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Foto © Peter Wieler

Wummernde Klänge

GRANDBROTHERS
(Erol Sarp, Lukas Vogel)

Besuch am
15. Juni 2024
(Einmalige Aufführung)

 

Klavier-Festival Ruhr, Heilig Kreuz Kirche Gelsenkirchen

In der Musik wird der Begriff Crossover verwendet, wenn Stile nicht einer Schublade zuzuordnen sind, wenn etwa in der Klassik Jazzele­mente mit einfließen, sich Rock- und Poprich­tungen überlagern. Auch beim Modern Jazz gibt es keine Berüh­rungs­ängste mehr vor der ernsten Musik. Vor rund 100 Jahren ging es damit in der Klassik los. Alban Berg verwendete in seiner Oper Lulu Swing-Elemente, Bohuslav Martinů in seiner Ballett­musik La Revue de cuisine den Charleston. George Gershwin und Kurt Weill bedienten sich des Jazz. Igor Strawinsky schrieb für Benny Goodman das Ebony Concerto. Auch der Jazz macht nicht halt vor anderen Genres. Bekannt ist die Zusam­men­arbeit von Miles Davis und Gil Evans, aus der zum einen das Album Porgy and Bess hervorging. Zum anderen findet auf ihrer Scheibe Sketches of Spain spanische Volks­musik Verwendung, unter anderem Auszüge aus dem Ballett El amor Brufo von Manuel de Falla. Die Liste ist ellenlang. Erst recht ist Crossover auf dem Gebiet der U‑Musik en vogue: Rock und Pop jedweder Richtung und jedweden Ursprungs sind oft nicht klar in einer bestimmten Kategorie einzuordnen.

Foto © Peter Wieler

Mit der Erfindung des Synthe­sizers und später, als der Computer hoffähig wurde, hielt die elektro­nische Musik Einzug in alle Musik­sek­toren. In der Klassik war es etwa ab den 1950-er Jahren Karlheinz Stock­hausen, der keine Scheu vor den Electronics hatte. 20 Jahre später setzte sein Schüler Clarence Barlow, der letztes Jahr verstarb, mit Compu­ter­kom­po­si­tionen Maßstäbe. Ab 1986 war er Leiter der Initiative für Musik und Infor­matik in Köln. Damals kam bei Konzerten seine Musik nicht aus Musik­in­stru­menten, sondern aus Lautspre­chern von der Bühne. In der U‑Musik ist zum Beispiel der Jazz-Pianist, Komponist und Technik-Freak Herbie Hancock legendär. Er erwei­terte sein Klang­spektrum mittels Verwendung von Vocodern, E‑Pianos und Synthe­sizern. Mit seinem Hit Rockit aus dem Jahr 1983 machte er das Scratchen hoffähig. Heute spielt bei ihm auch der Computer eine große Rolle. Heute ist ohnehin die Digital­technik Standard. DAW – kurz für Digital Audio Workstation – lautet der Überbe­griff für die Compu­ter­pro­gramme. Mit solcher Software – gerade die umfang­reichen Suiten plus zusätz­lichen Plug-ins – kann tontech­nisch so gut wie alles gezaubert werden, was das Herz begehrt. Auch hier hält inzwi­schen die KI Einzug, ein Ende der Möglich­keiten ist also nicht in Sicht.

Klavier & Elektronik heißt eine neu ins Leben gerufene Reihe des Klavier-Festivals Ruhr, die sich mit den musika­li­schen Grenz­über­schrei­tungen ausein­an­der­setzt. Vier Veran­stal­tungen finden in dieser Spielzeit in der Heilig-Kreuz-Kirche in Gelsen­kirchen statt. Eine von ihnen gestaltet ein anno 2011 in Düsseldorf gegrün­detes Duo, das sich auf den Namen Grand­brothers getauft hat. Es hat sich zur Aufgabe gemacht, den Flügel klanglich auf eine ganz neue Ebene zu heben.

Foto © Peter Wieler

Zu dem Zweck hat es eine komplexe Apparatur entwi­ckelt, die das ermöglich. Am normalen, stellen­weise präpa­rierten Konzert­flügel sind etliche Mikrofone aufge­stellt. Zusätz­liche Hämmer sind im Resonanz­boden angebracht, die auf digitalem Weg aktiviert werden. Angeschlossen sind sie unter anderem über ein Interface etwa an ein Midi-Gerät, ein Mischpult zum Regeln der Klänge, und ein Laptop. Das klassische Tasten­in­strument ist also ein Impuls­geber für die Digital­technik. Aus den von dort kommenden Signalen wird eine große Palette an Patterns erzeugt, die Drum-Maschine zum grooven gebracht, aus vom Pianisten Erol Sarp erzeugten kurzen, tonal gehal­tenen Tonfolgen bezie­hungs­weise kleinen einfachen Themen unter­schied­liche Riffs kreiert oder von markig wie wummernd auf- und abschwel­lende Klang­flächen generiert. Dafür zuständig ist Lukas Vogel. Die Klänge werden von ihm dynamisch variabel in unter­schied­lichen Folgen anein­an­der­ge­reiht, überlagert oder gegen­ein­an­der­ge­setzt. Zudem werden rhyth­mische Signale an ein Licht­mischpult weiter­ge­leitet, das dazu synchron in bunten Farben in Bann schla­gende Light­shows hervorzaubert.

Die beiden Künstler präsen­tieren einen Querschnitt aus ihren vier Alben Dilation, Open, All The Unknown und Late Reflec­tions sowie zwei Stücke, die auf ihrer kommenden Scheibe verewigt werden sollen. Inklusive Zugaben sind es vierzehn Titel wie Ezra Was Right, Bloodflow, Auberge und Adrift, die bannend daher­kommen. Es handelt sich um leicht zugäng­liche, ruhige, balla­deske, kontem­plative wie energische oder rhyth­mische markante, in die Pop-Richtung weisende Stücke. Einige ähneln wegen ihrer ständig wechselnden Sounds und Beats an Prozesse, wie sie DJs an ihren digitalen Turntables in Clubs erfinden.

Die eingängige Musik des Duos kommt richtig gut an. Das gemischte, aufge­schlossene Publikum von jung bis alt im vollen Auditorium ist schließlich ganz aus dem Häuschen. Keinen hält es nicht mehr auf den Sitzen. Viele Besucher loben die Vorstellung in den höchsten Tönen. Drei Zugaben sind das Resultat. Dabei bleiben bei einigen Gästen, die am Rand stehen, die Beine nicht ruhig.

Hartmut Sassen­hausen

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