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Foto © Peter Wieler

Konzertanter Jazzkurs

EMMET COHEN TRIO
(Diverse Komponisten)

Besuch am
26. April 2024
(Einmalige Aufführung)

 

Klavier-Festival Ruhr, Merca­tor­halle, Duisburg

Lässt man den Jazz Revue passieren, liegt die Entste­hungszeit im Gegensatz zur ernsten Musik nicht weit zurück. Angefangen hat alles in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhun­derts in den Südstaaten der USA mit den Brass Bands. In der letzten Dekade entstand der Ragtime. Rund zehn Jahre später, also im ersten Jahrzehnt des letzten Jahrhun­derts, tauchte der Boogie-Woogie auf. Diese Epoche gilt als Vorge­schichte. Danach kommt der Oldtime Jazz. Erst jetzt, einher­gehend mit den Strömungen Dixieland, Chicago-Jazz und New-Orleans-Jazz, die in der späten ersten Jahrhun­dert­hälfte ein Revival feierten, entstand der Begriff Jazz. Den Swing gab es ab 1928 bis gegen Ende des Zweiten Weltkriegs. Bis dahin wird diese gesamte Zeit als Mainstream-Jazz bezeichnet. Denn auch heute noch wird diese alte Musik wegen ihres leichten Zugangs gerne gehört. Oft erklingt sie in Lounges und Hotel- wie Piano-Bars. Der auf diese Stile fußende Pop-Jazz, den etwa der deutsche Jazztrom­peter Till Brönner pflegt, füllt sogar große Konzertsäle. In der freien Kultur­szene – also in den Clubs, sozio­kul­tu­rellen Einrich­tungen wie Kommu­ni­ka­ti­ons­zentren – ist dagegen die Musik danach quick­le­bendig. Dort wird auch auspro­biert, nach neuen Wegen gesucht, entstehen neue Strömungen. Der ab den 1940-er Jahren sich entwi­ckelnde Modern Jazz – also Bebop, Cool Jazz, Hard Bop – und die sich anschlie­ßenden Stile Modaler Jazz, Free Jazz, Fusion, Neo Bop, Modern Creative, Crossover bis hin zu den jüngsten Trends seit Aufkommen des Internets werden in diesen Häusern gespielt. Dorthin gehen die einge­fleischten Jazzfans.

Foto © Peter Wieler

Auch das Klavier-Festival Ruhr widmet sich dem Jazz. Viele berühmte Künstler gaben und geben sich hier die Ehre. Die neue Inten­dantin Katrin Zagrosek bleibt der Gattung treu. Jazz Piano heißt die Reihe. Darüber hinaus gibt es erstmals mit der Überschrift Klavier & Elektronik Crossover-Veran­stal­tungen. Dass sie großen Wert auf diese Festival-Sparte legt, zeigt sich daran, dass erstmals das Eröff­nungs- und Abschluss­konzert Jazzver­an­stal­tungen sind, wofür namhafte Musiker verpflichtet werden konnten. Den Anfang macht aus den Verei­nigten Staaten das Emmet Cohen Trio, ein klassi­sches Klaviertrio. Bandleader ist der Pianist Emmet Cohen, der jenseits des Großen Teichs unter anderem in renom­mierten Clubs wie dem Birdland und Blue Note in New York zu Hause ist und sich in der Jazzge­schichte ausge­zeichnet auskennt. Davon zeugen unter anderem zwei seiner Alben der Reihe Masters Legacy Series, die sich damit ausein­an­der­setzen. Dieses Wissen bringt er mit in die Duisburger Merca­tor­halle und präsen­tiert eigene Stücke und solche aus anderen Federn, die sich haupt­sächlich mit der Frühzeit des Jazz bis zum Swing beschäf­tigen, zehn inklusive der beiden Zugaben, darunter Spillin’ the Tea, Everlasting und L‘il Darlin. Damit wird eine bunte Palette an Ragtime, Boogie-Woogie oder klassi­schen Balladen geboten. Gleich zu Beginn swingt es ordentlich ausge­lassen bei der Nummer Time On My Hands. Außerdem kommt der legendäre Pianist Willie „The Lion“ Smith mit seinem Finger Buster aus dem Jahr 1939 als erste Zugabe zu Wort. Es versteht sich von selbst, dass die Musik im tradierten tonalen Raum gehalten ist. Die Harmonien beschränken sich also ganz klassisch auf Dur- und Mollak­korde mit den im Jazz üblichen zusätz­lichen Tönen der großen Septime und je nachdem auch der None. Beispiels­weise ist der C‑Dur-Akkord im Leadsheet, der Notati­ons­weise eines Stücks in der U‑Musik, als Cmaj7(9) notiert.

Cohen, Philip Norris am Kontrabass und Schlag­zeuger Kyle Poole stellen sich als große Experten vor, die traum­wand­le­risch sicher die alten Jazzstile wie aus dem Lehrbuch perfekt zu Gehör bringen. Außerdem sind sie Meister erster Güte an ihren Instru­menten. Wiesel­flink lässt Cohen seine Finger über die Klavier­tas­tatur gleiten. Er sorgt somit für hochvir­tuose Läufe und unter Berück­sich­tigung der tonalen Basis geschmeidige Akkordrü­ckungen. Pooles Solo bei Groundwork lässt hinsichtlich treibendem, groovendem, knackigem Umgang mit Trommeln und Becken keine Wünsche offen. Und der Oldie Tea For Two ist für Norris die Gelegenheit, sämtliche Spiel­tech­niken, sind sie auch noch so hochgradig schwer, spiele­risch leicht, tadellos zur Geltung zu bringen.

Des Weiteren überzeugen die drei Vollblut­mu­siker mit ausge­zeich­neten pädago­gi­schen Fähig­keiten. Denn sie studierten im Vorfeld mit Grund­schülern der Gemein­schafts­grund­schule Sandstraße in Duisburg Scott Joplins Evergreen Maple Leaf Rag ein. Das Ergebnis kann sich zu Beginn des Abends wahrlich sehen lassen. Zur sensibel vorge­tra­genen Musik seitens des Trios legen zwanzig Kinder, aufge­teilt in zwei Gruppen, synchron, als Paare und im Reigen eine heiße Sohle aufs Parkett, die das Publikum in Bann zieht. Damit wird das überre­gional hoch geachtete Education-Programm des Klavier­fes­tivals seinem exzel­lenten Ruf aufs Neue vollauf gerecht. Zu Recht heben es NRW-Kultus­mi­nis­terin Ina Brandes und Leonard Birnbaum, Vorstands­vor­sit­zender eines der Haupt­spon­soren, mit ihren Begrü­ßungs­an­sprachen ausdrücklich lobend hervor.

Die Besucher im voll besetzten Auditorium zeigen sich während des Eröff­nungs­kon­zerts nach jedem Stück hellauf begeistert und sind schließlich ganz aus dem Häuschen: Jubel, Pfeifen, Grölen im Stehen ohne Unterlass. Auch die Kinder werden mit enthu­si­as­ti­schem Beifall gefeiert, die nach Birnbaums Rede stolz von dannen ziehen.

Hartmut Sassen­hausen

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