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Foto © O-Ton

Betörende Susanna

LE NOZZE DI FIGARO
(Wolfgang Amadeus Mozart)

Besuch am
6. August 2024
(General­probe)

 

Theater im Wohnstift Lörick, Düsseldorf

Genau ein Jahr ist es her, dass Ekaterina Porizko im litaui­schen Birštonas eine gekürzte Fassung der Oper Le nozze di figaro von Wolfgang Amadeus Mozart aufführte. Damals konnte die Master-Studentin im Dirigieren ihre Profes­sorin Audronė Nekrošienė in Vilnius davon überzeugen, dass eine Oper genau das Richtige für ihr alljährlich statt­fin­dendes klassi­sches Musik­fes­tival in dem Kurort sei. Obwohl es sich letztlich um eine gekürzte Fassung handelte, weil man den Kur- und Sommer­gästen nicht mehr zumuten wollte, war der Aufwand enorm. Neben den Strichen musste ein neues Arran­gement geschaffen werden, von all den anderen organi­sa­to­ri­schen Heraus­for­de­rungen ganz zu schweigen. Der Erfolg war so groß, dass zwei Entschlüsse gefasst wurden. Die Oper sollte erneut in Litauen und dann auch in Deutschland aufge­führt werden. Ersteres muss vorerst ein Traum bleiben, letzteres blieb lange in der Schwebe. Inzwi­schen hat Porizko auch dieses, ihr drittes Master-Studium abgeschlossen und hartnäckig ihren Plan weiter­ver­folgt, die Aufführung der Hochzeit des Figaro in Deutschland zu verwirklichen.

Foto © O‑Ton

1969 eröffnete der Verein Haus Lörick das erste Wohnstift für ältere Menschen im gleich­na­migen Düssel­dorfer Stadtteil. Der Verein ist „überkon­fes­sionell, überpar­teilich, gemein­nützig und orien­tiert sich am christlich-humanis­ti­schen Menschenbild mit seinen Wertvor­stel­lungen“. Vier Jahre vor Eröffnung des Hauses wurde der Verein gegründet, der sich zum Ziel setzte, einen erfüllten Lebens­abend zu gestalten: „Im Alter aktiv bleiben, Kultur und Gesel­ligkeit genießen“ waren wichtige Bestand­teile – und so bekam das Wohnstift einen eigenen Theatersaal. In die etwas abgelegene Spiel­stätte wurden nun Porizko und ihr Team eingeladen.

Und wirklich passt das Konzept der Dirigentin wie die Faust aufs Auge für das kleine Theater. Das Bühnenbild fügt sich ideal in die Bühne ein. Ein zweitei­liger Paravent in der Mitte der Bühne, ein kleiner Tisch mit Stühlen und ein Garde­ro­ben­ständer rechts davon. Das Orchester nimmt vor der Bühne Platz. Die General­probe kann beginnen. Die Handlung übernimmt Porizko aus Litauen. Die Sängerin und jüngste Schwä­gerin von Wolfgang Amadeus Mozart Sophie Weber reist von Wien zur öster­rei­chi­schen Residenz des Fürsten Esterházy und seiner Gattin. Dort bittet sie den Musik­di­rektor Joseph Haydn, den Figaro noch einmal aufzu­führen. Damit ist auch schon die erste Spiel­szene im Zuschau­erraum beschrieben. Was nicht zu sehen oder hören ist, ist die Unter­stützung der Gräfin, die mit der Oper gern ihren Gemahl – und die höfische Gesell­schaft – darauf hinweisen möchte, dass sie sehr wohl von seinen Eskapaden weiß. Auf der Bühne schlüpfen die Akteure in ihre Kostüme, für die Ekaterina Somicheva verant­wortlich ist, wenn sie sie nicht gleich selbst geschneidert hat – es ist das aufwändige Hobby der Sopra­nistin, sich der barocken Schnei­der­kunst zu widmen. Für die Requi­siten ist Chorist Flavio Cordero zuständig.

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Die eigent­liche Handlung ist hinlänglich bekannt und wird den Besuchern der Aufführung am nächsten Abend auch noch mal im Abend­zettel präsen­tiert. Das ist auch ganz gut so, denn Übertitel, die die italie­ni­schen Gesangs­texte übersetzen könnten, fehlen. Auch so wird es für das Publikum eine Heraus­for­derung werden, den Verwick­lungen zu folgen, wenn sie die Oper wider Erwarten nicht kennen. Was nicht bedeutet, dass sie auf die bekannten Arien verzichten müssen, denn die sind den Strichen nicht zum Opfer gefallen. Bei der perso­nellen Besetzung gibt es nach einem Jahr erwar­tungs­gemäß deutliche Änderungen. Geblieben ist Ekaterina Somicheva als Gräfin Almaviva, die sich zwar nicht mehr wie in Litauen spaßhaft als Diva präsen­tieren darf, ihrer Rolle ansonsten aber wunderbar gerecht wird. Quali­tativ deutlich enger rückt Johanna Pommranz als Susanna an Somicheva heran, was der Aufführung merklich auf die Sprünge hilft. Mit dem Konzert­examen hat sie ihre Gesangs­aus­bildung abgeschlossen, und wer auf ihre Vita schaut, darf eigentlich nur staunen und sich freuen, dass es Porizko gelungen ist, sie zu verpflichten. Spiele­risch wie gesanglich ein Genuss. Petro Ostapenko als Graf Almaviva und Florian Dengler als Figaro sind sich ebenbürtig. Zulema Vergara ist auf eigene Kosten aus Mexiko angereist, um den Cherubino zu inter­pre­tieren. In ihrer Heimat findet sie keine Gelegenheit, die Rolle aufzu­führen, erzählt sie, dabei empfiehlt sie sich in Lörick ausge­sprochen dafür. Mit gerade mal 15 Jahren begeistert Miriam Stjepic als Barbarina, die Tochter des Gärtners, mit ihrem Auftritt.

Vom Chor in Litauen sind Dagmar Jerusalem, Galina Belowa und Flavio Cordero wieder mit dabei. Ansonsten wurde er von Porizko ordentlich aus ihren früheren Chören als Kantorin aufge­stockt. Die Damen und Herren sind gesanglich ambitio­niert und gefallen vor allem durch ihre Spiel­freude. Wunderbar, wie sie sich da einbringen.

Beim Orchester, das aus einem Strei­cher­quintett und Arsenijus Jesaul­kovas am E‑Piano besteht, sticht Toni Ulrich, der auch den Haydn spielt, am E‑Cembalo heraus. Porizko gelingt es mit Eleganz, die Balance zwischen Musikern und Sängern herzustellen.

Die Bewohner des Wohnstifts dürfen sich auf eine wunderbare Aufführung freuen, und man darf die Hoffnung zum Ausdruck bringen, dass sich weitere Spiel­stätten finden, um die Oper in dieser Form einer breiteren Öffent­lichkeit darzubieten.

Michael S. Zerban

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