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GEMEINSAM IN DIE SOMMERPAUSE
(Diverse Komponisten)
Besuch am
6. Juli 2024
(Einmalige Aufführung)
Es läuft gerade richtig rund im Kabarett Flin an der Ludenberger Straße in Düsseldorf. Abwechslungsreiches Programm, gut besuchte Vorstellungen, ein stetig wachsendes Stammpublikum. Lange genug hat es ja gedauert, nachdem Teresa und Kristof Stößel das Theaterchen, wie sie die Kulturgaststätte mit Bühne liebevoll nennen, zu Beginn der Pandemie übernommen hatten und die Existenz auf der Kippe stand. Nein, allein hätten sie es nicht geschafft. Aber der Vermieter blieb bei einer moderaten Miete und die Stadt Düsseldorf half mit einem Mietzuschuss. Wenn das in diesem Jahr auch noch so bleibt, ist die Zukunft erst mal gesichert. Da bereitet die Vorstellung, in eine zweimonatige Sommerpause zu gehen, nur begrenzt Spaß. Familie Stößel macht das Beste draus. Eine Party muss her, die das Publikum in guter Erinnerung behält. Also geht es Gemeinsam in die Sommerpause.
Obwohl Teresa Stößel die Zeit des Spielverbots respektive der massiven ‑einschränkung noch immer in den Knochen steckt, hat sie sich längst als hervorragende Theaterleiterin bewiesen. Es ist ihr gelungen, eine behagliche Atmosphäre mit vorzüglichem Service zu schaffen, ein Umfeld, in dem die Aufführungen Spaß bereiten und zu wiederholten Besuchen einladen. Auch für heute Abend ist es ihr gelungen, mit ihrem Team nicht nur ein großartiges Programm zusammenzustellen, sondern das auch mit einem kulinarischen Angebot in Form eines anschließenden Fingerfood-Buffets zu verknüpfen, das nicht nur Besucher aus Düsseldorf, sondern annähernd zur Hälfte auch aus Wuppertal anzieht. Die ehemalige Gaststätte ist bis auf den nahezu letzten Platz besetzt.

Als Ehrengast ist Fabienne van Straten eingeladen, die Travestie-Kunstfigur, die immer nur dann auftaucht, wenn Kristof Stößel nicht in der Nähe ist. Gemeinsam mit van Straten eröffnet Stößel den Abend – und gibt gleich mal die Richtung vor. Spaßig soll es werden. Da kommt Bill Ramseys Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett, das van Straten mit dem nötigen Schwung zur Musik von der Festplatte vorträgt, gerade recht. Dass zu einem unbeschwerten Abend auch durchaus „was fürs Herz“ gehören darf, beweist das Duo Herz und Hafermilch. Vor zwei Jahren lernten Teresa Stößel und Petra Berghaus sich bei einem Kaffee mit Hafermilch kennen. Sie waren sich auf Anhieb so sympathisch, dass sie beschlossen, gemeinsam Musik und Texte zu schreiben, die „eine Liebeserklärung an zwischenmenschliche Beziehungen“ sind und durchaus berühren sollen. Das gelingt mit Nimmst du mich in den Arm auf Anhieb. Die beiden ergänzen sich mit ihren Stimmen ganz wunderbar. Bei Herz und Hafermilch klingt das so gut, dass man glatt auf die Musik aus der Konserve verzichten möchte. Wenn ihre Lieder musikalisch ein wenig an den Musikpoeten Klaus Hoffmann erinnern, kommt das nicht von ungefähr, ist doch zumindest Berghaus erklärter Hoffmann-Fan. Und so fügt sich sein Lied Zeit zu leben nahtlos an.
Van Straten übernimmt die Zwischenmoderation und verhindert so ein Abrutschen in die Rührseligkeit. Ihre Moderationen nutzt sie, um auch gleich mal auf die kommende Spielzeit hinzuweisen, die im Kabarett Flin am 5. September mit der Komödie Altwerden ist nichts für Feiglinge beginnt. Mit dabei sein wird auch wieder die Kölner Kabarettistin Vera Deckers. Die diplomierte Psychologin hat sich auf den deutschen Komödienbühnen längst den Ruf einer „Dolmetscherin zwischen den Geschlechtern“ erarbeitet. Und dem wird sie auch mit ihrem heutigen Vortrag gerecht. Dabei gilt die Devise, man müsse nicht immer nur ehrlich sein, es dürfe auch mal ein Kompliment sein. Inmitten des ideologischen Geschlechterwahns, den die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten inzwischen gehirnwäschenartig betreiben, eine erholsame und wohltuende Oase, die zeigt, wie es im „richtigen Leben“ mit ein wenig Vernunft und Respekt funktionieren kann. Kurzweilig, aber immer respektvoll nimmt sie die Marotten von Männern und Frauen aufs Korn, über die man so einfach mal wieder herzlich lachen kann, ohne in der Soße von Wokeness Atemnot zu bekommen.

Nach reichlichem Wortanteil geht es musikalisch weiter. Noémi Schröder kennen die Besucher des Kabaretts Flin bereits als Piaf-Interpretin oder auch von ihrer Weihnachtsfeier. Heute tritt sie mit Nicolai Burchartz als Duo Rosenpfeffer auf. Mit dem Nature Man, einem herrlichen Lied über den modernen Mann in der freien Wildbahn, haben Sängerin und Gitarrist das Publikum gleich auf ihrer Seite. Da darf es mit Zwei Gespräche ruhig mal einen Moment etwas nachdenklicher werden, ehe die beiden mit Größe 36 ironisch und sehr zum Vergnügen der Besucher über die wahren und harten Besetzungskriterien für die Bühne aufklären. Von der schwierigen Wahl des richtigen Urlaubsortes handelt Holland Thailand, in dem sich Burchartz erneut als der etwas weniger Abenteuerliche zeigt. Dabei wird auch nicht vergessen, dass es in Italien auch ganz schön ist …
Fast zwei Stunden erfreut das Programm ohne eine einzige Länge, mit viel Fröhlichkeit das Publikum, ehe sich Stößel und van Straten mit einem Duo aus der Schlagerwelt verabschieden. Regenbogenfarben stammt von der Popschlager-Sängerin Kerstin Ott, die es auf ihrem zweiten Album Mut zur Katastrophe veröffentlicht und es zu beträchtlicher Bekanntheit brachte, als sie das Lied im Duett mit Schlager-Ikone Helene Fischer einsang. Man mag das Gesäusel mögen oder nicht, als Appell an Toleranz bietet es einen schönen Abschluss.
Und während noch die letzten Töne erklingen, wird im Hintergrund unauffällig das Buffet aufgebaut, das nicht nur mit kulinarischen Leckereien lockt, sondern auch noch Zeit und Muße für so manches Gespräch unter anderem mit den Künstlern bietet.
Wer in der Sommerpause nicht auf Stößel verzichten will, sollte sich bereits ab dem 7. Juli ins Brauhaus Wuppertal begeben. Dann beginnt dort nämlich die neueste Open-Air-Produktion von Stößels Komödie on tour. Von den Proben zu Zurück zum Happy End hört man nur das Beste. Neben viel Komödie gebe es auch Nachdenkliches, und so entstehe genau die richtige Mischung für einen schönen Sommerabend.
Michael S. Zerban