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Foto © O-Ton

Wunderbares Debüt

EDWARD GRIEG – FOLKLORIST ODER AKADEMIST?
(Edvard Grieg)

Besuch am
29. August 2024
(Einmalige Aufführung)

 

Klassik aber frisch im Alten Küsterhaus, Meerbusch

An jedem dritten Donnerstag im Monat lohnt ein Besuch im Alten Küsterhaus im Meerbu­scher Stadtteil Büderich, nur wenige Automi­nuten von der Landes­haupt­stadt Düsseldorf entfernt. Dann veran­staltet Klassik aber frisch dort ein außer­ge­wöhn­liches Konzert. Dass an diesem Abend die Tempe­ra­turen noch knapp an 30 °C heran­reichen, ficht die künst­le­rische Leiterin Ekaterina Porizko und Geschäfts­füh­rerin Ekaterina Belowa nicht an, sich ein Programm auszu­denken, dass man so ansonsten nicht erlebt. Längst haben sie sich ein Stamm­pu­blikum erarbeitet, dass blind darauf vertraut, etwas Beson­deres zu erleben.

Stella Antwerpen – Foto © O‑Ton

Edvard Grieg, im Deutschen auch Edward oder Eduard geschrieben, wurde 1843 im norwe­gi­schen Bergen geboren. Sein Vater war ein wohlha­bender Kaufmann, seine Mutter Konzert­pia­nistin und ‑lehrerin. Ab dem sechsten Lebensjahr erhielt er von der Mutter Klavier­un­ter­richt, mit neun Jahren schrieb er seine erste Kompo­sition. Mit der Schule lief es nicht so gut. Dennoch konnte er von 1858 bis 1862 am Leipziger Konser­va­torium studieren. Anschließend kehrte er nach Bergen zurück. Nach einigen Ausflügen lebte er ab 1874 als freischaf­fender Komponist mit Staatssold teils in Bergen, teils in Oslo. Im selben Jahr bat ihn Henrik Ibsen, die Schau­spiel­musik für seinen Peer Gynt zu schreiben. Daraus entstanden später die Peer-Gynt-Suiten. Als Pianist und Dirigent bereiste er ganz Europa. 1907 starb er in seiner Heimat­stadt an einem Lungen­em­physem. Bis heute gilt er vor allem außerhalb Norwegens als der bedeu­tendste Komponist seines Landes.

Neben den Peer-Gynt-Suiten, der Suite Aus Holbergs Zeit und dem Klavier­konzert a‑Moll, die sich bis heute größter Beliebtheit erfreuen, ist vor allem seine Klavier- und Kammer­musik weithin verbreitet. Die möchte Porizko dem Publikum im Alten Küsterhaus ein wenig näher­bringen. Nach einem Walzer, Frühling und Melodie hält sie eine Überra­schung bereit.

Erstmals tritt Ekaterina Belowa auf eine Bühne. Dafür hat sie eine Novelle des russi­schen Schrift­stellers und Journa­listen Konstantin Georgi­je­witsch Paustowski ins Deutsche übersetzt, deren gekürzte Version sie nun vorträgt. Der Korb mit Tannen­zapfen, den Belowa auch gleich mal mitge­bracht hat und vor sich abstellt, ist die Geschichte der Begegnung von Grieg mit der achtjäh­rigen Först­ertochter Dagni Pedersen. Grieg verspricht dem Mädchen ein Geschenk, aller­dings erst zehn Jahre später. Der Komponist nimmt den Korb und begleitet das enttäuschte Kind nach Hause. Als Dagni anlässlich des 18. Geburtstags ein Konzert besucht, erfährt sie, dass das aufge­führte Werk von Grieg ihr gewidmet ist. Eine kurzweilige Geschichte mit vielen poeti­schen Bildern. Belowa liest sie sehr souverän im Stehen vom Blatt, nicht, ohne den Blick­kontakt zu ihren Hörern zu suchen. Ihre Stimme bleibt natürlich und klar, fast sieht man vor seinem geistigen Auge die Landschaften entstehen, die sie beschreibt. Das Glück der erwach­senen Dagni wird erlebbar, ohne kitschig zu klingen. Ein geradezu märchen­hafter Vortrag, den Porizko mit den Griegschen Poeti­schen Bildern 1, 5 und 6 untermalt. Zurecht erntet Belowa mit ihrem großar­tigen Debüt heftigen Beifall.

Ekaterina Belowa – Foto © O‑Ton

Der dritte Teil des Abends ist den Liedern Griegs gewidmet. Dafür konnte Porizko die Mezzo­so­pra­nistin Stella Antwerpen gewinnen. Den Besuchern ist sie bestens als Solistin aus der Matthäus-Passion bekannt und immer wieder gern gesehener Gast im Alten Küsterhaus, wenn sie sich neben ihren Auftritten als Sängerin nicht ihrem Beruf als Lehrerin und Chorlei­terin widmet. Die norwe­gische Sprache beherrsche sie nicht, wie sie eingangs bekanntgibt, und so singt sie eine deutsche Übersetzung. Sehr zum Entzücken des Publikums, das in der Fremd­sprache ebenso wenig zuhause ist. 1889 vollendete Grieg seinen Zyklus Sechs Lieder Opus 48, den er 1884 begonnen hatte. Alle sechs Lieder beruhen auf berühmten deutschen Gedichten aus Klassik und Romantik. Auch wenn Antwerpen die lyrischen Momente mit Leich­tigkeit und Ausdruck beherrscht, ist ihr doch die Lust am Aufstieg in drama­tische Höhen anzumerken, die sie schier auskostet. Das Haus ist erfüllt von der glasklaren Stimme, die die Besucher tief beein­druckt. Nach dem Gruß von Heinrich Heine folgt das wunderbar melodiöse Dereinst, Gedanke mein von Emanuel Geibel. Auch Der Lauf der Welt von Ludwig Uhland und Die verschwiegene Nachtigall von Walther von der Vogel­weide verströmen ihren Melodien­reichtum. Zur Rosenzeit von Johann Wolfgang von Goethe steht für die Verbun­denheit Griegs zur Romantik mit dem Drang zur Moder­nität. Von Friedrich Boden­stedt stammt das Gedicht Ein Traum, dessen Vertonung zu den besonders geschätzten Liebes­liedern Griegs zählt.

Mit einem Solo Porizkos und einer Zugabe endet der Abend, der nicht nur mit künst­le­ri­scher Leistung, sondern auch mit erheb­lichem Aufwand beein­druckt. Gut, Porizko beschäftigt sich seit ihrer Kindheit mit der Musik Griegs. Aber weder gehören die Lieder zum ständigen Reper­toire einer Opern­sän­gerin, die sie also eigens für einen Abend einstu­diert hat, noch nimmt eine Überset­zerin die Übertragung eines Textes und dessen bühnen­reife Einstu­dierung für eine einzige Aufführung in Kauf. So viel Idealismus ist einen beson­deren Applaus wert, den das Publikum gerne zollt. Und zur angenehmen Atmosphäre im Alten Küsterhaus gehört „selbst­ver­ständlich“, dass die Besucher sich anschließend noch einmal persönlich bei den Künst­le­rinnen bedanken.

Am 26. September steht eine musika­lische Lesung mit Julian Kuntze und Ekaterina Porizko unter dem Titel Frédéric Chopin: Zärtlichkeit oder Flamme in Büderich auf dem Programm.

Michael S. Zerban

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