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Foto © Nelly Balancik

Schumanns Pflichten

MISSA SACRA
(Robert Schumann, Johannes Brahms)

Besuch am
15. Juni 2024
(Einmalige Aufführung)

 

Schumannfest, Maxkirche, Düsseldorf

Was zeichnet ein Festival aus, das den Namen eines Kompo­nisten trägt? Dass es ungewöhn­liche oder mögli­cher­weise sogar unbekannte Aspekte im Musik­schaffen des solcher­maßen geehrten Tonsetzers beleuchtet. Das dürfte den Veran­staltern eines Schumann­festes einiger­maßen schwer­fallen. Und doch ist es der Düssel­dorfer Tonhalle gelungen, eine Facette zu beleuchten, die selbst einge­fleischten Anhängern von Robert Schumann eher unbekannt sein dürfte. Dabei ist es eigentlich naheliegend – wenn man die Pflichten des Städti­schen Musik­di­rektors von Düsseldorf Mitte des 19. Jahrhun­derts kennt. Ihm oblag die Leitung des aus Berufs­mu­sikern und Amateuren bestehenden Orchesters in der Träger­schaft des Allge­meinen Musik­vereins sowie die Leitung des Gesangs­vereins. Daneben hatte er den Düssel­dorfer Anteil an den gemeinsam mit Köln und Aachen veran­stal­teten Nieder­rhei­ni­schen Musik­festen vorzu­be­reiten und durch­zu­führen. So weit, so bekannt.

Zudem war er aller­dings verpflichtet, in zwei katho­li­schen Kirchen vier größere Auffüh­rungen zu veran­stalten. Das ließ ihn eine Missa Sacra, eine Heilige Messe, vertonen. Ein Unter­fangen, das ihm durchaus Kritik einbrachte. Das Werk sei wegen seiner roman­ti­schen Schwär­merei und eigen­tüm­lichen Farben­pracht der Fantasie zu wenig kirchlich. Tatsächlich wurde es zu seinen Lebzeiten nicht aufge­führt. Das passierte erst sieben Jahre nach seinem Tod. Und auch danach entwi­ckelte es sich nicht zu einem Dauer­schlager in der Kirchen­musik. Anlässlich des diesjäh­rigen Schumann­festes in Düsseldorf hat sich Markus Belmann, Kantor der Maxkirche, bereit erklärt, einen Abend mit der Missa Sacra zu veran­stalten. Das Interesse scheint groß, die Kirche in der Altstadt, nahe dem Carls­platz, ist sehr gut besucht. Dank der Verspätung eines der Solisten hat Belmann Gelegenheit, das geplante Programm vorab zu erklären.

Markus Belmann – Foto © Nelly Balancik

Er wolle das Werk so – oder zumindest so ähnlich – aufführen, wie es im Ablauf des Gottes­dienstes eigentlich vorge­sehen war. Denn in der Liturgie wurde es ja keineswegs an einem Stück und ausschließlich gespielt. Da gab es die Begrüßung, und nach dem Kyrie und Gloria war zunächst eine Predigt vorge­sehen, ehe Credo, Offer­torium, Sanctus und Agnus Dei erklangen, um die Messe schließlich ausklingen zu lassen. Besucher, die sich nervös umschauen, ob der Priester schon irgendwo herum­steht, weiß Belmann zu beruhigen. Eine Predigt wird es nicht geben, da habe er eine für ein Konzert schönere Lösung gefunden.

Vorerst aller­dings erklingt der grego­ria­nische Gesang Os Justi. „Der Mund des Gerechten sinnt Weisheit, und seine Zunge spricht Recht“, intonieren die Mitglieder der Schola cantorum, die Belmann leitet, von der Orgel­empore aus und schaffen damit eine gelungene Eröffnung, die Silvan Meschke mit den Sechs Fugen über den Namen Bach opus 60,3 von Robert Schumann an der Orgel abrundet.

Das Kyrie, das Maxchor und das Kirchen­or­chester anstimmen, klingt im Vergleich zu anderen Kompo­nisten eher düster-zurück­haltend und wird von den Choristen schon beinahe unheimlich inter­pre­tiert. So kann das Gloria voller Inbrunst geschmettert werden und wirkt wie eine Befreiung. Hier kommt auch zum ersten Mal die Sopra­nistin Helena Günther zum Einsatz, die sich gemeinsam mit Tenor Bohyeon Mun in äußerster Beschei­denheit beschränken muss, was die Zahl und Länge ihrer Einsätze angeht. Da muss man die Kirchen­musik schon sehr lieben, um dafür An- und Abreise in Kauf zu nehmen. Deutlich besser kommt da Bass-Bariton Rolf A. Scheider als Ersatz für den erkrankten Thilo Dahlmann weg, der nun Vier ernste Gesänge von Johannes Brahms vorträgt. Die Lieder verfasste Brahms 1896 in der Vorahnung von Clara Schumanns Tod, die kurze Zeit vorher einen Schlag­anfall erlitten hatte. Das Spätwerk entstand in Wien und zeichnet sich durch einen extrem hohen Schwie­rig­keitsgrad für den Bariton aus, zumal, wenn die Lieder in Orches­ter­be­gleitung gesungen werden sollen. Scheider löst die Aufgabe mit Respekt, aber bravourös. Schließlich verlangen die Bibel­texte nicht nur einen gehörigen Stimm­umfang, sondern eine Emotio­na­lität, die alle Reserven fordert.

Foto © Nelly Balancik

In jedem Fall ist der Ausflug zu Brahms eine gelungene Idee, ehe es an den zweiten Teil der Missa Sacra geht. Hier warten im Credo, Offer­torium oder Sanctus keine großen Überra­schungen, allen­falls, dass es im Sanctus doch noch einen kurzen Auftritt der Solisten gibt, so dass man sich ganz den hervor­ra­genden Leistungen von Chor und Orchester hingeben kann. Beim Agnus Dei kehrt Schumann in die seltsame Ausgangs­stimmung zurück, die nun eher an einen Trauer­marsch als an eine Fürbitte erinnert. Und in der Tat, sollte der Abend an dieser Stelle enden, wäre es ein wenig enttäu­schend. Da möchte man die Hoffnung auf Erlösung schon fahren lassen. Aber der Kantor hat noch ein As im Ärmel.

Henrike Graf, Uwe Schrumpf, Camiel Lemmens und Stef van Herten treten vor das Orchester. Die Hornisten wirken an Schumanns Konzert­stück für vier Hörner und Orchester mit. 20 Minuten, die sich als weiterer Höhepunkt des Abends erweisen. Der Einfalls­reichtum des Kompo­nisten, der sich hier mit einem für ihn neuen Instrument ausein­an­der­setzte, zeigt noch einmal seine ganze Größe. Einen Eindruck davon vermittelt eine Aufzeichnung des HR-Sinfo­nie­or­chesters, die aller­dings bei den Hörnern nicht die Virtuo­sität erreicht, die heute Abend in der Maxkirche zu Gehör gebracht wird.

Vollkommen zu Recht erhebt sich das Publikum mit dem letzten Ton, um rauschend zu applau­dieren. Und Markus Belmann, der sich nicht nur souverän am Pult zeigt, sondern ganz nebenbei auch den Ablauf des Abends organi­siert, findet seine Gesangs­so­listen nicht, die in einer Seitenbank sitzen und darauf warten, zum Applaus gerufen zu werden. Herrlich. Aber es wendet sich alles zum Guten, und schließlich dürfen alle Betei­ligten ihren wohlver­dienten Applaus entgegennehmen.

Die Maxkirche setzt einen deutlichen Höhepunkt im Schumannfest der Tonhalle. Chapeau.

Michael S. Zerban

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