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TRIO SYMPHATIQUE
(Diverse Komponisten)
Besuch am
22. März 2024
(Einmalige Aufführung)
Im November 1811 besuchte Napoleon Bonaparte Düsseldorf. Zu seinen Ehren wurde die Stadt festlich geschmückt, unter anderem gab es einen Nachbau des Pariser Triumphbogens. Pierre-Louis Roederer, seinerzeit Bonapartes Minister für das Großherzogtum Berg, dessen Hauptstadt Düsseldorf war, schrieb daraufhin an seine Frau, die Feierlichkeiten in Düsseldorf seien die glanzvollsten der Reise und Düsseldorf für einige Tage Klein-Paris gewesen. Heute wird der Begriff nur noch vom Marketing genutzt und insbesondere beschworen, wenn es auf der Kirmes überteuerte Weine und Möchtegern-französische Speisen gibt. Düsseldorfer Bürger nutzen diesen Begriff in der Gegenwart eher ironisch. Einerseits, weil es wohl immer weniger erstrebenswert ist, mit dem heutigen Paris und seinen Vororten verglichen zu werden, die Stadt Düsseldorf andererseits immer weniger Anlass zur „Glorifizierung“ bietet.

Gleichwohl mag die Idee von einem Klein-Paris in den Köpfen der Verantwortlichen herumgespukt haben. Warum den Namen nicht mit neuen Inhalten füllen? Und so haben die Filmkunstkinos Düsseldorf gemeinsam mit dem Lokal Pure Note im Stadtteil Bilk das Festival L’appel du printemps – der Ruf des Frühlings – ins Leben gerufen, das in diesem Jahr vom 6. März bis zum 28. April stattfindet. In den Filmkunstkinos, das Metropol in Bilk ist Nachbar von Pure Note, werden Vorpremieren französischer Filme im Original mit deutschen Untertiteln gezeigt. Für kosmopolitische oder frankophile Cineasten lohnt da durchaus ein Blick ins Programm. Im Pure Note treten in dem Zeitraum Künstler mit starkem französischem Bezug auf. Insgesamt sind es sieben Konzerte, von denen an diesem Abend das zweite stattfindet.
Seitdem Noémi Schröder als selbstständige Sängerin arbeitet, hat sie Spaß daran, sich in den unterschiedlichsten Konstellationen auszuprobieren. Ob mit Klaus Klaas als Duo Savoir vivre, mit der Band Les Ricochets oder mit Nicolai Burchartz als Duo Rosenpfeffer, um nur einige Beispiele zu nennen. Dabei hat sie keine Angst vor größeren Formationen, schließlich kennt sie als Opernsängerin und Musicaldarstellerin auch die großen Bühnen. Aber das Erfolgsrezept bleibt gleich. Schröder betört mit Stimme, Melodika und Kazoo, die Musiker umrahmen das Ereignis.
Im Pure Note tritt das Trio Symphatique auf. Es besteht aus Schröder, dem Gitarristen Martin Henger und dem Kontrabassisten Julian Walleck. Die drei passen perfekt auf die Bühne in dem Ladenlokal. Das ist der Podest des Schaufensters. Davor sind ein paar Bänke aufgebaut, der Rest der Gäste verteilt sich auf den Raum. Es geht form- und zwanglos zu. Das bedeutet nicht nur, dass man an den Tischen weiter speist, sondern auch, dass die Uhrzeit nur noch relative Bedeutung hat. Aber dann beginnen die Musiker doch irgendwann. Schon mit dem ersten Chanson – J’attendrai, also ich werde warten – nimmt das Trio die Hörer gefangen. 1936 von Dino Olivieri als Tornerai komponiert, schrieb Louis Poterat die französische Textversion. Was ursprünglich als Liebeslied gedacht war, entwickelte sich ab 1940 als Durchhalte-Lied und wurde das französische Gegenstück zu Lilli Marleen in Deutschland und We’ll meet again in Großbritannien. Ein Video ihrer Interpretation hat Schröder hier veröffentlicht.

Que reste-t-il de nos amours? Was von unseren Liebschaften bleibt, fasste Charles Trenet 1942 in Worte, Léo Chauliac kleidete sie in Musik. François Truffaut verwendete die Baisers volés, die geraubten Küsse, aus dem Lied nicht nur als Filmtitel, sondern setzte das Lied auch im Film ein. Und noch während Schröder ihr Lieblingslied, wie sie selbst sagt, Sous le ciel de Paris – unterm Himmel von Paris – von Hubert Giraud aus dem Jahr 1951 anstimmt, schickt eine Dame aus dem Publikum bereits eine Videosequenz zu ihren Freunden nach Frankreich. Beglückt nimmt sie deren Kommentar „Sehr französisch!“ zur Kenntnis. Mit Voyage, voyage von Dominique Albert Dubois und Jean-Michel Rivat gelang der französischen Sängerin Desireless 1986 zwar in Frankreich nur ein Nummer-zwei-Schlager, aber in Deutschland wurde es als einer von nur drei französischen Titeln ein Nummer-eins-Erfolg. Die gelungenere Interpretation bekommen allerdings die Besucher in Düsseldorf zu hören. Munter geht es mit Les yeux noirs, den schwarzen Augen, und Another French Song weiter zum Padam … padam. Ebenfalls 1951 veröffentlicht, ist der Walzer bis heute einer der größten und vielleicht melancholischsten Erfolge von Edith Piaf. In ähnlichem Stil geht es mit Je veux und Johnny tu n’est pas un ange weiter zur Pause.
Mit Gitarre, Kontrabass, Kazoo und Melodika, die alle immer wieder Gelegenheit zu kleinen Soli bekommen und so den Abend bereichern, startet auch der Libertango von Astor Piazzolla in die zweite Runde. Und Schröder schreitet von Höhepunkt zu Höhepunkt, nimmt sich dabei immer Zeit für kurze, gefällige Anmoderationen. Samba de mon coeur lädt noch zum Tanz ein, bei La mer von Charles Trenet fliegen die Mobiltelefone in die Höhe. Das muss doch für die Nachwelt oder wenigstens zum Angeben bei den Freunden festgehalten werden. Nach Un million de roses rouges steht C’est si bon auf dem Programm. Erst mit Djelem djelem, der internationalen Hymne der Roma, führt Schröder das Publikum vom schwelgerischen Genuss zum andächtigen Zuhören, um mit Petite Fleur, der kleinen Blume, einem Jazz-Standard von Sydney Bechet zum Schluss zu kommen.
Ob La vie en rose die geeignete Zugabe ist, kann man diskutieren, möchte man doch danach eigentlich noch viel mehr hören. Aber nach zwei Stunden muss dann trotz Pause auch mal Schluss sein. Und so findet das Konzert nach dem Motto „Man soll gehen, wenn es am schönsten ist“ sein Ende. Das Festival L’appel du printemps aber geht weiter. Am kommenden Donnerstag tritt das Duo Emile und Harena auf, danach folgen die restlichen Konzerte jeweils freitags. Und wer Noémi Schröder live erleben möchte, bekommt dazu immer mittwochs im Andreas-Quartier in Düsseldorf Gelegenheit.
Michael S. Zerban