O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Karl Forster

Lesbische Liebe im Drogenkartell

TANCREDI
(Gioachino Rossini)

Besuch am
18. Juli 2024
(Premiere)

 

Bregenzer Festspiele, Festspielhaus

Die Bregenzer Festspiele stellen tradi­ti­ons­gemäß alle zwei Jahre zwei Insze­nie­rungen auf die Bühne. Auf der großen Seebühne mit fast 7000 Besuchern läuft in der Spielzeit 202425 Der Freischütz nach Carl Maria von Weber – O‑Ton berichtet von der Premiere zur Eröffnung. Auf der kleineren Bühne im Festspielhaus, das immerhin1656 Besucher fasst, hat Regisseur Jan Philipp Gloger, derzeit Schau­spiel­di­rektor am Staats­theater in Nürnberg, Tancredi von Gioachino Rossini aufbe­reitet und in einer zweiten Premiere vorgestellt.

Von Tancredi, einer Oper, die Rossini mit 20 Jahren schrieb, gibt es zwei offizielle Fassungen, Gloger und seine Drama­turgen Clauss Spahn und Florian Amort haben noch eine andere entwi­ckelt. Die auffäl­ligste Änderung neben anderen Eingriffen in das Libretto liegt darin, dass der siegreiche Tancredi – eine Hosen­rolle für einen Mezzo­sopran – hier eine Frau ist, die die Haupt­figur Amenaide liebt. Gloger hat die Handlung in einen Konflikt zwischen zwei Drogen­banden gelegt, hier muss die Liebe zwischen zwei Frauen geheim gehalten werden. Stark sind die Repres­salien Homose­xu­ellen gegenüber, wie eine andere Szene mit Gewalt gegen einen Mann zeigt. Ob das alles nötig ist, sei dahin­ge­stellt, den ideolo­gi­schen Zeitgeist bedient es allemal.

Etwas schwach motiviert ist die auf einem falsch verstan­denen Brief beruhende Verur­teilung Amenaides in dem Frühwerk Rossinis, vor der selbst Tancredis Liebe keinen Halt macht. Alles etwas weit hergeholt und mit der Zeit über drei Stunden hinweg auch etwas ermüdend, aller­dings mit einer fast schon in Zeitlupe sterbenden Tancredi am Ende, die ihren Tod selbst provo­ziert, hinreißend gesungen.

Foto © Karl Forster

Das Bühnenbild von Ben Baur, auf der Drehbühne montiert und verschiedene Räume von Amenaides Familie zeigend, trägt auch nicht unbedingt zur Abwechslung bei. Es zeigt eine sizilia­nische Villa mit Patio, Jungmäd­chen­zimmer, Fitnessraum und Küche der sechziger Jahre. Die Kostüme von Justina Klimeczyk passen zu Drogen­banden von heute, wie man sie sich halt aus den billigen Gangs­ter­filmen so vorstellt. Martin Gebhardt steuert das passende Licht bei, von Ran Arthur Braun gut choreo­gra­fierte Stunts beleben das Geschehen sehr professionell.

Die Sänger sind allesamt an Rossini geschult. Antonino Siragusa als Patriarch Argirio singt diesen mit stets sehr hellem, oberton­reichem und nicht ganz geschmei­digem Tenor, nur in den Piani zeigt er größere Sensi­bi­lität. Andreas Wolf als Orbazzano, der am Vorabend als Eremit im Freischütz imponierte, zeigt auch hier einen überzeu­genden Gegen­spieler, gestaltet gut und hat schöne Piani. Die Isaura, hier als Mutter Amenaides noch stärkere Impulse einbringend als im Original, singt Laura Polverelli anfangs etwas ungelenk, später dann freier. Ilia Skvirskii gefällt in der kleinen Rolle des Roggiero.

Die Stars des Abends aber sind die beiden weiblichen Haupt­rollen. Mélissa Petit als Amenaide verfügt über einen wirklich schönen lyrischen Sopran, den sie auch ins leiseste, sehr berüh­rende Piano in der Höhe führen kann. Ihre weiche und dem Ohr sehr schmei­chelnde Stimme gewinnt die Zuhörer gleich für sich. Anna Gorya­chova spielt mit großem Einsatz – schau­spie­le­risch wie stimmlich – die Tancredi. Gleich zu Anfang zeigt sie in den A‑cap­pella-Takten ihre prächtige und voluminöse, aber auch sehr diffizil einsetzbare Stimme. Sie ist eine Ideal­be­setzung für die Rolle, kann Rossinis Kolora­turen ebenso wie den ganz großen Ton. I tanti palpiti, die einzige Arie, die aus der Oper wirklich überlebt hat, gelingt ihr umwerfend gut. Sehr gut harmo­nieren die beiden Frauen in den Duetten miteinander.

Die Männer des Prager Philhar­mo­ni­schen Chors haben sicht­lichen Spaß daran, die Drogen­banden darzu­stellen und machen ihre Sache auch stimmlich gut.

Yi-Chen Lin dirigiert die Wiener Sympho­niker gut durch­sichtig, nimmt aber eine etwas dunklere Nuance, nicht unbedingt den Rossini-Stil, den man so gewohnt ist. Sie arbeitet die dunkleren Stellen des Frühwerkes sorgsam heraus, lässt den Orches­ter­ap­parat recht weich erklingen, was dem Werk entgegenkommt.

Nach der Pause ermatten die Zuschauer etwas ob der sich hinzie­henden Handlung, manche fragen sich, ob nach dem zweiten Akt schon Schluss sei und stehen auf. Alle spenden am Ende sehr freund­lichen Applaus, wobei die beiden Protago­nis­tinnen besonders heraus­ge­hoben werden.

Jutta Schwegler

Teilen Sie O-Ton mit anderen: