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Kaiserliche Gnade

ADRIANO IN SIRIA
(Carl Heinrich Graun)

Besuch am
9. Juni 2024
(Premiere)

 

Musik­fest­spiele Potsdam Sanssouci, Schloss­theater Neues Palais

Ein Thema – mindestens 60 Versionen? Seit der Mitte des 18. Jahrhun­derts haben sich wirklich so viele Kompo­nisten mit dem Libretto von Pietro Metastasio an die histo­risch belegte Reise des römischen Kaisers Hadrian nach Syrien gewagt, darunter so berühmte wie Johann Christian Bach, Luigi Cherubini, und Carl Heinrich Graun.

Eben die Version von Hofka­pell­meister Carl Heinrich Graun, urauf­ge­führt 1746 in Berlin für Friedrich den Großen, hat Dorothee Oberlinger für die diesjäh­rigen Musik­fest­spiele in Potsdam Sanssouci ausge­sucht. Welch besserer Ort sie aufzu­führen als im wunder­schön restau­rierten Hoftheater im Neuen Palais, wo auch schon Friedrich der Große zahlreichen Werken persönlich beigewohnt hat?

Foto © Stefan Gloede

Auf der ziemlich kleinen Bühne mit dem noch kleineren Orches­ter­graben entfaltet sich die kompli­zierte Handlung um Liebe und Macht: Der römische Kaiser Adriano hat Antiochia in Syrien erobert. Emirena, die Tochter des besiegten Königs Osroa, ist Gefangene. Adriano verliebt sich in Emirena, obwohl er bereits mit Sabina verlobt ist. Farnaspe, Emirenas Geliebter, versucht, sie zu retten und wird ebenfalls gefangen genommen. Es entstehen Spannungen und Konflikte zwischen den Charak­teren aufgrund von Loyalität, Ehre und Liebe. Am Ende siegt doch die kaiser­liche Vernunft und Einsicht, und Adriano vergibt seinen politi­schen und persön­lichen Rivalen.

Pietro Metastasio thema­ti­siert meisterhaft die tiefen morali­schen und emotio­nalen Konflikte zwischen Liebe und Pflicht, Ehre und Verrat. In dem Spannungsfeld politi­scher Macht entfaltet sich das Streben nach persön­lichem Glück. Graun gelingt es, die komplexen Themen mit seiner ausdrucks­reichen musika­li­schen Sprache zu einem fesselnden Drama zu verweben, in dem Zorn und Liebe unter Entstehung einer ganzen Reihe an brillanten Arien ihre eigenen Melodien entfalten.

Regis­seurin Deda Cristina Colonna lässt ihren Ausstatter Domenico Franchi eine moderne Vorder-und Hinter­bühne mit 20 einzelnen beweg­lichen Lamel­len­ja­lousie-Abtei­lungen erstellen. Die Einzel­kammern bilden sichtbare oder unsichtbare Räume, je nachdem, wie sie manuell einge­stellt werden, ein poten­ziell geniales Prinzip für die sich rasch wandelnden Szenen, wenn die Jalou­sie­me­cha­nismen geräuschlos und im Einklang mitein­ander funktio­nieren. Das passiert aber nur in wenigen Fällen. Somit sind die mecha­ni­schen Geräusche störend und passen so gar nicht zur barocken Körper­sprache und Gestik der Darsteller.

Als Hommage an Friedrich den Großen und seine Lieblings­tän­zerin Barberina – hier von Valerie Lauer verkörpert – hat Massi­mi­liano Toni eigens für diese Produktion drei Akt-Inter­mezzi kompo­niert, die auf der syrischen Nay-Rohrflöte gespielt werden. Auch Dorothee Oberlinger greift aus dem Graben zur Block­flöte. Es sind lyrische Verbin­dungs­ele­mente, die einen gewissen Bezug zur Gegenwart herstellen sollen. Dieser Bezug wird im dritten Akt ausgebaut – es werden noch einige moderne Requi­siten wie Matratzen und Koffer scheinbar willkürlich hin und her geschoben, die ihren Höhepunkt im Schlussbild haben mit einer Video­montage von Ruinen im heutigen Syrien. Das bleibt alles ein schwacher und unnötiger Ansatz.

Foto © Stefan Gloede

Dagegen ist die Besetzung hochpro­fi­liert und erstklassig – ohne eine einzige, tiefe, männliche Stimme. Sopran Roberta Mameli ist Emirena, die traurige gefangene Prinzessin, die mit subtiler und geist­reicher Phrasierung doch ihren Willen durch­setzen kann. Ihre Rivalin Sabina, hier von Sopran Keri Fuge gesungen, die zartstimmig, aber mit unter­schwel­liger Gelas­senheit ihre Macht­po­sition einfordert.

Den Damen gegenüber stehen zwei Counter­tenöre, ein männlicher Sopran und ein Haute-Contre: Valer Sabadus verkörpert den Kaiser Adrian mit natür­licher Autorität. Als besiegter Fürst Farnaspe hat Bruno de Sá hat eine selten schöne und reine Stimm­färbung, die immer wieder erstaunt in ihrer natür­lichen Sopranlage. Der Haute-Contre à la française von David Tricou wird stilsicher für die Rolle des besiegten Königs und Vater von Emirena, Osroa, einge­setzt. Counter­tenor Federico Fiorio ist der Adrianos Intrigen liebende Adjutant Aquilio, auch er für das barocke Reper­toire bestens geeignet.

Seit einigen Jahren ist Oberlinger nun künst­le­rische Leiterin der Musik­fest­spiele Potsdam Sanssouci. Als Dirigentin steigert – und erfüllt – sie jedes Jahr die Ansprüche an sich und ihr Ensemble 1700: Das Ensemble überzeugt mit Frische, Spiel­freude, erzäh­le­ri­schen Impulsen und musika­li­scher Akkura­tesse und zeigt so, wie unter­haltsam und relevant Barockoper heute sein kann.

Sehr schade ist, dass das Theater im Neuen Palais für die nächsten fünf Jahre – wegen Einbau eines Aufzuges und anderen bühnen­tech­ni­schen Umbauten – nicht zur Verfügung stehen wird. Zwar hat Potsdam auch noch andere Örtlich­keiten, aber gerade hier ist der Schön­geist von Friedrich dem Großen besonders stark zu spüren.

Eine Produktion wie diese, bei der persön­liche Hingabe und Engagement jedes Einzelnen so evident sind, wird natürlich gebührend am Schluss mit wärmstem Applaus gefeiert.

Zenaida des Aubris

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