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Foto © Jan Windszus

Berliner Schick, neu verpackt

MESSESCHLAGER GISELA
(Gerd Natschinski)

Besuch am
8. Juni 2024
(Premiere)

 

Komische Oper Berlin

Sagt Ihnen der Begriff Heiteres DDR-Musik­theater was? Das war der offizielle Name in der ehema­ligen Deutschen Demokra­ti­schen Republik für Musicals und Operette. Die beiden Begriffe waren zu westlich für die damalige Ideologie. Und Gerd Natsch­inskis Messe­schlager Gisela war einer der ganz großen Hits des Heiteren Musik­theaters, als es 1960 im Metropol Theater Berlin urauf­ge­führt wurde. Danach gab es noch 24 verschiedene Produk­tionen, bis es nach der Wende in Verges­senheit geriet. Nun nimmt sich die Komische Oper des Genres wieder an und bringt eben dieses Stück an einen tempo­rären Standort: das einzig hierfür aufge­baute Spiegel­theater vor dem Roten Rathaus in Berlin-Mitte.

Es geht um die Vorbe­rei­tungen des Modekom­binats VEB Berliner Schick für die Leipziger Messe, und es herrscht Chaos. Es fehlt das Kernstück der neuen Kollektion. Die Beleg­schaft ist genervt, besonders weil die Entwürfe von Direktor Robert Kuckuck aus früheren Kollek­tionen Flops waren. Kuckuck träumt von einer Paris-Reise zur Inspi­ration, ignoriert aber den genialen Entwurf von der hausei­genen Designerin Gisela Claus.

Ein Journalist, Fred Funke, taucht auf, inter­es­siert sich für Giselas Entwürfe und gibt sich als Trans­port­ar­beiter Alfred Knufe aus, um sie besser kennen zu lernen. Marghue­ritta Kulicke, die attraktive Sekre­tärin, flirtet mit Gütekon­trolleur Heinz. Derweil blättert Kuckuck in einem Dior-Katalog und sucht Inspi­ration. Fred alias Alfred stiftet die Beleg­schaft zum Aufstand gegen Kuckuck an. Gisela gefällt Alfreds revolu­tio­närer Stil. Kuckuck besteht aber darauf, seine Melone, ein gewagtes Teil, als Messe­schlager zu präsen­tieren. Fred und Gisela kommen sich näher, ihre Kollegen fertigen heimlich Giselas Modell an. Die Beleg­schaft sabotiert Kuckucks Pläne, um Giselas Modell zum Star zu machen, jedoch erfährt Gisela von Freds Doppel­rolle und ist enttäuscht. Nach dem grandiosen Flop von Kuckucks Melone, rettet Fred doch Giselas Modell, und es wird zum Messe­schlager. Kuckuck tritt zurück, und Gisela übernimmt. Und natürlich finden am Ende alle ihr Happy End.

Foto © Jan Windszus

Das stimmungs­volle Art-Déco-Spiegelzelt mit seiner altmo­di­schen Einrichtung wird von Saskia Wunsch mit einer zentralen Rundbühne ausge­stattet, die sogar eine kleine Drehbühne beinhaltet.  Das Orchester spielt auf einer hinteren Empore, wo Dirigent Adam Benzwi auch mal als helfender Statist mitspielt. Regisseur Axel Ranisch insze­niert das konge­niale Stück mit dem lebhaften Libretto von Jo Schulz mit Schmiss und Humor. Dank guter – und verstärkter – Verständ­lichkeit aller Mitwir­kenden ist es ein vergnüg­licher Retro-Abend mit altmo­di­scher Unterhaltung.

Gerd Natsch­inski nimmt den Begriff Heiteres Musik­theater beim Wort. Seine Musik sprudelt nur so von Referenzen an alle möglichen Stile und Tänze, vom Walzer zum Tango, vom Cha-Cha-Cha zum Twist, wirbelnd umgesetzt von Choreograf Chris­topher Tölle.  Alfred Mayer­hofer entwirft die passenden Kostüme: einer­seits bieder konser­vativ, ander­seits flippig trendig mit den dazuge­hö­rigen Petti­coats. Der Messe­schlager ist ein schlichtes „kleines Schwarzes“ in sozia­lis­ti­schem Rot.

Haupt­dar­stel­lerin Gisa Flake ist die etwas scheue und boden­ständige Gisela, die mit ihrer sympa­thi­schen Art echten Arbeits­ethos ausstrahlt. Als Gegen­spie­lerin stiehlt Maria-Danaé Bansen als Sekre­tärin und Möchtegern-Modell Marghue­ritta Kulicke oft allen die Show, wenn sie authen­tisch berlinert. Die Tatsache, dass Regisseur Ranisch und Kostüm­bildner Mayer­hofer sie als Lilo-Pulver-Double darstellen – aus dem Filmklas­siker Eins, Zwei, Drei von Billy Wilder von 1961 – macht es noch vergnüg­licher. Nico Holonics ist Fred alias Alfred, etwas blass, aber mit dem Herz am rechten Fleck. Als erfahrene Werks­leitern Frau Puhlmann ist Andreja Schneider die ketten­rau­chende Genossin, die die eigent­liche Chefin ist. Dabei soll Robert Kuckuck, gespielt von Thorsten Merten, der egoma­nische Alles­könner sein, der aber alles vermasselt. Martin Reik ist ein köstlicher Messewart, der für alles eine Antwort und Lösung hat. Durchweg überzeugen alle Haupt- und Neben­dar­steller mit ihrer enormen Spiel­freude. Ebenso wie der Chor, einstu­diert von David Cavelius, der auch steppt und tanzt.

Natsch­inskis Schlager und Melodien ziehen Darsteller und Zuschauer mit in eine Welt, die es heute nicht mehr gibt. Dazu trägt Adam Benzwi mit dem Orchester und Ensemble der Komischen Oper vom Klavier dirigierend maßgeblich bei – es lebe die Ostalgie, die es in der Form nie gegeben hat.

Großer Applaus für alle Darsteller und den Chor, Orchester und Tänzer und das gesamte Leitungsteam. Man darf auf die Weiter­führung der Reihe gespannt sein.

Zenaida des Aubris

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