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Foto © Thilo Beu

Mit jugendlichem Charisma

LA BOHÈME
(Giacomo Puccini)

Besuch am
9. Februar 2024
(Premiere am 11. November 2023)

 

Theater Aachen

Elena Tzavara führt zwar erst seit sechs Monaten als Inten­dantin die Geschicke des Aachener Theaters, macht aber schon mit einigen inter­es­santen Neuerungen auf sich aufmerksam. Ihr erster Spielplan für das Musik­theater mag zwar auf den ersten Blick ein wenig unspek­ta­kulär anmuten. Denn aus dem „kulina­ri­schen“ Reper­toire stehen neben einer Wieder­auf­nahme der Carmen nur Puccinis La Bohème und allen­falls noch Rossinis Il Viaggio a Reims auf dem Spielplan. Aber mit Henry Purcells Schau­spiel­musik zu John Drydens Drama King Arthur zum Saison­auftakt ließ sie erkennen, wie sehr ihr die Überschreitung von Gattungs­grenzen am Herzen liegt, um damit nicht zuletzt das Gemein­schafts­gefühl der Ensembles von Oper und Schau­spiel zu stärken. Und wenn für den Rest der Saison eher kleinere Produk­tionen wie das neue Musik­theater von Paul Georg Dittrich Ich bin Carmen, Brittens Curlew River oder Mozarts Zaide und Der Schau­spiel­di­rektor anstehen, das letzte in Zusam­men­arbeit mit der Musik­hoch­schule, kommt die Planung dem deutlich verjüngten Ensemble entgegen, das an den anspruchs­vollen, aber weniger bekannten Werken behutsam wachsen kann. Junge, unver­brauchte Stimmen, auch fortge­schrittene Hochschul­stu­denten, sollen und werden den Ton angeben.

Dass sich mit dem Ensemble aller­dings auch oft Star-besetzte Reper­toire­knüller besetzen lassen, beweist das Aachener Theater mit einer musika­lisch mehr als respek­tablen Neuin­sze­nierung von Giacomo Puccinis Rührstück La Bohème.

Die Besetzung nahezu aller Rollen mit jungen Kräften stärkt die Glaub­wür­digkeit des Stücks, das ja im Milieu junger, hoffnungs­voller und lebens­lus­tiger Menschen angesiedelt ist, die brutal mit dem drohenden Damokles­schwert des Todes konfron­tiert werden. Die Bedeutung jugend­lichen Charismas hat nicht zuletzt Leonard Bernstein 1987 in seiner immer noch berüh­renden Einspielung aus Rom bewiesen, in der er bewusst auf junge, damals noch völlig unbekannte Kräfte gesetzt hat. Und auch den Orches­terpart schlanker und pointierter ausführte als etwa Karajan mit seinem sympho­ni­schen Breitwandsound.

Foto © Thilo Beu

Ideale Voraus­setzung für einen solch trans­pa­renten, eher trockenen Orches­ter­klang bietet der Graben des akustisch proble­ma­ti­schen Aachener Theaters zwar nicht. Aber General­mu­sik­di­rektor Chris­topher Ward wie auch sein Vertreter Mathis Groß bringen eine Menge an drama­ti­scher Präsenz wie auch an lyrischem Kolorit zum Ausdruck, ohne den Klang senti­mental aufzu­weichen. Dass es dynamisch dennoch nicht immer sänger­freundlich zugeht, damit muss man in Aachen leben. Und die jungen Sänger können sich weitgehend glänzend behaupten. Darunter die Neuerwerbung Laia Vallés, die als Musetta eine ebenso überra­gende Leistung präsen­tiert wie in Rossinis Viaggio a Reims. Ausge­stattet mit einem höhen­si­cheren Sopran und einem auch in den Spitzen­tönen angenehmen Timbre, womit sie die Partie ohne soubrett­en­hafte Hysterie mit lyrischem Wohlklang ausstatten kann. Eine außer­ge­wöhnlich begabte Sängerin, der man nur wünschen kann, verant­wor­tungsvoll an größere Rollen heran­ge­führt zu werden. Zu wünschen ist das auch dem mexika­ni­schen Tenor Angel Macias, der für den Rodolfo viel Potenzial erkennen lässt. Aller­dings sollte diese Partie derzeit eine Grenze markieren. Er verfügt über eine – noch – nicht allzu große, aber gut geführte Stimme mit einer vorzüg­lichen Legato-Kultur. Neu und vielver­spre­chend ist auch dessen Landsmann Jorge Ruvalcaba, der die kleine Partie des Schaunard überzeugend inter­pre­tiert, aber auch als Marcello mit seinem Kollegen Ronan Collett alter­niert. Der gehört dem Ensemble bereits länger an und trägt mit seinem markanten, aber kulti­vierten Bariton nicht unwesentlich zum guten Eindruck der Aufführung bei. Die Rolle der Mimì gestaltet Camille Schnoor als Gast mit mensch­licher und im Verlauf des Abends zuneh­mender stimm­licher Wärme. Auch bei den restlichen kleineren Partien ist kein Ausfall zu beklagen. Ebenso bei den sicher agierenden Opern‑, Extra- und Kinderchören.

Die musika­lische Qualität überflügelt zweifellos die teils konven­tio­nelle, teils etwas unbeholfene Insze­nierung von Blanka Rádóczy. Die Ausstattung kommt mit einem recht sparsamen Bretter­verhau aus, was für die Eckakte durchaus ausreicht, auch wenn der zweite Akt vor dem Café Momus ein bisschen mehr weihnacht­liches Kolorit ausstrahlen könnte als ein paar mit Christ­bäumen und Rentieren bestickte Pullover. Überhaupt nimmt die Regis­seurin die Bedeutung der winter­lichen Atmosphäre nicht wahr, wenn sowohl in der Mansarde als auch im dritten Akt vor der Zollschranke mehr geschwitzt als gefroren wird. Ansonsten erzählt die junge Regis­seurin die Geschichte nachvoll­ziehbar nach, wobei sie sich auf die Spiel­freude des jungen Ensembles verlassen kann.

Insgesamt eine Produktion, die mit einem frischen Ensemble vielver­spre­chende Zeichen für die Zukunft des Aachener Musik­theaters erkennen lässt. Viel Beifall für alle Beteiligten.

Pedro Obiera

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