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Wenn’s in der Beziehungskiste rumst

INTERMEZZO
(Richard Strauss)

Besuch am
25. April 2024
(Premiere)

 

Deutsche Oper Berlin

Wer hat sie nicht erlebt – Ehestrei­tig­keiten, Knirschen in der Bezie­hungs­kiste, inter­per­so­nelle Zwistig­keiten. Wie man es auch nennen will – wenn die Emotionen aufwallen, ist oft kein Halten mehr. Das Fernsehen ist voll von solchen Dramen, ebenso ist es eine der belieb­testen Themen für Filme und Literatur. Nun, Richard Strauss, im echten Leben verhei­ratet mit Pauline, hat eben dieses Alltags­thema aufge­griffen und daraus eine zweiaktige Oper kompo­niert und das Libretto dazu geschrieben. Urauf­ge­führt 1924 am Schau­spielhaus Dresden, wird es erstmalig auf der Bühne der Deutschen Oper gezeigt – pünktlich zum 100. Geburtstag des Stückes!

Der Inhalt ist schnell erzählt: Hofka­pell­meister Storch geht auf Tournee. Seine Frau Christine bleibt mit dem kleinen Sohn daheim. Sie lernt einen jungen Mann kennen, flirtet mit ihm, nur um festzu­stellen, dass er Geld haben will. Ein irrege­lei­teter Brief einer Dame zweifel­haften Rufes fällt in Chris­tines Hände. Die will sich auf der Stelle scheiden lassen. Das Missver­ständnis wird aufge­klärt, und es gibt ein bitter­süßes Happy End.

Foto © Monika Rittershaus

Regisseur Tobias Kratzer setzt seine Strauss-Opern-Trilogie an der Deutschen Oper fort – nach Arabella in der letzten Saison und Frau ohne Schatten in der nächsten – hat er sich der dreizehn Bilder angenommen und höchst­ver­gnüg­liche musika­lische Schnapp­schüsse daraus gemacht. Die Bühne von Rainer Sellmaier gibt Anspie­lungen an die heutige Aktua­lität mit einer Guckkasten-Optik, ein Theater im Theater mit großflä­chigen Projek­ti­ons­flächen während der musika­li­schen Inter­mezzi, die die einzelnen Bildern trennen. Da wird Storch mit einem echten Mercedes-Taxi abgeholt – in dem Unmengen von Koffern verstaut werden – ebenso der kleine Sohn auf dem Boden, der Videos vom Vater ansieht und mitdirigiert.

Inter­mezzo ist ein Konver­sa­tions-Stück. Da ist Verständ­lichkeit und Diktion oberste Priorität, obwohl das Libretto völlig banal ist. Erstaun­li­cher­weise ist diese Verständ­lichkeit viel evidenter in der ARD-Radio­über­tragung als live im Saal.

Eindeutig hat Tobias Kratzer klar und gründlich sein Konzept dem Ensemble erklärt – das merkt man an der durchweg hohen Identi­fi­kation der Sänger mit ihrer Rolle und der daraus folgenden Spiel­freude. Allen voran Maria Bengtsson in der Rolle der frustrierten Ehefrau Christine. Der wehleidige Ton ihrer Klagen ist in ihrem etwas dring­lichen Sopran einge­bettet, und, auf gut Deutsch, sie nervt gewaltig. Als Außen­ste­hender ist nicht leicht zu erkennen, was ihr Mann, Hofka­pell­meister Robert Storch, an ihr liebenswert findet. Wie auch im Leben, die innere Dynamik einer Beziehung ist unsichtbar und rätselhaft. Hofka­pell­meister Storch, von Philipp Jekal mit eindring­lichem Tenor darge­stellt, ist ihr ergeben. Durch die Livevi­deo­ein­lagen von dem Dirigenten Donald Runnicles in den zwischen den Bildern gezeigten musika­li­schen Inter­mezzi bekommt das Werk eine dritte Dimension, eine Abrundung und einen noch realis­ti­scheren Bezug.
Erwähnt werden muss auch Elliott Woodruff, der den kleinen Sohn Franzl ganz selbst­be­wusst spielt, zum Papa hält und offen­sichtlich auch schon ein kleines Genie am Mini-Klavier ist. Erinnert etwas an den Linus-Charakter in dem legen­dären Comic­streifen Peanuts.

Foto © Monika Rittershaus

Als Kammer­jungfer Anna gibt Sopran Anna Schoeck ihrem Charakter eine gewisse Trotzigkeit und Gelas­senheit, die uns wissen lässt, sie hat alles schon erlebt. Nichts erschüttert sie. Etwas blass und ohne den notwen­digen Charme eines kalku­lie­renden Lovers wirkt Thomas Blondelle als Baron Lummer. Dagegen hinter­lässt seine Wirtin, die Frau Notar, köstlich von Sopran Nadine Secunde darge­stellt, einen bleibenden Eindruck mit den wenigen Sätzen, die sie hat. Obwohl selbst sicherlich auch auf ihre Art exzen­trisch – was sie nur mit ihrer Kostü­mierung ausdrückt – drängt sie auf Sittlichkeit bei ihrem chaoti­schen Unter­mieter. Auch Bariton Markus Brück als Notar steht für Ordnung und Bürger­lichkeit als Gegenpol zur hyste­ri­schen Christine, die – in einer Anspielung auf die rache­su­chende Elektra – eine sofortige Scheidung will. Auch Clemens Bieber als Kapell­meister Stroh, bringt mit seinem schön timbrierten, abgerun­deten Tenor eine weitere Entwicklung der Geschichte, da der Ehekrise auslö­sende Brief an ihn adres­siert ist.

GMD Donald Runnicles ist nicht nur im Graben mit dem gut aufge­legten Orchester der Deutschen Oper präsent, sondern auch immer wieder auf den Projek­ti­ons­flächen, die zwischen den szeni­schen Bildern einge­fahren werden. Eine gelungene und einfache Lösung, die dem drama­ti­schen Fluss des Stückes entge­gen­kommen. Strauss ist bekannt für seine außer­or­dentlich gelungene Lautma­lerei, die in diesem Werk voll zur Geltung kommen. Jede szenische Erläu­terung hat einen musika­li­schen Gegenpart. Runnicles bringt die Farben der Partitur zum Schimmern, auch wenn es gelegentlich zu laut wird.

Stürmi­scher Applaus für alle Mitwir­kenden. Ein vergnüg­licher Abend.

Zenaida des Aubris

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