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Europa ist das schönste Land

EUROPAMEISTERLICH
(Diverse Komponisten)

Besuch am
28. Juni 2024
(Einmalige Aufführung)

 

Deutsche Kammer­aka­demie Neuss, Rosen­garten, Neuss

Martin Jakubeit, Orches­ter­ma­nager der Deutschen Kammer­aka­demie Neuss, ist schon vor dem Konzert hin und weg. Seit sieben Uhr morgens lassen sich die ersten im Rosen­garten nieder, dem Park, der unmit­telbar neben der Stadt­halle Neuss liegt. Ab zehn Uhr wird es voll auf den Rasen­flächen. Um die 5.000 Menschen werden es bis Konzert­beginn sein, die das Grün bevölkern. Mit Decken, Salat­schüsseln, Camping­stühlen und der nötigen Flüssigkeit ausge­stattet, suchen sich die Gäste beim vielleicht wichtigsten klassi­schen Kultur­er­eignis in der Stadt Neuss bei hochsom­mer­lichen Tempe­ra­turen ihren Lieblings­platz, später kann man froh sein, wenn man überhaupt noch einen Platz findet.

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Mit einem starken Partner, in diesem Fall einem in Neuss ansäs­sigen, inter­na­tional erfolg­reichen Unter­nehmen, dass die Klassik­nacht im Rosen­garten vor 24 Jahren ins Leben gerufen hat, darf nicht nur die Bühne, sondern auch die dazuge­hörige Technik ausrei­chend groß ausfallen. Lautsprecher werden so ausge­richtet, dass im gesamten Park ein ausge­zeich­neter Klang zu hören ist. Und so herrscht statt des Kampfes um die „besten Plätze“ ein fried­liches Mitein­ander unter den Besuchern, die teilweise nicht nur von weither anreisen, sondern das auch seit vielen Jahren prakti­zieren. In einer Zeit, in der Deutschland parallel die Europa­meis­ter­schaft im Fußball austrägt, in der es „woke“ ist, keine Deutschland-Fähnchen mehr ans Auto zu klemmen, weil man keine anderen Staaten diskri­mi­nieren will, lautet das Motto der Nacht Europa­meis­ter­liches – und die Besucher lassen sich mit teils aufwän­digen Dekora­tionen Fanta­sie­volles dazu einfallen, Europa statt Deutschland in den Mittel­punkt zu stellen.

Die Musiker der Deutschen Kammer­aka­demie Neuss betreten in großer Besetzung pünktlich die Bühne, und so kann das Ereignis auch kurz nach 21 Uhr beginnen. Auch in diesem Jahr übernimmt Daniel Finker­nagel die Moderation. Wie immer bestens präpa­riert, neigt der Moderator in diesem Jahr eindeutig zur Langat­migkeit. Mögen die Versuche als Animateur noch angehen, wird es bedenklich, wenn der Sprecher auf der Bühne sich selbst gern reden hört. Und Finker­nagel mag offenbar sehr, was er von sich hört. Da gibt es durchaus origi­nelle Einfälle, wenn er etwa über die Entstehung Europas oder über den Haschisch-Konsum von Richard Wagner erzählt, allein in der Hälfte der Zeit genügte es auch. Denn hier gilt es nicht, schlechte Musik durch lange Texte zu übertünchen. Ganz im Gegenteil.

Das Orchester scheint bis in die Haarspitzen motiviert, das Publikum mit dem Besten der klassi­schen Musik zu verwöhnen. Seinen Teil trägt Christoph Koncz, Chefdi­rigent der Deutschen Kammer­aka­demie Neuss, dazu bei, wenn er die Musiker mit schmis­siger Geste und lebhafter Kommu­ni­kation zu Höchst­leis­tungen antreibt. Genau das braucht es, wenn zur Eröffnung gleich mal Stücke aus der Carmen-Suite von Georges Bizet gespielt werden. Mit Les Toréadors, Prélude und Danse Bohème wird die Stimmung gleich mal auf den Siede­punkt gebracht.

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Mit dem nächsten „Klassik-Schlager“, dem Ungari­schen Tanz Nr. 1 von Johannes Brahms, gelingt der Stimmungs­wechsel zur Peer-Gynt-Suite Nr. 1, aus der die Kammer­aka­demie Morgen­stimmung, Anitras Tanz und In der Halle des Bergkönigs vorträgt. Mit dem Vorspiel zur Oper Die Meister­singer von Nürnberg von Richard Wagner schließt der erste Teil. Ob solcher­maßen populäre Musik in einem Konzertsaal für Begeis­terung sorgen könnte, weiß man nicht. Hier unter freiem Himmel ist es genau das Richtige. Und nach der Pause geht es mit einem ganz beson­deren Schmankerl weiter.

Stephan Koncz, Bruder des Dirigenten, hat Cello, Dirigieren und Kompo­sition studiert. Heute spielt er unter anderem bei der Berliner Philhar­mo­nikern. Zum Neusser Schüt­zen­ju­biläum im vergan­genen Jahr erhielt er den Auftrag, eine Fanfare für Neuss zu kompo­nieren. Ein kleines Stück in der Welt der Musik, ein großes Stück Heimat­gefühl für das Neusser Publikum, das jubiliert. Da trägt die Sport-Polka von Josef Strauß die gute Laune noch ein Stück weiter, ehe es mit Finlandia von Jean Sibelius doch ein Stück weit in die Tiefe geht. Und für Pietro Mascagnis Inter­mezzo aus seiner Caval­leria rusticana wird gar Gänsehaut versprochen. Nun ja. Mit der olympi­schen Fanfare von John Williams im Arran­gement von Marc-Aurel Floros wird der schwung­volle Abschied vorbe­reitet. Jacques Offen­bachs Galop Infernal aus Orpheus in der Unterwelt führt zu Auszügen aus dem vierten Satz der Neunten Sinfonie von Ludwig van Beethoven. Bei Kerzen­schein und Handy-Lichtern feiern die Neusser ein Programm, das wirklich jeden begeistern kann, ob Klassik-Anhänger oder nicht.

Der Rest ist Tradition. Unter Donner und Blitz von Johann Strauß junior und der alljähr­lichen Zugabe von Edward Elgars Pomp and Circum­s­tances March No. 1 entzündet sich der visuelle Höhepunkt des Abends, das Feuerwerk, das nicht mehr – und nicht weniger – als eine Reprise des musika­li­schen Programms abbildet. Die sprühenden Funken, die die Kammer­aka­demie auch in diesem Jahr wieder verbreitet hat, werden für viele der Gäste in ihrer Erinnerung bis zum kommenden Jahr reichen, wenn es wieder heißt: Klassik­nacht im Rosengarten.

Michael S. Zerban

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