiert auch hier neben anderen, im Sopran singt neben Noon Andrea Haines. Altistin Katie Jeffries-Harris bringt samtige Tiefe, zu der sich die Tenöre Blake Morgan und Euan Williams, Bariton Chris­topher Moore und Bass und Beatboxer Dominic Carver gesellen.

Foto © Michael Pogoda

Als wohl innigstes Stück des Abends gestalten sie Bogoro­ditse Devo von Sergei Rachma­ninov, mit sattem Wohlklang und schwe­benden Oberstimmen, langen Phrasen auf schier endlosem Atem. Man wird einge­hüllt in eine warme, samtige Wolke von Klang, die man gar nicht mehr verlassen will.

In betonter Leich­tigkeit geht es nach der Pause weiter mit Bachs Bourée im Stile der Swingle Singers und sehr anspruchs­vollen Werken von Thomas Weelkes, As Westa was from Latmos Hill Descending, und Orlando di Lassos Dessus le Marché D’Arras. Und dann wieder leichtere Kost, Kate Rusbys Under­neath the Stars, wo sie wieder ein weiches Fundament zeigen, das man so kaum findet. Wie flüssiger Honig ist es, und darüber erhebt sich die umwer­fende Stimme von Sopra­nistin Haines, mit unglaublich reichem Timbre, dabei ganz klar und unprä­tentiös, ihre Soloeinlage ist einer der Höhepunkte des Abends – das Publikum tobt.

Auch im I Won’t dance von Jerome Kern zeigt das Ensemble, dass seine Stärke aus dem Piano kommt, aus dem mit Zärtlichkeit die Töne entwi­ckelt werden. Van Morrisons Moondance holt die Zuhörer wieder in die Wirklichkeit zurück und Sway oder Fly me to the Moon schließt das Konzert ab. Tosender Applaus, stehende Ovationen, die Gruppe wird gefeiert wie Popstars. Das erwirkt eine Zugabe, Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir aus dem Elias von Mendelssohn-Bartholdy – überir­disch schön.

Jutta Schwegler

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