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Foto © Leszek Januszewski

Odyssee der Gefühle

ODYSSEE
(Francesco Nappa)

Besuch am
16. März 2024
(Urauf­führung)

 

Theater Hagen

Unter stürmi­schem Beifall hebt Francesco Nappa sein neues Tanzstück Odyssee im gut besuchten Theater der Stadt aus der Taufe. Sieben Episoden aus Homers gewal­tigem Epos nimmt sich der Hagener Chefcho­reograf mit seinen zehn Tänzern vor und schöpft für die 105-minütige Kreation tänze­risch aus dem Vollen.

Mit seiner Mischung aus Abenteuer, Fantasy, Erotik, Gewalt und Liebe enthält Homers Werk bereits alle Ingre­di­enzien, aus denen auch heutige Bestseller auf und jenseits der Filmleinwand gestrickt werden. Eine Chance für einen vitalen, ebenso effekt­vollen wie hinter­grün­digen Theater­abend, die sich Nappa und seine hoch motivierte Compagnie nicht entgehen lassen.

Foto © Leszek Januszewski

Den Rahmen für die 20-jährige Odyssee des Titel­helden bestimmt die eherne Treue seiner Gattin Penelope, die sich im langen Warte­stand etlicher lästiger Freier erwehren muss und am Ende ihren abenteu­e­r­er­probten Mann wieder in die Arme schließen kann. Dazwi­schen entfaltet Nappa einen bunten Bilder­bogen mit aufwüh­lenden Seestürmen, bestri­ckenden Verfüh­rungs­künsten von Circe und den Sirenen sowie Kämpfen mit dem Kraft­paket Polyphem und Penelopes Freiern. Nappas diffe­ren­zierter Umgang mit der Schwer­kraft führt zu Spannungs­feldern, in denen die Figuren immer wieder die Boden­haftung verlieren. Mit akroba­ti­schen Sprüngen in den kraft­be­tonten Auftritten der Schiffs­mann­schaft, mit feder­leichten Hebungen oder gar völlig erden­t­ho­benen Luftflügen in den sensiblen Passagen Circes und Penelopes. Wobei die Männer­rollen zwar eine starke dynamische, aber keine grobschlächtig maskuline Energie ausstrahlen. Selbst den an sich brutalen Polyphem stellt Antoine Luc Koutchouk Charbonneau feingliedrig mit hinter­grün­diger Dämonie dar. Sein Kampf mit dem ebenso jugendlich und schlank besetzten Odysseus nimmt eher die Züge eines einem Initia­ti­ons­ritus nicht fernste­henden Liebes­spiels an. Matteo Castel­letta führt in der Titel­rolle mit charis­ma­ti­scher Ausstrahlung das vorzüg­liche Ensemble an, in dem Hannah Law eine ebenso intro­ver­tiert zerbrechlich anmutende wie charak­ter­starke Penelope darstellt. Mit großem Selbst­be­wusstsein versucht Yu-Hsuan (Mia) Hsu als Circe den Seefahrer zu „becircen“. Hervor­zu­heben ist die Flexi­bi­lität, mit der der Rest des Ensembles, zusätzlich auch einige der Solisten, für die Ensem­ble­szenen in Rollen der Sirenen und der Schiffs­mann­schaft schlüpfen.

Ein rotes Faden­ge­flecht symbo­li­siert in den ebenfalls von Nappa kreierten Bühnen­bildern die Verbun­denheit Penelopes mit ihrem Gatten, ein leibhaf­tiges, oft in effekt­vollen Nebel gehülltes Schiff birgt die Seeleute. Für fanta­sie­volle Kostüme sorgt Tanja Liebermann, so etwa mit einem schlan­genhaft gleißenden Outfit für Polyphem oder wehenden Stoffen für die Sirenen.

Dass das Philhar­mo­nische Orchester Hagen unter Leitung von Rodrigo Tomillo die plasti­schen Klänge von Ezio Bossos Oceans-Sinfonie und der Sturm­musik aus Benjamin Brittens Peter Grimes live zum Klingen bringt, kommt der Wirkung des gesamten Stücks spürbar entgegen. Ein Sonderlob verdient der Cellist Van Vaigot für seine anspruchs­vollen Solo-Passagen. Auch in der berühmten Élégie von Gabriel Fauré, mit der der Abend nach den drama­ti­schen Ereig­nissen als harmo­ni­scher Pas de Deux in roman­ti­schem Wohlklang endet.

Langan­hal­tender Beifall für einen fanta­sie­vollen und kurzwei­ligen Tanzabend auf hohem Niveau.

Pedro Obiera

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