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BASTIAN-STEIN-TRIO
(Diverse Komponisten)
Besuch am
18. März 2024
(Einmalige Aufführung)
Salopp ausgedrückt hat der künstlerische Leiter der Kultreihe Jazzfoyer – ehemals Nachtfoyer – Wolfgang Schmidtke die Katze im Sack gekauft. Eleganter ausgedrückt gibt er das in seiner Anmoderation offen zu, als er das Bastian-Stein-Trio vorstellt. Er sei sicher aber sicher, keine falsche Entscheidung getroffen zu haben. Nach rund zwei Stunden eines nicht alltäglichen Konzerts kann man ihm nur beipflichten. Das Wuppertaler Debüt der drei Vollblutmusiker ist ein großer Erfolg, das vom zahlreich erschienenen Publikum im Foyer des Wuppertaler Opernhauses mit begeistertem Applaus honoriert wird.
Jazztrios gibt es zwar viele. Am geläufigsten ist wohl die Besetzung mit Klavier, Bass und Schlagzeug. Doch die an diesem Abend zu erlebende Formation Trompete, Kontrabass und Schlagzeug kommt nicht alle Tage vor. Und dann stellen sich auch noch drei Musiker vor, die eher in Fachkreisen einen ausgezeichneten Ruf genießen. Doch das wird sich bestimmt ändern, wenn sie regelmäßig landauf, landab auf den Jazzbühnen erscheinen. Die Trompete spielt Bastian Stein, Jahrgang 1983, in Heidelberg geboren und in Wien aufgewachsen. Er war unter anderem Mitglied des Bundesjazzorchesters unter der Leitung von Peter Herbolzheimer, des European Jazz Orchestra und trat unter anderem mit den Bigbands verschiedener Rundfunkanstalten auf. Seit 2022 ist er Professor am Jazz-Institut Berlin. Am Kontrabass steht Phil Donkin, 1980 im englischen Sunderland geboren. Er arbeitete bereits mit namhaften Musikern Großbritanniens zusammen, später in New York mit US-amerikanischen Kollegen. Etliche Alben zeugen von seiner abwechslungsreichen Tätigkeit. Am Schlagzeug sitzt James Maddren, der 1987 im britischen Sussex das Licht der Welt erblickte. Er spielte im National Youth Jazz Orchestra, in etlichen britischen Jazzgruppen und ist seit einiger Zeit viel in Basel unterwegs.

Jeder Musiker ist ein Meister an seinem Instrument. Stein entlockt seinem Instrument in allen Registern, selbst in großer Höhe, absolut intonationsreine laute und leise singende Töne. Unverkrampft kommen schnellste Tonrepetitionen daher. Auch Donkins Spieltechnik lässt keine Wünsche offen. Wieselflinke lupenreine Läufe und Riffs faszinieren ebenso wie fein dahin gehauchte, singende kleine Motive. Hochsensibel geht Madden mit seinen Schlagzeugstöcken und Besen um, setzt dezent Snare und Bassdrum ein, wenn es ruhig zur Sache geht. Er steigert aber auch hin und wieder zu virtuos vorgetragener Klanggewalt.
Überwiegend Stücke neueren Datums aus Steins Feder wie For Tim und Traces, aber auch den Standard Duke Ellington’s Sound Of Love von Charles Mingus hat das Trio mit im Gepäck, womit es in intensive und dichte hochspannende Dialoge eintritt. Die drei Individualisten, die bereits vor vier Jahren das Album An Eel’s Trip auf den Markt brachten, verstehen sich also. Nach klassisch-kammermusikalischem Muster agieren sie miteinander. Beginnt etwa Stein mit einer kurzen musikalischen Idee, wird sie nacheinander oder zusammen von seinen beiden Kollegen übernommen und frei improvisierend fortgesponnen, zu neuen Ufern geführt oder höchst kreativ variiert. Man tritt ein in einen musikalischen Dialog, kommuniziert harmonisch miteinander, geht eine Symbiose ein oder beginnt eine Kontroverse. Es geht dabei über weite Strecken ruhig-konzentriert zu. Laute Auseinandersetzungen kommen natürlich auch vor.
Im Auditorium kann man eine Stecknadel fallen hören. Denn die große Spannung auf der Bühne überträgt sich voll auf das Publikum, das gebannt, mucksmäuschenstill die hochmusikalische Interaktion mitverfolgt – eine Rarität bei Jazzkonzerten.
Hartmut Sassenhausen