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Freier Jazz und lupenreiner Jazzrock

MARKUS STOCKHAUSEN GROUP FEATURING NGUYÊN LÊ
(Markus Stock­hausen, Jeroen van Vliet)

Besuch am
11. August 2024
(Einmalige Aufführung)

 

Skulp­tu­renpark Waldfrieden

Man erinnert sich an schöne, vergangene Zeiten, als bis 2019 zehn Jahre lang in der Sommer­pause im Skulp­tu­renpark Waldfrieden Wuppertal die große Wiese vor der Villa stark bevölkert war. Talklang hieß das Open-Air-Festival, das Jazzfreunde sogar aus dem Ausland anzog. Denn der Veran­stalter legte Wert auf große Qualität und konnte sogar weltbe­kannte Musiker wie den Gitar­risten Al Di Meola, den Bassisten Stanley Clarke oder die Pianistin Aki Takase zu Gastspielen einladen. Mit der Veran­stal­tungs­reihe ist zwar bis auf weiteres Schluss, da sie laut Petra Lückerath vom Skulp­tu­renpark-Team nicht zum Kernge­schäft gehöre und zu teuer sei. Dennoch gibt es hin und wieder Konzerte dort. Zu einem dieser wenigen Ereig­nisse kommen ebenfalls wieder viele Besucher laut Autokenn­zeichen jenseits der Stadt­grenzen. Denn fünf Musiker sind gekommen, die in der europäi­schen Szene in aller Munde sind und für einen Abend sorgen, der wohl lange in Erinnerung bleiben wird.

Foto © O‑Ton

Es hieße Eulen nach Athen tragen, ausschweifend Worte über Trompeter und Flügel­hornist Markus Stock­hausen, Pianist Jeroen van Vliet, Cellist Jörg Brinkmann und Christian Thomé am Schlagzeug zu verlieren. Denn die mit renom­mierten Preisen dekorierten Musiker gehören bekanntlich mit zur Crème de la Crème in Sachen zeitge­nös­si­scher und impro­vi­sierter Musik. Als Markus Stock­hausen Group bilden sie ein bestens aufein­ander einge­spieltes Quartett. Fünfter im Bunde ist an diesem Abend Nguyên Lê. Auch vor dem aus Frank­reich stammenden Gitar­risten ziehen sehr viele ehrfürchtig den Hut. Er war mit seinem Quintett bereits am 18. August 2013 Im Rahmen von Klangart zu Gast und begeis­terte mit dem Programm Songs Of Freedom. „Ich bin eine perso­ni­fi­zierte Fusion der Kulturen“, beschrieb er sich einmal. Die Aussage kommt nicht von ungefähr, bekam er doch durch seine Eltern die europäische klassische Kammer­musik, die kultu­relle Vielfalt seiner Geburts­stadt Paris mit und brachte sich am Südchi­ne­si­schen Meer die tradi­tio­nelle Musik Vietnams bei, von wo seine Vorfahren stammen.

Mit im Gepäck haben sie eine Auswahl an Stücken aus dem aus drei Scheiben bestehenden Album Tales und dem kürzlich erschie­nenen Doppel-Album Celebration. Zehn Titel sind es daraus, die sie im Quartett und Quintett präsen­tieren. Alles, was das Herz begehrt an modernem Jazz, teilweise gespickt mit Struk­turen der zeitge­nös­si­schen E‑Musik, ist mit dabei. Bei Sunday Morning werden ruhige Töne angeschlagen. Entrückt, sphärisch, flächig, nahezu mystisch kommt Salam daher. Kontem­plativ erklingt Better World. Freudig-ausge­lassen ist Halleluja. Melodiös, tonal, lyrisch-beseelt kommt There Is Always Hope von der Bühne. Auch Jazzrock vom Aller­feinsten wird mit Revolution geboten. Oder ganz frei und freitonal geht es bei dem dem Gitar­risten gewid­meten Stück Nguyên zur Sache. Bis auf eine Nummer mit den Titel Child Song des Pianisten kommen die anderen Programm­punkte aus Stock­hausens Feder. Damit stellt er aufs Neue seine erstklas­sigen hochmu­si­ka­li­schen Kompo­si­ti­ons­tech­niken unter Beweis.

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Auch als Blech­bläser lässt er keine Wünsche offen. Hochvir­tuose Passagen wirken spiele­risch leicht. In allen Belangen und Tonge­filden absolut intona­ti­onsrein, entlockt er seiner Trompete und seinem Flügelhorn mit und ohne Dämpfer höchst flexible, schat­tie­rungs­reiche Töne. Diesen hohen Quali­täten steht Brinkmann in nichts nach, faszi­niert am Cello nicht nur mit Kontrabass ähnlich klingenden tiefen, groovenden Basstönen, sondern changiert darüber hinaus zwischen äußerst kreativen Impro­vi­sa­tionen und an die ernste Musik gemah­nende moderne musika­lische Linien. Dem Flügel entlockt van Vliet als Fundament dienende, variable harmo­nische, teils alter­nie­rende, fremd­tonale Akkordtöne und faszi­niert dank seiner hohen pianis­ti­schen Fähig­keiten mit wiesel­flinken Soli. Thomé brilliert mit satten, kernigen Rhythmen an dynami­schen Stellen und feinzi­se­liertem, klang­far­ben­reichem Perkus­si­ons­spiel. Und Lê bewegt sich mit seiner E‑Gitarre traumhaft sicher auf den Gebieten der fernöst­lichen ethischen Musik, Jazz und Rock und kombi­niert sie strecken­weise mitein­ander. Wie seelen­ver­wandt hört sich das Zusam­men­spiel der Musiker bei den freien Nummern an. Sie inter­agieren vorzüglich mitein­ander, gehen gegen­seitig kongenial auf die Ideen und Impulse ein, werfen sich geschickt die musika­li­schen Spiel­bälle zu.

Das in Scharen angereiste Publikum ist schließlich ganz aus dem Häuschen und feiert die fünf Vollblut­mu­siker mit nicht enden wollenden, stehenden Ovationen. Dafür bedanken sie sich mit einer kurzen fetzigen Zugabe. „Das hat geflasht“, kommt es spontan aus dem Mund eines Gasts. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Hartmut Sassen­hausen

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