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Mit einer fulminanten Neuproduktion von Antonín Dvořáks bekanntester Oper Rusalka startet die Lütticher Oper ins Neue Jahr. Eine sensible Regie, ein überragendes Ensemble und eine aus dem Vollen schöpfende Ausstatterin garantieren einen mit zwei Pausen zwar langen, aber in keinem Takt langatmigen Abend.
Der griechischen Regisseurin Rodula Gaitanou gelingt es, märchenhafte Magie und psychologische Analyse in Balance zu bringen. Der sagenumwitterte Charakter des Werks bleibt erhalten, was nicht zuletzt der Bühnen- und Kostümbildnerin Cordelia Chisholm zu verdanken ist. Ohne antiquierten Plüsch schafft sie eine Wald- und Teichlandschaft, die mit einer blumenverzierten Wandeltreppe und einem großen, vertikal verschiebbaren Metallkranz die Wechsel zwischen den Welten der Menschen und der Nixen pointiert und, kongenial ausgeleuchtet, stimmungsvoll ermöglicht.

Die Handlung um Rusalka, das Nixenwesen, das aus der kalten und oberflächlichen Unterwasserwelt ausbrechen will, sich von den Menschen ein glücklicheres Leben erhofft und mit dieser Illusion völlig scheitert, lässt die Regisseurin unangetastet und verzichtet auf entstellende Überinterpretationen. Gleichwohl nimmt sie die komplexe psychologische Struktur der Titelfigur sehr ernst. Von der Sehnsucht nach einer besseren Welt, der anfänglichen Euphorie in den Armen des Prinzen über die zerschmetternde Desillusionierung am gefühlskalten, feindlichen Hof bis zur Verzweiflung an der Leiche des Prinzen zeichnet sich die Charakter-Skizze eines Mädchens ab, das, wenn auch zu spät, erkennen muss, dass das persönliche Glück nur im inneren Ich zu finden ist. Nicht in fernen Welten und erst recht nicht durch die Ablehnung der eigenen Persönlichkeit. Niemand kann seiner Haut entfliehen. Auch Rusalka nicht durch die schmerzhafte Metamorphose von der Wasserfee in ein Menschenkind.
All das wird in der von Empathie getragenen und in Sachen Personenführung handwerklich vorbildlich präzisen Inszenierung deutlich. Und Corinne Winter vermag dieses Psychogramm der Titelrolle szenisch und gesanglich geradezu ideal umzusetzen. Eine zerbrechlich zarte, aber emotional stark reagierende und empfindende Bühnenerscheinung, eine Nixe in einem traumhaft schönen Kostüm wie aus dem Bilderbuch, die sich nach ihrem Höllentrip am Ende kahlköpfig und ausgestoßen ihrem traurigen Schicksal fügt. Auch gesanglich gelingt der Sopranistin der Spagat zwischen mädchenhafter Zartheit und mächtig aufflammendem Selbstbewusstsein. Die kräftezehrende Tenorpartie des Prinzen meistert Anton Rositskiy mühelos, auch wenn es ihm Giampaolo Bisanti am Pult des Lütticher Orchesters nicht immer leicht macht. Bisanti kostet die vielfältigen Fassetten der Partitur zwar minutiös aus, lässt es aber in Sachen Dynamik und Tempo bisweilen an Rücksicht auf die Sänger vermissen.
Imposant der charismatische Bariton Evgeny Stavinsky als Wassermann, hintergründige Dämonie strahlt Nino Surguladze als Hexe Ježibaba aus und selbst die kleineren Partien, der Chor eingeschlossen, sind vorzüglich besetzt.
Langanhaltender Beifall des Premierenpublikums für eine Produktion mit viel Bühnenzauber und psychologischem Feingefühl auf denkbar hohem musikalischem Niveau.
Pedro Obiera