O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Ziemlich neblige Angelegenheit

FRAU ADA DENKT UNERHÖRTES
(Martina Clavadetscher)

Besuch am
19. Januar 2024
(Premiere am 13. Januar 2024)

 

Rheini­sches Landes­theater Neuss, Großer Saal

Lange wehrten sich die männer­do­mi­nierten Wissen­schaften gegen die Einfluss­nahme von Frauen, nicht selten mit fragwür­digen Methoden. Man denke hier beispiels­weise an Lise Meitner, die 1938 gemeinsam mit ihrem berühmten Kollegen Otto Hahn die Kernspaltung entdeckte. Den Nobel­preis für Physik erhielt Hahn allein. Rosalind Franklin entwi­ckelte eine Theorie zur DNA-Struktur und bereitete damit die Grundlage für die Entde­ckung der DNA-Doppel­helix. Auch hier erhielten Männer den Nobel­preis. Glück­li­cher­weise sind hier viele Dinge längst ins rechte Licht gerückt worden – und zwar nicht erst von den „Feminis­tinnen“ der Gegenwart. Bereits in den 1970-er Jahren wurde eine Compu­ter­sprache Ada genannt. Um Ada Lovelace posthum zu ehren, die als erster Mensch gilt, der ein Compu­ter­pro­gramm entwickelte.

Foto © Marco Piecuch

Die Kinder berühmter Eltern haben es entgegen landläu­figer Meinung oft schwer. Treten sie in die Fußstapfen ihrer Eltern, müssen sie sich erst doppelt beweisen, schlagen sie eine andere Laufbahn ein, sehen sie sich oft mit der Frage konfron­tiert, warum sie nicht den Spuren ihrer Eltern folgen. Besonders pikant war der Fall von Augusta Ada Byron, der Tochter von George Gordon Noel, der als Lord Byron als briti­scher Dichter, Dandy und Schwärmer berühmt wurde. Ihr versuchte die eigene Mutter Steine in den Weg zu legen, um zu verhindern, dass sie den Schwär­me­reien des Vaters folgte. Also verlegte Ada sich auf die Mathe­matik. So lernte sie bei einer Soirée den Mathe­ma­tiker Charles Babbage kennen, der ihr seine Studien für eine analy­tische Maschine anver­traute. Sie erkannte, dass die Maschine mehr als nur Zahlen verar­beiten konnte und entwi­ckelte daraus die erste Compu­ter­sprache der Welt.

Martina Clava­det­scher, schwei­ze­rische Schrift­stel­lerin und Drama­ti­kerin, griff den Fall auf. Anstatt es bei einem biogra­fi­schen Stück über Ada Lovelace zu belassen, kombi­niert sie die Geschichte mit der Entwicklung von so genannter Künst­licher Intel­ligenz. Eine seltsame Mischung, die aber bei ihrer Urauf­führung Ende September des Jahres 2019 – glaubt man den Fotos – aufgrund einer aufwän­digen Insze­nierung funktio­nierte. Nun hat das Rheinische Landes­theater Neuss Thomas Goritzki mit einer Insze­nierung beauftragt.

Foto © Marco Piecuch

Goritzki gibt sich alle Mühe, das Stück langatmig zu gestalten und so aufzu­brechen, dass mögliche Zusam­men­hänge zwischen den beiden Teilen, die aller­dings auch schwer zu erkennen sind, vollends verlo­ren­gehen. Dazu trägt Heiko Mönnich, der für Kostüme und Bühne sorgt, sein Teil bei. Was im ersten Teil wie ein engli­scher Salon Anfang des 19. Jahrhundert wirkt und mit einem Balkon­überbau für zwei Ebenen sorgt, wird später eine kalte, weiße Guckkas­ten­bühne mit drei Schie­be­türen, die gar nicht oft genug geöffnet und geschlossen werden können. Aus Ada Lovelace, einer attrak­tiven, brünetten Dame der Gesell­schaft, entsteht bei Mönnich eine eher kränkelnde Blondine. Dafür mag sprechen, dass Lovelace tatsächlich bereits im Alter von 36 Jahren an einer gynäko­lo­gi­schen Krebs­er­krankung starb. Der Persön­lichkeit von Lovelace wird es dennoch nicht gerecht. Großartig hingegen das Kostüm ihrer Mutter. Und auch die beiden Puppen, die aus Adas Kinder­zimmer zum Leben erweckt werden und alle übrigen Rollen spielen, sind niedlich anzuschauen. Das Kostüm des stummen Dieners, der auch im Forschungs­labor wieder auftaucht, schindet ebenfalls Eindruck. Auf dem Campus regiert die wissen­schaft­liche Nüchternheit.

Der Stoff gibt selbst für histo­risch inter­es­sierte Besucher nicht genug her, um daraus einen mehr als zweistün­digen Abend zu gestalten. Und tatsächlich: Streicht man die Regie-Einfälle, wie etwa die perma­nente Wieder­holung von Nebel­wal­lungen, durch die der stumme Diener schreitet, geht wenig verloren. Frieda Küppers hält die Rolle eisern durch. Juliane Pempelfort spielt sowohl die Ada als auch die Künst­liche Intel­ligenz, die sich ständig unglaubhaft weiter­ent­wi­ckelt. Antonia Schir­m­eister gefällt als Mutter und macht als Wissen­schaft­lerin Keller eine gute Figur. Anton Löwe und Simon Rußig übernehmen die Rollen der Puppen und der wissen­schaft­lichen Mitar­beiter. Das funktio­niert bei einigen sprach­lichen Stolperern in der zweiten Vorstellung auch ganz gut. Trotzdem will der Funke weder im ersten noch im zweiten Teil überspringen. Dazu mag auch beitragen, dass die männlichen Akteure den Abend auf der Bühne nicht überleben und das als Evolution bezeichnet wird. Da bleibt zu hoffen, dass es sich um eine unüber­legte Pointe handeln soll. Bestenfalls.

Dass man in Neuss schon wesentlich Besseres gesehen hat, scheint sich herum­ge­sprochen zu haben. So ist der Saal bei der zweiten Vorstellung mit viel Wohlwollen maximal zur Hälfte besetzt. Der maue Applaus belegt immerhin, dass die Leistungen der Darsteller überzeugen können.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: