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Foto © O-Ton

Musik schafft Hoffnung

DREAMS AND PRAYERS
(Diverse Komponisten)

Besuch am
31. März 2024
(Einmalige Aufführung)

 

Bach-Saal, Johan­nes­kirche, Düsseldorf

Mit seinem Tod hat Jesus die Sünden der Menschen auf sich genommen und wird die Welt von ihrem Übel erlösen. So ist es die feste Überzeugung der Christen. Und so wird das Oster- zu einem Freudenfest in der christ­lichen Kirche. Für Wolfgang Abendroth bedeutet das, dass die Kirche zu Ostern von Musik erfüllt sein soll. Deshalb veran­staltet der Kantor der Düssel­dorfer Johan­nes­kirche seit vielen Jahren das Oster­mu­sikfest ChamberJam zwischen den Gottes­diensten, die während der Oster­fei­ertage zahlreich statt­finden. In diesem Jahr mag man sich mehr als in anderen fragen, ob eine solche „Party“ gleich über mehrere Tage in Krisen­zeiten überhaupt angebracht ist. Abendroth antwortet mit einem klaren Ja. Wann ist die Hoffnung größer als in diesen Tagen? Und Musik schafft Hoffnung, will ein Zeichen setzen gegen das sinnlose Sterben. Das ist in der christ­lichen Religion nicht anders als in anderen Glaubensrichtungen.

Die künst­le­rische Leitung hat Abendroth Daniel Rowland übergeben. Eigentlich ist eine Jam-Session eine Zusam­men­kunft von Musikern, die nach bekannten Standards gemeinsam spielen oder, wenn ihnen zu solchen Standards nichts mehr einfällt, einfach auch mal impro­vi­sieren. Rowland hat die Definition für das Geschehen in der Johan­nes­kirche ein wenig abgewandelt. Hier versammelt er befreundete Musiker, lässt Arran­ge­ments für die zur Verfügung stehenden Instru­mente schreiben und stellt so sicher, dass das Ganze nicht aus dem Ruder läuft oder anders ausge­drückt: in einem planbaren Rahmen statt­finden kann. Mit dem Begriff chamber wird die relative Größen­ordnung vorge­geben. Da ist es dann auch durchaus möglich, dass plötzlich mal neun Musiker auf der Bühne stehen. Nach den ersten beiden Konzerten am Samstag­abend und Sonntag­nach­mittag findet nun im Bach-Saal, dem Kammer­musik-Saal der Johan­nes­kirche, das Konzert Dreams and Prayers – Träume und Gebete – am Sonntag­abend statt. Die wenigen Plätze, die im Saal leerbleiben, sind oben in der Empore besetzt.

Chen Halevi – Foto © O‑Ton

Es herrscht eine gelassene und entspannte Atmosphäre. Das wird schnell deutlich, als Abendroth verkünden muss, dass der Klari­nettist Chen Halevi Opfer der Zeitum­stellung geworden ist und sich aber bereits auf dem Weg vom Hotel zur Kirche befindet. Das Lachen im Saal ist herzlich. Schön, dass so was auch mal anderen passiert. Also beginnt die Sängerin Luciana Mancini in Begleitung von Mahyar Tahmasbi an der Sitar und Nicholas Santangelo Schwartz am Kontrabass mit zwei sephar­di­schen Wiegen­liedern. Rückbli­ckend ist das vielleicht sogar der bessere, weil intimere und berüh­rendere Einstieg in den Abend.

Sergej Proko­fieff hatte für Folklore eigentlich nicht viel übrig. Und so reagierte er eher skeptisch, als das Ensemble Simro, eine Gruppe von sechs Absol­venten des St. Peters­burger Konser­va­to­riums, ihn bat, auf der Basis hebräi­scher Lieder Musik für Klari­nette, Streich­quartett und Klavier zu schreiben. Nachdem er sich aller­dings 1919 mit den Liedern zu beschäf­tigen begann, stellte er binnen zehn Tagen seine Ouvertüre über hebräische Themen fertig, deren Urauf­führung im New Yorker Bohemien Club Anfang 1920 ein Riesen­erfolg wurde.

Mit einem frischen Studi­en­ab­schluss kann heute Abend aller­dings keiner der Musiker dienen. Vielmehr haben sich hier hochka­rätige Solisten versammelt, die üblicher­weise die großen Konzertsäle und Festivals der Welt bespielen. Am Klavier sitzt die ukrai­nische Pianistin Anna Fedorova, die neben ihren beruf­lichen Erfolgen auch noch Zeit findet, für ihre Heimat Gelder einzu­sammeln, und mit dem Kontra­bas­sisten Nicholas Santangelo Schwartz in Den Haag die Davids­bündler Akademie gegründet hat, um junge ukrai­nische Künstler in ihrem Werdegang zu unter­stützen. Entgegen dem ersten Eindruck beweist Chen Halevi mit seinen Klari­netten ein ganz ausge­zeich­netes Timing. Die Geiger Tim Brackman und Enzo Kok werden von Benjamin Roskams an der Bratsche und Claude Frochaux am Cello zum Quartett ergänzt.

Mit einer Musik, die ebenfalls an KIezmer erinnert, geht es in der fünfsät­zigen Suite Dreams and Prayers of Isaac the Blind von Osvaldo Golijov weiter. 1994 verfasste der argen­ti­nisch-ameri­ka­nische Komponist das Werk als Hommage „an die jüdische Kultur und ihre spiri­tuelle Tiefe“. Im Vorder­grund steht auch hier die Klari­nette, die für die Emotion und die „Erzählung“ zuständig ist. Das Streich­quartett untermalt mit rhyth­mi­schen Akzenten und impres­sio­nis­ti­schen Klang­bildern. Neben Halevi kommt hier das im vergan­genen Jahr vom Geiger Daniel Rowland gegründete Arethusa-Streich­quartett mit Floor Le Coultre als Zweiter Geigerin, der Bratschistin Dana Zemtsov und Maja Bogda­nović am Cello zum Einsatz. Mit dem halbstün­digen Stück soll es dann auch an Klezmer-Musik reichen.

Daniel Rowland – Foto © O‑Ton

Von Peter Iljitsch Tschai­kowski gibt es anschließend in einem Arran­gement von Vladimir Mendelssohn die Fantasie-Ouvertüre zu Romeo und Julia. Die sympho­nische Dichtung zu Shake­speares Werk wurde erstmals 1870, nach einer zweima­ligen Überar­beitung 1880 aufge­führt. 2019 bearbeitete dann Mendelssohn die Ouvertüre, um sie auch kammer­mu­si­ka­lisch aufführen zu können. Das Arethusa-Quartett, das sich nach einer Wassernixe benennt, die, von einem Halbgott bedrängt, sich in der Natur auflöst und damit unangreifbar wird, wird hier von Schwartz, Frochaux und Fedorova unter­stützt. In ihrer Farbigkeit kommt die Inter­pre­tation gerade recht, um dem Konzert neuen Schwung zu verleihen.

Weiter­ge­tragen wird der Schwung im Tango – from „Agony“ von Alfred Schnittke, den ebenfalls Mendelssohn bearbeitet hat. Für die Aufführung braucht es sieben gutge­launte Musiker – kein Problem im Bach-Saal. Ein beson­derer Dank geht an Sophie Klußmann, die für ein einziges Lied abends um zehn Uhr in der Begleitung von Fedorova auftritt. Ihre Inter­pre­tation von Kurt Weills Youkali ist hinreißend. Dafür hat sich das Warten wohl gelohnt. Und es ist die kurze Pause vor der „Strei­cher­schlacht“ von Golijov. Last Round ist ein Stück für zwei Streich­quar­tette und Kontrabass und gleicht an diesem Abend eher einem freund­schaft­lichen Duell zwischen den beiden Quartetten, bei denen nun auch der Geiger Daniils Ciric noch mitwirkt.

Das Publikum steht und tobt. Zweieinhalb Stunden hat es die Musik genossen – von Ermüdung keine Spur. Da wird gerne noch einmal Altistin Mancini auf die Bühne gerufen, um mit Yo soy Maria eines der bekann­testen Stück von Astor Piazzolla im Kreise der Streicher vorzu­tragen. Ein wunderbar gewählter Ausklang für einen großen Abend der Kammermusik.

Am Oster­montag geht es bereits um 17 Uhr mit dem letzten Konzert der Musiker­freunde weiter. Dann steht unter anderem die deutsche Erstauf­führung von Map of Freedom der Kompo­nistin Aftab Darwishi auf dem Programm.

Michael S. Zerban

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