O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Ekaterina Belowa

Charmeoffensive

STARKE FRAUEN
(Michael S. Zerban)

Besuch am
22. Januar 2024
(Einmalige Aufführung)

 

Klassik aber frisch im Alten Küsterhaus, Meerbusch

Es gibt die schöne Anekdote über Franz Liszt, den Pianisten, den Frauen­schwarm. Wenn sich der Meister nach seinen elektrisie­renden Auftritten verab­schiedete, machte er das gegenüber den Damen stets mit leichter Verbeugung, die Hand am Herzen. „Je vous en prie, mesdames. Ayez l’honneur, mesdames“.

Der Abend im Alten Küster­haus Büderich, an dem der Düssel­dorfer Journalist Michael Zerban in kurzwei­ligen, musik­ge­füllten neunzig Minuten seinen neuen Bildband Starke Frauen vorstellt, ist eben das: eine Charme­of­fensive mit Verbeugung und mit der Hand, die zum Herzen geht – in diesem Fall adres­siert an zwölf „Kultur­ar­bei­te­rinnen, die sich von ihrer stärksten Seite zeigen“. Von der neusach­lichen Konno­tation sollte man sich nicht täuschen, schon gar nicht abschrecken lassen. An „Arbeit“ erinnern diese zwölf Begeg­nungen im Stadtraum in und um Düsseldorf, aufge­fä­chert zu je zwölf Ansichten, gerade nicht. 144 Schwarzweiß-Fotografien zeigen, so Zerban, „Frauen von heute, wie sie tatsächlich sind: Selbst­be­wusst, bereit, ihr Leben selbst­be­stimmt zu gestalten und es in all seinen Spiel­arten zu genießen“.

Désirée Brodka – Foto © Ekaterina Belowa

Wer den Bildband, erschienen als E‑Book im pdf-Format, durch­blättert, kann dem nur zustimmen. Charme auf jeder Seite, Charme von jeder Seite. Und auch darin ist dem Fotografen beizu­pflichten, dass die Ergeb­nisse „sicher nicht reprä­sen­tativ sind“. Können sie tatsächlich auch nicht sein. Dafür stellt das Leben, und zwar nicht nur den Frauen, oftmals harte Anfor­de­rungen, die es abhängig Beschäf­tigten schwer bis unmöglich machen, in der beschrie­benen Weise aufzu­treten. Beruf­liche Existenzen, seien sie angesiedelt in Chefetagen oder in prekärer Umgebung, sind heute wenig dazu angetan, selbige zu „genießen“. Soweit bekannt.

In diesem Fall geht es um etwas anderes. Hier geht es, um es mit einem zu Unrecht aus der Mode gekom­menen Wort zu sagen, um die persön­lich­keits­bil­denden Kräfte künst­le­ri­scher Betätigung. Zerbans Bildband lässt sich als wunder­barer Beleg lesen für die Wirkungen von Kunst auf die Seele, auf das Erscheinen des Menschen. Kunst dabei nicht verstanden von etwas, das man tun, das man genauso gut auch lassen könnte. Gemeint vielmehr ist die Passion, die zum Lebens­inhalt geworden ist. Das schlägt dann durch. Auf die Gesichter, die Blicke, wie sich jemand gibt. Und genau das macht den Zauber, macht die Ehrlichkeit dieser 144 Belich­tungen von inspi­rierter Weiblichkeit aus unseren Tagen. Eine spiele­rische Leich­tigkeit, die man da gewahrt. Eine, die sicherlich auch daher rührt, dass Zerban sein ursprüng­liches Konzept fixierter Posen rasch aufge­geben, seine Einstel­lungen gemeinsam mit den Porträ­tierten gesucht und gefunden hat.

Noémi Schröder – Foto © Ekaterina Belowa

Beim „schönen Happening“, als das er seine Präsen­tation verstanden wissen will, ist die Hälfte besagter „starker Frauen“ seines Bildbands anwesend. Dass darunter wiederum drei ausübende Musike­rinnen sind, sorgt für eine Echokammer aus Charme pur. Ekaterina Porizko die gut beschäf­tigte Pianistin am Klavier, auch mit eigenen Arbeiten, denen man gern noch länger gelauscht hätte. Ansonsten ist die Gründerin von Klassik aber frisch als dem Veran­stalter des Abends meisten­teils begleitend unterwegs. Für die Sopra­nistin Désirée Brodka und deren Streifzug von Carl Millöcker über Clara Edwards bis zu Kurt Weill; im nächsten Moment für eine bezau­bernde, auch die Melodika intonie­rende Noémi Schröder, die ihren Mezzo leiht für die anmutigste Darbietung franzö­si­scher Chansons, die man sich denken kann. Kunst­stück, die Chanson­nière hat eine mère française.

Womit wir zu den Gästen kämen. Überra­schend vor Ort Pianist Klaus Claas, der Duo-Partner von Noèmi Schröder. Beide ein einge­spieltes, jederzeit swing­be­reites Team. Gesehen ferner Kunst­freunde aus der weiteren und weiten Umgebung. Theater­macher Kristóf Szabo aus Köln sowie mit Jens Dornheim einer der drei Betreiber des Essener Rabbit-Hole-Theaters. Nicht zu vergessen Silke Zimmermann, die in Krefeld das Festival Musik und Lesung veran­staltet. Man sieht: Das von der Galeristin und Kunst­his­to­ri­kerin Isabelle von Rundstedt geführte Büdericher Alte Küsterhaus wird mehr und mehr auch zu einem regio­nalen Kulturzentrum.

Nachtrag: Imagine von John Lennon steht, es ist der besondere Wunsch des moderie­renden Fotografen, als Zugabe am Ende. Das Claas-begleitete Duo Brodka und Schröder ganz feder­leicht, überhaupt nicht bitter. Ganz anders als Lennon das gemeint hatte. Von wegen „kein Heaven, nur Sky“. Auf Himmel lässt sich eben doch nicht so leicht verzichten.

Georg Beck

Teilen Sie O-Ton mit anderen: