O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Eine Milliarde für die Kölner Oper

DIE LUSTIGE WITWE
(Franz Lehár)

Besuch am
5. Dezember 2023
(Premiere am 3. Dezember 2023)

 

Oper Köln, Staatenhaus Deutz

Eine Witwe, die nicht nur lustig ist, sondern auch eine 20 Milli­arden schwere Erbschaft auf dem Konto hat, weckt Begehr­lich­keiten. Da wird in dem ebenso korrupten wie bankrotten ponte­ve­dro­ni­schen Fantasie-Staat schnell vergessen, dass man in grauer Vorzeit dem einstigen Bauern­mädchen Hanna verboten hat, den höher­ste­henden Grafen Danilo zu heiraten. Am Ende lässt die großzügige Witwe sogar der Kölner Oper eine Milliarde zufallen.

Eine pfiffige Idee, das bürokra­tische und diplo­ma­tische Chaos der Bananen­re­publik mit dem Desaster um das nach zwölf Jahren immer noch nicht fertig sanierte Opernhaus zu verknüpfen. Die Neuin­sze­nierung von Franz Lehárs populärster und wohl auch bester Operette Die lustige Witwe zeigt den Kölnern, wie man aus der abbruch­reifen ponte­ve­dro­ni­schen Botschaft in Paris innerhalb von sieben Tagen einen Luxus­salon zaubern kann, in dem die Puppen tanzen.

Was Bühnen­bildner Friedrich Eggert an illustren Dekora­tionen aufbietet, setzt ebenso starke Akzente wie das pitto­reske Kostümmeer von Alfred Mayer­hofer. Von edelsten Gala-Roben bis zu Teufels­masken, scharfen Leder­cor­sagen und putzigen Tutus fährt Mayer­hofer ganze Lastwagen an Textilien auf. Wovon besonders die nahezu ständig anwesenden Tänzer profi­tieren, die für viel Schwung auf der breiten Bühne des Staaten­hauses sorgen. Dass auch bärtige Männer in Damen­kos­tümen auftreten müssen, ist zwar heute üblich, muss aber nicht sein.

Foto © Matthias Jung

Regisseur Bernd Mottl erzählt das Stück mit feiner Perso­nen­führung und dezenten Anspie­lungen auf die Kölner Baupo­litik turbulent, humorvoll und ohne kalau­ernde Übertrei­bungen. Bei aller Vitalität bleibt genug Raum für ruhige, fast intro­ver­tierte und nachdenk­liche Momente. Man merkt der Titel­figur ebenso wie dem Hallodri Danilo gewisse Skrupel und Gewis­sens­bisse an, wenn sie, die als junges Liebespaar aus Standes­dünkeln nicht zusam­men­kommen konnten, jetzt quasi aus Geldgier mitein­ander verkuppelt werden sollen. Auch wenn sie sich angesichts schwei­gender Lippen und flüsternder Geigen näher­kommen und am Ende ein Happy End feiern: Ein Schatten bleibt an der „Liebes­heirat“ haften. Und das wird in der Insze­nierung spürbar, ohne von psycho­lo­gi­schen Überin­ter­pre­ta­tionen irritiert zu werden.

Andrea Sanguineti am Pult des Gürzenich-Orchesters geht musika­lisch ähnlich diffe­ren­ziert vor. Die fetzigen Natio­nal­tänze, die Mazurken, Couplets und Walzer spielt der Dirigent mit dem nötigen Schwung aus. Aber auch die leisen Töne sind bei ihm bestens aufge­hoben. Und so kann die Titel­heldin Elissa Huber ihr Vilja-Lied mühelos und ausdrucksvoll aussingen und zugleich einen Blick in ihre gar nicht immer so „lustige“ Gefühlswelt erlauben. Dass die Sängerin ihre ersten Bühnen­er­fah­rungen als Musical-Darstel­lerin gesammelt hat, kommt ihr in der Operette sowohl gesanglich als auch darstel­le­risch zugute. Die Stimmungs­wechsel meistert sie übergangslos und auch in den Tänzen kann sie auf Augenhöhe mit dem Ballett mithalten.

Miljenko Turk präsen­tiert einen agilen, stimmlich leichten, aber sicheren Danilo. Claudia Rohrbach als Valen­cienne bietet eine der besten Gesangs­leis­tungen des Abends und angesichts der homogenen Gesamt­leistung fällt es schwer, angesichts der vierzehn Solo-Partien einzelne Sänger hervor­zu­heben. Wozu auch der Chor in der Einstu­dierung von Rustam Samedov zu zählen ist. Die Produktion wirkt wie aus einem Guss ohne einen einzigen Ausfall.

Sehr zur Freude des Publikums, das alle Mitwir­kenden mit anhal­tendem Beifall überschüttet. Nicht nachvoll­ziehbar ist aller­dings der Umstand, dass bei einem Kassen­füller wie der Lustigen Witwe bereits bei der zweiten Aufführung große Lücken im Parkett des Staaten­hauses klaffen. Was sich in den Folge­auf­füh­rungen nicht wesentlich bessern wird.

Pedro Obiera

Teilen Sie O-Ton mit anderen: