O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
125 JAHRE DUKE ELLINGTON
(Duke Ellington)
Besuch am
16. Juli 2024
(Einmalige Aufführung)
Rund 2000 Kompositionen, von denen etwa 100 zu Jazzstandards wurden, und 100 Tourneen. Diese großen Tätigkeiten gebühren Duke Ellington, der den Jazz nachhaltig geprägt hat. Vor 125 Jahren geboren und vor 50 Jahren gestorben, beeinflusst er bis heute Musiker in ihrem kreativen Schaffen. Gerade auf dem Gebiet der Jazzorchester hat er neue Wege beschritten, den Swing hoffähig gemacht. Er arrangierte wohl überlegt für die einzelnen Bigband-Stimmen. Auf seinem Schaffen fußt der Jungle Style. Charakteristisch ist in dem Zusammenhang etwa der schreiende Trompetensound, in Fachkreisen bekannt als „Growling“. Keine reinen Töne stehen im Vordergrund, sondern mittels Dämpfer erzeugte krächzende Töne und gezogene Linien, genannt „Wah-Wah-Sound“. Knurrende Saxofone kommen hinzu. Er experimentierte mit Tonalitäten. Er gilt als Tonmaler, der Stimmungen vertonte. Etwa beschrieb Ellington treffend, wie es zu seiner „Harlem Suite“ kam: „Lehn dich in einem Mietshaus an einen Luftschacht, und du bekommst das Innerste von Harlem zu spüren. Man hört Streitereien, schnappt intime Gespräche auf; man schnuppert Küchenduft. Man hört den Hund des Hausmeisters bellen, riecht Kaffee; man vernimmt, wie Leute beten, lachen, schnarchen. Der Schacht ist ein einziger großer Lautsprecher.“ Als junger Musiker fing er zwar als Ragtime-Pianist an. Doch war er zeit seines Lebens kein Klaviervirtuose, dafür aber ein famoser Ensemble-Pianist. Das Tasteninstrument fungierte als ein Bindeglied zwischen seinen musikalischen Vorstellungen und seinen Bandmitgliedern. „Mit wenigen Takten konnte er den emotionalen Gestus eines Stückes festsetzen“, sagt der Biograf Ulrich Kurth.
Der Jazzlegende ist das Abschlusskonzert des diesjährigen Klavier-Festivals Ruhr gewidmet. Kein geringerer als Jason Moran ist deswegen über den Großen Teich in die Duisburger Mercatorhalle gekommen. Der US-amerikanische Pianist kennt sich nicht nur in der Klaviergeschichte des Jazz aus, sondern erarbeitete bereits einige Projekte, die sich mit Jazzlegenden beschäftigen. In diesem Jahr konzentriert er sich aus gegebenem Anlass auf das Leben und Oeuvre Ellingtons. Eingangs stellt er ihn etwa anhand von Black And Tan und mit der zweiten Zugabe Carolina Shout als jungen Pianisten vor. Elemente des Ragtime und Boogie-Woogie spielt er nicht nur tradiert gekonnt virtuos, sondern variiert kunstfertig die Basslinien, die immer wieder im neuen Gewand erscheinen. Darüber improvisiert er mit einem wieselflinken Skalenspiel und teils halsbrecherischen Akkordkaskaden und ‑rückungen. Außerdem verändert er harmonische Schwerpunkte bis hin zu grollenden Cluster im Bass. Damit führt er meisterhaft die alten Jazzstile in die Moderne.

Außerdem ist aus Frankfurt die Bigband des Hessischen Rundfunks angereist. Sie bietet einen kleinen Querschnitt aus Ellingtons umfangreichen Schaffen, darunter Rockin‘ In Rhythm und das gemeinsam mit Billy Strayhorn geschriebene Stück Northern Lights. Sämtliche Nummern sind von Moran, der nur am Beginn der Stücke vor dem Jazzorchester steht und ansonsten wie seinerzeit Ellington vom Klavier aus Anweisungen gibt, bis ins Kleinste durchdacht neu arrangiert und teils wie unter Verwendung des modalen Jazz auf den Zeitgeist gemünzt. Selbstverständlich wird Ellingtons Bigband-Sound nicht vernachlässigt. Zum Beispiel sind die geschmeidigen Saxofonsätze und sonoren Posaunentöne mit dabei. Gekonnt, mit viel Groove präsentieren die Vollblutjazzer die Ellington-Stile mit tiefem emotionalem Zugang dazu und brillieren solistisch mit ihren Solo-Einlagen, im Duo und Trio mit hoher Virtuosität und einem äußerst harmonischem Zusammenspiel.
Hinzu gesellt sich mit den Oldies It Don‘t Mean A Thing If It Ain‘t Got That Swing, My Heart Sings und I Like The Sunrise die belgische Sängerin und in Köln lebende Eva Buchmann. Ihr sattelfester, klarer Mezzosopran bewegt sich an diesem Abend so gut wie ausschließlich im mittleren Gesangsregister, wodurch sie schnörkellos die Texte detailliert vermittelt und ausgeglichene Melodiebögen gestaltet. Auch die erste Zugabe Come Sunday intoniert sie ohne die Bigband, aber mit Moran als sensiblem Klavierbegleiter – sehr ausdrucksstark.
Das rund 115-minütige, erstklassige Konzert am Stück vergeht wie im Flug und wird dementsprechend mit nicht enden wollendem, frenetischem Beifall gefeiert, der erst nach den beiden Zugaben abebbt.
Hartmut Sassenhausen