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„DAS GLÜCK IST DIE LIEBE, DIE LIEB‘ IST DAS GLÜCK“
(Franz Schubert, Robert Schumann, Richard Strauss)
Besuch am
7. Februar 2024
(Einmalige Aufführung)
Für die Freunde der Düsseldorf Lyric Opera gehören die Spotlight-Konzerte im Bürgerhaus des Salzmannbaus in Düsseldorf zum Pflichtprogramm. Ursprünglich ein Arienabend, an dem möglichst viele Sänger der DLO auftraten, fanden die Konzerte nach der Pandemie nur noch äußerst selten statt, ja, die ganze Reihe geriet in Gefahr. Schließlich sind die Künstler immer noch damit beschäftigt, ihre Existenzen zu sichern. Ende vergangenen Jahres entschied sich die DLO deshalb, das Konzept der Konzerte zu ändern. Zukünftig sollten einzelne Künstler mit eigenen Programmen die Abende bestreiten. Prompt fiel gleich der erste, ein Kurt-Weill-Abend, aus. Nun steht ein Abend mit Liedern von Schubert, Schumann und Strauss auf dem Programm. Da mag sich so manch einer gedacht haben: Nicht schon wieder. Aber unter den Gastgebern sind die Sängerin Karen Bandelow und Pianistin Meghan Behiel, die man wohl beide zu den Lieblingen des Publikums zählen darf. Dass auf der Vorankündigung außerdem Andreea Geletu mit Sprache aufgeführt ist, mag die Neugier beflügeln.

Jedenfalls hat man im Salzmannbau lange nicht so viele Besucher gesehen wie an heute Abend. Einlass ist ab 19 Uhr, 20 Minuten später sind sämtliche Stühle besetzt, die letzten Gäste müssen stehen. Die Ausstattung des Raums bietet keine Überraschungen. Die Stuhlreihen sind längs des Raums angeordnet, davor ist ausreichend Platz für das in die Jahre gekommene Klavier, einen Notenständer und für die drei Akteure. Das Licht ist gedämpft. Ein paar bunte Lampen an den Wänden, einzelne Spots leuchten die „Bühne“ aus. Die Zuschauer sind nach Wunsch mit Getränken versorgt, und so kann es pünktlich losgehen.
Andreea Geletu hat Musik- und Medienwissenschaften studiert, ist am Klavier, Cello und im Gesang ausgebildet. Nach Engagements an verschiedenen Theatern arbeitet sie heute als Regisseurin. Im Salzmannbau gibt sie den Conférencier. Braucht man an einem Liederabend wirklich noch einen Unterhalter? Geletu meint, dass es den Abend bereichern kann. Und sie behält recht. Schon beim Liederzyklus Frauenliebe und Leben von Robert Schumann nach Gedichten von Adelbert von Chamisso gelingt es ihr, das Publikum zu packen, indem sie mit kurzen Texten die Gefühlswelt der Frau in die Gegenwart zu holen. Und so entspinnt sich rasch ein Dialog mit Bandelow, die sich mit Inbrunst der Interpretation der Lieder hingibt. Aus dem siebten Lied An meinem Herzen, an meiner Brust stammt der Titel des Abends Das Glück ist die Liebe, die Lieb‘ ist das Glück.

Geletu belässt es bei ihren Zwischenreden nicht mit simplen Auf- und Abtritten, sondern hat sich zudem einen Bewegungsablauf überlegt. So gelingt ihr mit minimalen Mitteln, den Fluss im Programm zu unterstützen. Wunderbar poetisch ihr Text, mit dem sie zum nächsten Punkt überleitet. Auch der dramaturgisch ein gelungener Einfall, bringen die drei Fantasiestücke opus 111 von Schumann den Abend auf die Kippe. Allein Behiels Exzellenz ist es zu verdanken, dass die langsamen Stücke auf dem Klimperkasten noch erträglich bleiben. Spätestens hier wäre bei weiteren Aufführungen ein passabler Flügel vonnöten, um dem Programm den verdienten Glanz zu verleihen.
Die Sprecherin lenkt ab, indem sie aus verschiedenen Perspektiven die nächsten beiden Lieder von Franz Schubert, dem Ständchen aus Schwanengesang nach Ludwig Rellstab und Lachen und Weinen nach Friedrich Rückert, ankündigt, zunehmend selbstsicherer und kesser. Das macht richtig Spaß. John Henry Mackay hat den Text zum Lied Morgen von Richard Strauss verfasst, in dem es um das Glück der Vorfreude geht, wie Geletu dem Publikum eindrücklich näherbringt. Um auf die nächsten drei Fantasiestücke von Schumann einzustimmen, hat sich Geletu gar eine kleine dramatische Szene ausgedacht, die auch ohne die nachfolgende Musik schon höchst eindrucksvoll wirkt.
Um den Abend abzuschließen, haben die Damen Frühlingsglaube von Schubert ausgewählt, ein Lied, das das Publikum hoffnungsvoll stimmt, denn: „Nun muss sich alles wenden“, findet Johann Ludwig Uhland, der die Textvorlage erstellt hat. Die Besucher sind begeistert. Eine pausenlose Stunde ist im Flug vergangen und hat sie gefesselt. So mancher Purist müsste wohl angesichts des Formats schlucken, aber es funktioniert ganz wunderbar und hebt den wunderbaren Gesang Bandelows in der gewohnt herausragenden Begleitung von Behiel in eine Gegenwart, die man sich vorher nicht hätte vorstellen können. Der persönliche Gratulationsparcours nach dem Konzert dauert lange und wird häufig verbunden mit Glückwünschen, dass dieses Programm noch viele Bühnen finden möge.
Michael S. Zerban