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Sagt Ihnen der Begriff Heiteres DDR-Musiktheater was? Das war der offizielle Name in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik für Musicals und Operette. Die beiden Begriffe waren zu westlich für die damalige Ideologie. Und Gerd Natschinskis Messeschlager Gisela war einer der ganz großen Hits des Heiteren Musiktheaters, als es 1960 im Metropol Theater Berlin uraufgeführt wurde. Danach gab es noch 24 verschiedene Produktionen, bis es nach der Wende in Vergessenheit geriet. Nun nimmt sich die Komische Oper des Genres wieder an und bringt eben dieses Stück an einen temporären Standort: das einzig hierfür aufgebaute Spiegeltheater vor dem Roten Rathaus in Berlin-Mitte.
Es geht um die Vorbereitungen des Modekombinats VEB Berliner Schick für die Leipziger Messe, und es herrscht Chaos. Es fehlt das Kernstück der neuen Kollektion. Die Belegschaft ist genervt, besonders weil die Entwürfe von Direktor Robert Kuckuck aus früheren Kollektionen Flops waren. Kuckuck träumt von einer Paris-Reise zur Inspiration, ignoriert aber den genialen Entwurf von der hauseigenen Designerin Gisela Claus.
Ein Journalist, Fred Funke, taucht auf, interessiert sich für Giselas Entwürfe und gibt sich als Transportarbeiter Alfred Knufe aus, um sie besser kennen zu lernen. Marghueritta Kulicke, die attraktive Sekretärin, flirtet mit Gütekontrolleur Heinz. Derweil blättert Kuckuck in einem Dior-Katalog und sucht Inspiration. Fred alias Alfred stiftet die Belegschaft zum Aufstand gegen Kuckuck an. Gisela gefällt Alfreds revolutionärer Stil. Kuckuck besteht aber darauf, seine Melone, ein gewagtes Teil, als Messeschlager zu präsentieren. Fred und Gisela kommen sich näher, ihre Kollegen fertigen heimlich Giselas Modell an. Die Belegschaft sabotiert Kuckucks Pläne, um Giselas Modell zum Star zu machen, jedoch erfährt Gisela von Freds Doppelrolle und ist enttäuscht. Nach dem grandiosen Flop von Kuckucks Melone, rettet Fred doch Giselas Modell, und es wird zum Messeschlager. Kuckuck tritt zurück, und Gisela übernimmt. Und natürlich finden am Ende alle ihr Happy End.

Das stimmungsvolle Art-Déco-Spiegelzelt mit seiner altmodischen Einrichtung wird von Saskia Wunsch mit einer zentralen Rundbühne ausgestattet, die sogar eine kleine Drehbühne beinhaltet. Das Orchester spielt auf einer hinteren Empore, wo Dirigent Adam Benzwi auch mal als helfender Statist mitspielt. Regisseur Axel Ranisch inszeniert das kongeniale Stück mit dem lebhaften Libretto von Jo Schulz mit Schmiss und Humor. Dank guter – und verstärkter – Verständlichkeit aller Mitwirkenden ist es ein vergnüglicher Retro-Abend mit altmodischer Unterhaltung.
Gerd Natschinski nimmt den Begriff Heiteres Musiktheater beim Wort. Seine Musik sprudelt nur so von Referenzen an alle möglichen Stile und Tänze, vom Walzer zum Tango, vom Cha-Cha-Cha zum Twist, wirbelnd umgesetzt von Choreograf Christopher Tölle. Alfred Mayerhofer entwirft die passenden Kostüme: einerseits bieder konservativ, anderseits flippig trendig mit den dazugehörigen Petticoats. Der Messeschlager ist ein schlichtes „kleines Schwarzes“ in sozialistischem Rot.
Hauptdarstellerin Gisa Flake ist die etwas scheue und bodenständige Gisela, die mit ihrer sympathischen Art echten Arbeitsethos ausstrahlt. Als Gegenspielerin stiehlt Maria-Danaé Bansen als Sekretärin und Möchtegern-Modell Marghueritta Kulicke oft allen die Show, wenn sie authentisch berlinert. Die Tatsache, dass Regisseur Ranisch und Kostümbildner Mayerhofer sie als Lilo-Pulver-Double darstellen – aus dem Filmklassiker Eins, Zwei, Drei von Billy Wilder von 1961 – macht es noch vergnüglicher. Nico Holonics ist Fred alias Alfred, etwas blass, aber mit dem Herz am rechten Fleck. Als erfahrene Werksleitern Frau Puhlmann ist Andreja Schneider die kettenrauchende Genossin, die die eigentliche Chefin ist. Dabei soll Robert Kuckuck, gespielt von Thorsten Merten, der egomanische Alleskönner sein, der aber alles vermasselt. Martin Reik ist ein köstlicher Messewart, der für alles eine Antwort und Lösung hat. Durchweg überzeugen alle Haupt- und Nebendarsteller mit ihrer enormen Spielfreude. Ebenso wie der Chor, einstudiert von David Cavelius, der auch steppt und tanzt.
Natschinskis Schlager und Melodien ziehen Darsteller und Zuschauer mit in eine Welt, die es heute nicht mehr gibt. Dazu trägt Adam Benzwi mit dem Orchester und Ensemble der Komischen Oper vom Klavier dirigierend maßgeblich bei – es lebe die Ostalgie, die es in der Form nie gegeben hat.
Großer Applaus für alle Darsteller und den Chor, Orchester und Tänzer und das gesamte Leitungsteam. Man darf auf die Weiterführung der Reihe gespannt sein.
Zenaida des Aubris