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Singende Töne, große Spannungsbögen

FRANK PETER ZIMMERMANN & BAMBERGER SYMPHONIKER
(Ottorino Respighi, Anton Bruckner)

Besuch am
8. Juni 2024
(Einmalige Aufführung)

 

Histo­rische Stadt­halle Wuppertal

Es ist lange her, dass die Konzert­di­rektion Wylach mit ihren Meister­kon­zerten in Wuppertal durchweg für einen ausver­kauften Großen Saal der Histo­ri­schen Stadt­halle sorgte. Denn Weltklas­se­or­chester gaben sich hier die Klinke in die Hand. Danach gab es solche Veran­stal­tungen etwa mit den Berlinern nicht mehr. Ab und an kommen mittler­weile im Rahmen des Klavier-Festivals Ruhr namhafte Klang­körper wieder auf den Johan­nisberg. Auch die Kultur­ab­teilung der Bayer-Werke engagiert im Rahmen ihres alljährlich im Frühjahr statt­fin­denden Start-Festivals exquisite Orchester.

Dieses Mal sind es die Bamberger Sympho­niker, die für einen erstklas­sigen Abend sorgen. Noten­ma­terial von zwei gehalt­vollen Werken liegt auf ihren Pulten. Zum einen ist es Ottorino Respighis drittes und letztes Violin­konzert, das auf den Namen Concerto Grego­riano getauft wurde. Die römische Trilogie, bestehend aus Fontane di Roma, Pini di Roma und Feste Romane, des italie­ni­schen Kompo­nisten ist zwar populär. Doch der Rest seines umfang­reichen Oeuvres ist wohl eher in Fachkreisen geläufig, so auch das heutige Konzert. Sehr selten steht es auf Konzert­pro­grammen. Wer sich aber intensiv mit der Partitur beschäftigt, kann eigentlich nur den Kopf schütteln angesichts der stief­müt­ter­lichen Behandlung dieses Opus aus dem Jahr 1921. Ganz fein sind nämlich die drei Sätze – mit den Vorschrifts­be­zeich­nungen Andante tranquillo – Allegro molto moderato – Tempo I – Cadenza/(attacca:)/Andante espressivo e sostenuto/​Finale (Alleluja). Allegro energico – durch­ge­ar­beitet. Er ließ sich von seiner Frau, der Sängerin Elsa, für die Grego­rianik begeistern. Diese Kunst fließt seit 1920 in seine Kompo­si­tionen mit ein. So zitiert er im Binnensatz des Werks die Oster­se­quenz Victimae paschali des mittel­al­ter­lichen Dichters Wipo und variiert im Finale den Antiphon Salve Regina. Neben impres­sio­nis­ti­schen Klängen verwendete er auch modale Kirchentonarten.

Kein gerin­gerer als der Geiger Frank Peter Zimmermann gesellt sich bei der Aufführung des inhalts­reichen Stücks hinzu, der vorzüglich mit den Bambergern harmo­niert. Mit Bedacht, nahezu unauf­dringlich, gestaltet er seinen teils hochvir­tuosen Part und spielt sich nur dann in den Vorder­grund, wenn es aus dem Notentext eindeutig hervorgeht. Vielmehr inter­agiert er vortrefflich mit dem ausge­wogen-durch­sich­tigen Orches­ter­klang, um so mit den Kollegen den herben, schlichten wie archai­schen Charakter des wie eine Rhapsodie angelegten Stücks muster­gültig zum Ausdruck zu bringen. Außerdem legt er viel Wert auf eine klare, reine Tongebung und entlockt seiner Stradivari gerade in den hohen Registern traumhaft schön-singende musika­lische Linien.

Foto © Karl-Heinz Krauskopf

Zimmermann lässt sich ob des frene­ti­schen Beifalls nicht zweimal bitten und setzt hinsichtlich Geigen­technik mit einer hochgradig schweren Zugabe sogar noch eins drauf. Er spielt er aus der Feder von Heinrich Wilhelm Ernst die Grand Caprice Der Erlkönig opus 26 nach der Ballade von Franz Schubert. Es ist das berühm­teste Werk des öster­rei­chi­schen Kompo­nisten und Geigers, der von 1814 bis 1865 lebte. Das Bravour­stück verlangt sämtliche hochgradig schweren Geigen­tech­niken seiner Zeit, die Zimmermann wie spiele­risch leicht zur Geltung bringt, abgesehen von in dem Fall verzeih­lichen kleinen Unsau­ber­keiten. Doch damit nicht genug. Mit Johann Sebastian Bachs Sarabande aus der ersten Partita für Violine solo in h‑Moll BWV 1002 lässt er schließlich seinen grandiosen Auftritt traumhaft schön betulich ausklingen.

Hier wie auch bei Anton Bruckners 1. Sinfonie präsen­tiert sich Andrew Manze als ein in allen Belangen hochmu­si­ka­li­scher und zuver­läs­siger Dirigent. Bis letztes Jahr Leiter der NDR-Radio­phil­har­monie Hannover und regel­mäßig bei weltbe­kannten Orchestern zu Gast, sorgt er für einen stets äußerst durch­hör­baren Gesamt­klang. Selbst kleinste Nuancen werden deutlich zu Gehör gebracht. Außerdem wird der große vielschichtige emotionale Gehalt dieses c‑Moll-Werks dank Formung von großen musika­li­schen Spannungs­bögen packend vermittelt. Wie aus einem Guss kommt das groß angelegte, fast einstündige Opus in der Wiener Fassung von der Bühne, wobei die Bamberger mit einer Harmonie erster Güte faszinieren.

Wie nach der Respighi-Aufführung gibt es auch nach dieser Vorstellung verdiente, nicht enden wollende, frene­tische, stehende Ovationen. Sie ebben erst ab, als die Sympho­niker sich gegen­seitig verab­schiedend die Bühne verlassen.

Hartmut Sassen­hausen

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