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Bilder ähnlich der besuchten Aufführung - Foto © Benji Guirchoun

Nah beieinander

Z („ZETT“)
(Nino Haratischwili

Besuch am
21. März 2024
(Premiere am 11. Januar 2023)

 

Theater an der Luegallee, Düsseldorf

Die Einteilung in und Benennung von Genera­tionen mag für den Fachbe­reich Sozio­logie an der Univer­sität hilfreich sein, weil gesell­schaft­liche Strömungen pauschal erfasst und beschrieben werden können. Im Alltag sind sie weniger nützlich, weil die Übergänge und Entwick­lungen oft fließend sind. Vielbe­schworen ist die Generation Z, kurz Gen Z, die also Menschen, die etwa zwischen 1997 und 2012 geboren sind, umfasst. Häufig werden die Angehö­rigen dieser Gruppe als „Zoomer“ bezeichnet. Es gibt für dieses Wort keine direkte Übersetzung, lehnt sich eher schön an die „Boomer“ an, nämlich die „Babyboomer“. Die Gen Z beschreibt Menschen, die erstmals von Geburt an mit den digitalen Entwick­lungen aufge­wachsen sind. Sie erleben den Wechsel vom Arbeit­geber- zum Arbeit­neh­mer­markt. Deshalb wird ihnen nachgesagt, dass sie auf Leistung im Ausbil­dungsweg weniger Wert legen als auf regel­mäßige Arbeits­zeiten, die eine strikte Trennung zwischen Arbeit und Privat­leben erleichtern. Außerdem findet – so sagen die Sozio­logen – eine Verschiebung der Werte hin zu einem sozialen Aktivismus statt. Der rührt aller­dings eher von einer verstärkten Ich-Bezogenheit her, sorgt also nicht für Solida­rität, sondern eher für das Gegenteil. Über die Kürze dieser Beschreibung mögen Sozio­logen die Hände über dem Kopf zusam­men­schlagen, für das Verständnis eines Theater­abends wird sie reichen.

Mit Z („Zett“) gab Nino Harati­schwili 2006 ihr deutsches Debüt als Drama­ti­kerin. Damals wurde das Stück in ihrer eigenen Regie in Hamburg urauf­ge­führt. Harati­schwili ist im georgi­schen Tiflis geboren. Nach dem Studium der Filmregie in ihrer Heimat­stadt schloss sie ein Studium der Theater­regie in Hamburg an. Seither verfolgt sie eine preis­ge­krönte Karriere als Regis­seurin, Drama­ti­kerin und Schrift­stel­lerin. Z („Zett“) ist ein Kammer­spiel für einen weiblichen und einen männlichen Darsteller. Tizian wird verse­hentlich in der Halle einer Akademie einge­schlossen. Lea hat sich absichtlich einschließen lassen. Die beiden verbringen wohl oder übel die Nacht mitein­ander. Glück­li­cher­weise konnte Harati­schwili 2006 noch nichts von Wokeness, gender­ideo­lo­gi­scher Sprache oder Klima­ak­ti­vismus wissen, so dass die Zuschauer im Düssel­dorfer Theater an der Luegallee davon verschont bleiben.

Björn Lauterbach – Foto © Benji Guirchoun

Veronika Morgoun und Björn Lauterbach werden noch dem Nachwuchs zugerechnet und haben die Produktion selbst erarbeitet. Theater­lei­terin Chris­tiane Reichert hat sie mit dem Stück im vergan­genen Jahr für eine einmalige Aufführung einge­laden, mit der die beiden überzeugen konnten. Und so dürfen sie seit heute für fünf weitere Auffüh­rungen auf die Keller­bühne. Entspre­chend einer Halle ist die Bühne denkbar karg einge­richtet. In einer Ecke steht ein Flipboard, auf dem allerlei „Slogans“ aufge­schrieben sind. Davor ein Stehtisch mit einer Kaffee­kanne und zwei Tassen. Die Wände sind in schlichtem Weiß gehalten. Mittig ein wackliger Tisch, vor dem ein Stuhl steht, der vermutlich nur noch für leicht­ge­wichtige Personen gedacht ist. Das Licht bleibt durch­gängig weiß, wird lediglich zum Szene­nende abgeblendet.

Die Erwar­tungs­haltung der Babyboomer unter den Besuchern ist groß. Was werden die Jugend­lichen, zwei Studenten der Philo­sophie um die 26, ihnen zu sagen haben, was sich von ihrer Jugend unter­scheidet? Zunächst einmal ist die Überra­schung groß. Denn der Dialog entwi­ckelt sich seltsam hakelig. Und bleibt lange an der Oberfläche. Was sich zögerlich in die Tiefe entwi­ckelt, hat einen hohen Wieder­erken­nungswert. Gedanken über den Sinn des eigenen Lebens und seiner Zukunft, ein wenig gewürzt mit Hegel, die Perspek­tiv­lo­sigkeit gesell­schaft­licher Entwicklung – all das ist doch nichts Neues. Darüber haben die Babyboomer auf dem Gymnasium bei Tee und Räucher­kerzen disku­tiert, damals, als sie in der Pubertät waren, nicht am Ende ihres Studiums. Nur dass der Gedan­ken­aus­tausch damals wesentlich substan­zi­eller verlief. Liegt es an Harati­schwilis Texten, oder hat sich das Denken so wenig weiter­ent­wi­ckelt? In jedem Fall ist das Staunen gründlich.

Veronika Morgoun – Foto © Benji Guirchoun

Der Eindruck soll nicht täuschen. Morgoun und Lauterbach haben sich beileibe kein einfaches Stück ausge­sucht. Denn es bietet kaum Raum für Inter­aktion oder die große Geste. Da muss man mit dem eigenen Körper schon was anfangen können. Das – zumal ohne Regisseur – zu erarbeiten, braucht doch einige Jahre Berufs­er­fahrung. So wirkt Lauterbach vor allem in den schwie­rigen Anfangs­szenen noch ungelenk, Morgoun fällt zu häufig nichts Besseres ein, als die Arme vor der Brust zu verschränken. Dem kann man entge­gen­halten, dass es den Rollen entspräche, aber dann müsste es souverän gezeigt werden. Dafür punkten die beiden mit großer Sicherheit bei einem umfang­reichen Textvo­lumen. Und wenn Harati­schwili endlich einmal den emotio­nalen Ausbruch erlaubt, darf Morgoun zeigen, was in ihr steckt. Das ist schlicht großartig! Da geht schon viel mehr, als die Schau­spie­lerin vielleicht selbst glaubt.

Ob das Ende überrascht, muss jeder für sich selbst entscheiden, gut gemacht ist es auf jeden Fall. Das Publikum applau­diert ausgiebig. Lauterbach und Morgoun dürfen sich zugute­halten, die Menschen erreicht zu haben. Hier geht wohl keiner nach Hause, ohne sich in Gedanken noch mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Michael S. Zerban

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