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Schöngesang in der Düsternis

ANNA BOLENA
(Gaetano Donizetti)

Besuch am
16. März 2024
(Premiere am 15. Dezember 2023)

 

Deutsche Oper Berlin

Anna Bolena, Gaetano Donizettis 1830 urauf­ge­führte Oper, konzen­triert sich ganz auf die letzten Tage der Titel­heldin, die von Heinrich VIII. letzt­endlich enthauptet wird. Die Oper erzählt haupt­sächlich den histo­ri­schen Konflikt zwischen Anne Boleyn und Heinrich VIII., der sich, da ihm die Königin nur ein Mädchen – die spätere Königin Elisabeth I. – schenken konnte, Jane Seymour zuwendet. Bei Donizetti sind die Namen dem Italie­ni­schen angepasst, so steht Königin Anna Bolena in Konkurrenz zu ihrer Hofdame Giovanna Seymour, Geliebte des König Enrico VIII. Um sich seiner zweiten Ehefrau von insgesamt sechs zu entle­digen, nutzt Enrico VIII. eine zweideutige Situation und lässt Anna sowie deren Vertraute hinrichten. Damit ist der Weg frei für eine Ehe mit Giovanna. Das Haupt­au­genmerk liegt im Libretto von Felice Romani auf den tiefen Gefühlen der Haupt­dar­steller, vor allem von Anna, deren Jugend­liebe Lord Percy und Giovanna. König Enrico treibt mehr die Handlung voran, als dass er seine Gefühle in langen Arien reflektiert.

David Alden hat Anna Bolena gemeinsam mit seinem Ausstatter Gideon Davey in Berlin insze­niert, in Zusam­men­arbeit mit der Oper Zürich, wo die Premiere schon 2021 stattfand. Das Team hat einen Bühnenraum kreiert, der die Verlas­senheit der Königin in den Vorder­grund stellt. Die düstere Handlung entfaltet sich mit nur wenigen Requi­siten. So erblickt man anfangs auf der sonst kahlen Bühne den überdi­men­sio­nierten Löwen­thron, auf dem Elisabeth I. als Kind verloren sitzt. Regisseur Alden lässt sie immer wieder als Statistin auftreten und die Gräuel­taten verfolgen. Im Laufe des Stückes erlebt sie trauma­tische Vorkomm­nisse, später wird sie unerbittlich regieren. Dahinter erhebt sich eine hohe, graue und kahle Wand, die die Einsamkeit des Kindes noch verstärkt. Später gibt es Video­ein­spie­lungen von Robi Voigt, Wolken, kreisende Bussarde und am Ende zu Annas Träumen schot­tische Landschaften, alles in schwarz-weiß, irgendwie wirkt es aufge­setzt, mit Schloss und Wasser­fällen. Im weiteren Verlauf schiebt sich hier eine mächtige, dunkle Holzwand davor, mit Fenstern, durch die die Höflinge das Geschehen verfolgen. Einzelne Versatz­stücke wie ein Bett, Bänke, ein Kamin ohne Sitzge­le­gen­heiten davor, unter­streichen die Düsternis noch. Die Kostüme sind der Origi­nalzeit verhaftet, zum Teil aber auch aus der Neuzeit, so tritt Giovanna im engen Kostümchen mit Zigarette auf – Intrige im Königshaus bis heute? Statisten als Jagdhunde mit ledernen Masken werden vom König gebändigt.  Der Chor ist durchwegs in Grau gehalten und trägt immer wieder Teilmasken, teils in Form von skelet­tierten Köpfen. Elfried Rollers Licht­design schafft unheim­liche Momente, proji­ziert riesige Schatten auf die Wand.

Foto © Bettina Stöß

Federica Lombardi singt die Königin nicht nur mit nobler Stimme, sondern auch von der Erscheinung her absolut königlich. Mit ihrem reichen, dunkel timbrierten Sopran stellt sie sich den Belcanto-Anfor­de­rungen, die Donizetti der Rolle abver­langt, bleibt dabei aber seltsam gleich­förmig. Als Zuhörer kann man den Schön­gesang genießen, vermisst aber die großen Ausbrüche und Gefühls­explo­sionen, die in der Rolle liegen, immerhin verzichtet Anna für den Thron auf die Liebe zu Percy. Erst am Ende in der Kerker­szene wird ihr Ton etwas schneidender.

Jana Kurucová als Giovanna Seymor kann dagegen ihre Verzweiflung über das Schicksal sehr wohl in der Stimme deutlich machen. Mit ihrem kräftigen und durch­schla­genden Mezzo bringt sie die Dramatik auf die Bühne.

Xabier Anduaga, Lord Riccardo Percy, kommt als weitge­reister Wanderer ins Geschehen auf der Bühne und vermag mit hellem, höhen­si­cherem und kräftigem Tenor das Publikum sofort für sich einzu­nehmen. Seine reich timbrierte, gut fokus­sierte und strah­lende Stimme ist präde­sti­niert für die expressive Musik Donizettis, seine Piani überzeugen völlig.

Riccardo Fassi singt einen sehr weichen Enrico, zwar mit schöner Stimme, anfangs auch recht viril mit Begehren in der Stimme, kann aber im Laufe des Stückes die Unerbitt­lichkeit und den Hass nicht deutlich machen.

In den kleineren Rollen gefallen Arianna Manganello in der Hosen­rolle als Smeton mit schlankem Mezzo, Christian Simmons, Stipendiat der Opera Foundation New York mit ausdrucks­starkem Bassba­riton als Lord Rochefort und Kanyoon Shine Lee als Sir Hervey.

Der Chor unter der Einstu­dierung von Jeremy Bines greift immer wieder als Hofge­sell­schaft ins Geschehen ein, zuletzt mit einem makabren Totentanz am Ende des Stückes. Insgesamt ist der Klang­körper an diesem Abend nicht einheitlich und stellen­weise ungenau in den Einsätzen. Unter der Leitung von Daniele Squeo, der die drei Vorstel­lungen im März übernommen hat, wirkt das Orchester der Deutschen Oper Berlin schon im Vorspiel etwas breit und diffe­ren­ziert und auch im weiteren Verlauf an diesem Abend nicht wirklich inspiriert.

Das Publikum im nicht ganz vollen Theater feiert die Mitwir­kenden, ganz besonders Xabier Anduaga, mit großem Applaus.

Jutta Schwegler

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