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LES CONTES D‘HOFFMANN
(Jacques Offenbach)
Besuch am
13. August 2024
(Premiere)
Die kalte Wand ist abgeblättert und schäbig. Direkt an der Wand steht ein Einkaufswagen eines Supermarktes mit einigen Habseligkeiten darin, auch Alkohol. Unterhalb liegt ein Mann auf einem kleinen Polster und schläft. Es ist, wie es sich bald herausstellt, Hoffmann, der völlig betrunken ist. Bierbänke werden hereingetragen, Leute in Kostümen, die Ausstattung besorgte Julia Hansen, aus den unterschiedlichsten Zeiten bevölkern die Bühne und essen und trinken. Es sind Leute vom Film in ihrer Kantine: So beginnt Les Contes d‘Hoffmann von Jacques Offenbach im Großen Festspielhaus bei den Salzburger Festspielen.
Wir drehen wieder einen Film über eine Oper! Es bleibt unerfindlich, warum Regisseure sich immer wieder auf diese, bei weitem nicht mehr neue Konzeption einlassen. Daran scheiterte letztes Jahr Christoph Marthaler just mit derselben Idee am selben Ort bei Verdis Falstaff und jüngst Kornél Mundroczó mit seiner Münchner Tosca nebst diverser anderer Produktionen wie etwa Bizets Carmen im Steinbruch von St. Margarethen letztjährig. Denn die Idee ist beliebig und erhellt den Plot keinesfalls, sondern trägt wie in diesem Fall nur zur Verwirrung bei. Denn Mariame Clément sieht im Titelhelden einen erfolglosen Filmregisseur, der besonders im Antonia-Akt von einer Unmenge von Statisten umgeben ist, die Kameras, Scheinwerfer, Mikros bedienen und halten, nervös und konfus auf der Bühne herumrennen. Die Regieassistentin rennt stets mit Pappbecher hinter Hoffmann her, der auch immer wieder zur Schnapsflasche greift, um ihm Kaffee einzuflößen und singt dann plötzlich die Rolle von Antonias Mutter, während ein leeres Kleid im Raum schwebt. Die Tragik der Beziehung zwischen Hoffmann und Antonia, die existenzielle Abgründigkeit – nur eine hübsche Drehbuch-Idee.

Es gibt viele Filmzitate, etwa wird Olympia bei ihrer berühmten Arie wie Barbarella ausstaffiert. Römische Soldaten erinnern an Ben Hur. Mickey Maus taucht auf. Und die Figuren treten immer bei den Filmaufnahmen wieder aus ihrem Spiel heraus. So auch Hoffmann. Konfusion pur! Zudem fehlt es bei dieser genialen Oper an jeglicher Poesie: Denn die berühmte Barcarole von Giulietta und Niklausse wird auf Bierbänken vor der schäbigen Wand gesungen. Von Venedig oder Gondeln keine Spur. Misslungene Szene und Thema verfehlt.
Leider scheitert auch Marc Minkowski, der Originalklangmann, bei seinem Dirigat an der Oper. Denn es wackelt bei der Koordination zwischen den im Graben klangschön spielenden Wiener Philharmonikern und dem Chor, aber auch den Protagonisten immer gehörig. Es fehlt an Leichtigkeit, Raffinement, an Dramatik, an Witz. Die Tempi sind teils verschleppt.
Lichtblick bei der Produktion sind die sängerischen Leistungen: Allen voran brilliert der französische Tenor Benjamin Bernheim als grandioser Hoffmann. Seine Stimme ist wunderbar lyrisch mit müheloser Höhe und schöner Phrasierung. Kathryn Lewek singt alle Frauenfiguren, ist in erster Linie eine famose Olympia mit blitzsauberen Koloraturen und dabei eine Erzkomödiantin. Kate Lindsey ist eine exzellente Muse und Nicklausse und singt ganz wunderbar ihre Schlussarie. Christian Van Horn singt die Bösewichte profund, das jedoch nicht ausreichend dämonisch, auch hat man ihm wieder einmal die Diamantenarie weggenommen. Marc Mauillon sprüht in den Dienerrollen nur so von Witz und Präsenz. Géraldine Chauvet als Stimme der Mutter übertrifft im Antonia-Akt stimmlich die Tochter. Michael Laurenz ist eine gute Besetzung für den Spalanzani, auch der Staatsopernchor wäre famos, wenn er vom Dirigat besser betreut wäre.
Viel Applaus für die Sänger, viele Buhs für die Regie.
Helmut Christian Mayer