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Brillant und schillernd

SEEJUNGFRAU
(Ludwig van Beethoven, Alexander von Zemlinsky)

Besuch am
4. März 2024
(Premiere am 3. März 2024)

 

Sinfo­nie­or­chester Wuppertal, Histo­rische Stadt­halle Wuppertal

Es ist Usus, dass Sinfo­nie­kon­zerte der Stadt Wuppertal mit standing ovations honoriert werden. Wenn die aber direkt nach dem letzten Ton des Violin­kon­zerts von Ludwig van Beethoven wie bei Popver­an­stal­tungen mit unzäh­ligen bravi und Jubel­rufen gespickt sind, muss für die Zuhörer im sehr gut besuchten Großen Saal der Histo­ri­schen Stadt­halle etwas ganz Beson­deres vorge­fallen sein. Daran ändert sich auch nach der Zugabe – der erste Satz der zweiten Violin­sonate von Eugène Ysaÿe – überhaupt nichts. Grund dafür ist der Auftritt der weltweit hochge­schätzten Geigerin Arabella Stein­bacher. Sie gibt damit im Rahmen des siebten Sinfo­nie­kon­zerts dieser Spielzeit ein umjubeltes Debüt mit dem Sinfo­nie­or­chester Wuppertal, gleich­zeitig nach rund 15-jähriger Abwesenheit ein Comeback in der guten Stube der Stadt.

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Nicht jeder Wupper­taler scheint ihren Namen, der seit rund zwei Jahrzehnten ehrfurchtsvoll überall kursiert, vor der Veran­staltung gekannt zu haben, wie während der Pause hier und da zu hören ist. Oder man hat nur beiläufig einmal ein Album von ihr gehört. Aber nun haben auch die Klassikfans im Tal der Wupper sie in ihr Herz geschlossen. Und das zu Recht. Indem sich unter Patrick Hahns Stabführung sensibel-mitatmend die städti­schen Sinfo­niker dynamisch zurück­nehmen, kann Stein­bacher ihre hohe Musika­lität voll zur Geltung kommen lassen. Alles, was in dieser beetho­ven­schen Musik steckt, lässt sie mit einer großen Linien­führung und innerer Ruhe packend, ergreifend singen. Glanzvoll figuriert sie das Haupt­thema des Eingangs­satzes, nimmt das zweite sehr lyrisch, faszi­niert anschließend mit zartem Figuren­spiel und kantabler Melodie­führung und beein­druckt im Finale mit beschwingt-tänze­ri­scher, beglü­ckend-heiterer Ausge­las­senheit. Selbst­redend kommen die teils hochgradig schweren Kadenzen wie aus einem Guss daher.

Wie bei Beethoven stellt Stein­bacher auch bei der Zuhabe ihre exorbi­tante, wie spiele­risch leicht wirkende Virtuo­sität nie in den Vorder­grund. Vielmehr ist sie nur Mittel, um sämtliche musika­lische Inhalte und die teils komplexen kompo­si­to­ri­schen Struk­turen verständlich zu vermitteln. So arbeitet sie die Reminis­zenzen an Johann Sebastian Bachs Präludium aus der dritten Partita oder das Thema des Dies Irae, die in dem Kopfsatz der zweiten Violin­sonate von Ysaÿe stecken, glasklar heraus.

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Eine Wieder­ent­de­ckung hat Alexander von Zemlinskys Die Seejungfrau seit 40 Jahren hinter sich. Am 25. Januar 1905 im Wiener Musik­verein urauf­ge­führt und nach weiteren Auffüh­rungen im Dezember 1906 und im November 1907 zog der ständig von Selbst­zweifeln geplagte Komponist das Werk zurück. 1942 verstarb Zemlinsky. Erst Anfang der 1980-er Jahre wurde die verschollene Partitur rekon­struiert, 1984 erstmals wieder unter dem späteren Wupper­taler General­mu­sik­di­rektor Peter Gülke vom Öster­rei­chi­schen Jugend­or­chester aufge­führt und auf zwei Vinyl­scheiben einge­spielt. Seitdem erobert die Orches­ter­fan­tasie die inter­na­tio­nalen Konzert­bühnen. Etliche Alben, aufge­nommen von bedeu­tenden Orchestern und Dirigenten, zeugen von dem hohen Beliebt­heitsgrad. Heute ist sie das am meisten gespielte Werk Zemlinskys.

Dem rund 45-minütigen Opus ist der zweite Teil des Abends gewidmet. Es sprüht vor musika­li­schen Effekten, raffi­nierter Instru­men­ta­ti­ons­kunst und einer großen Palette an abwechs­lungs­reichen, spätro­man­ti­schen Klang­farben. Zemlinsky ist eine schil­lernde Musikwelt gelungen, die eine zauber­hafte Unter­was­serwelt darstellt. Leicht nachvoll­ziehbar kann das das große Seelen­leben nachvoll­zogen werden, das in Hans Christian Andersens als Vorlage dienende Märchen Die kleine Meerjungfrau steckt. Sehr viele solcher Tonge­mälde bringt das städtische Orchester unter Hahns exakt schla­gendem Dirigat packend zu Gehör. Gerade bei den ruhigen, sich leise entwi­ckelnden Passagen, kann in ausge­wo­genen Klängen gebadet werden. Dagegen kommen im Tutti laute Stellen etwas unkul­ti­viert von der Bühne. Auch feine Kanti­lenen, etwa die von den Holzbläsern gespielten, könnten hörbarer heraus­ge­ar­beitet werden.

Auch für diese Darbietung gibt es stehende Ovationen. Die fallen aber bei weitem nicht so enthu­si­as­tisch aus wie die Stein­bacher gewidmeten.

Hartmut Sassen­hausen

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