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Foto © O-Ton

Zu wenig Applaus

HIMMLISCHE HARFENKLÄNGE
(Diverse Komponisten)

Besuch am
6. September 2024
(Einmalige Aufführung)

 

St. Mariä Himmel­fahrt, Düsseldorf

Wer in Düsseldorf von Unterbach spricht, meint damit zumeist das Naherho­lungs­gebiet Unter­bacher See. Dass es sich dabei um den fünft­größten Stadtteil handelt, ist weniger bekannt. Hier entstand ab 1957 die neue Siedlung Witten­bruch­platz nach den Plänen des Archi­tekten Josef Lehmbrock, der auch später selbst in der Siedlung lebte. Bestandteil ist die 1964 fertig­ge­stellte römisch-katho­lische Kirche St. Mariä Himmel­fahrt im Stil des Bruta­lismus. Dementspre­chend ist das Gebäude komplett in Sicht­beton erstellt. Eine für eine katho­lische Kirche absolut ungewöhn­liche Archi­tektur, die allein schon einen Besuch wert ist.

Seit vergan­genem Monat wirkt in den Gemeinden Johannes der Täufer, Erkrath, und Mariä Himmel­fahrt, Unterbach, der Kirchen­mu­siker Ingo Hoesch, der den Kantor Mathias Baumeister abgelöst hat. Hoesch stammt aus Zeven, einer Gemeinde „im Herzen des Elbe-Weser-Dreiecks zwischen Hamburg und Bremen“. Mit vier Jahren bekam er sein erstes Instrument, mit sechs begann er, das Klavier­spiel zu erlernen, und mit dreizehn wechselte er an die Orgel. Seitdem wusste er, dass er Kirchen­mu­siker werden wollte. Folge­richtig absol­vierte er sein Studium an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf. 2012 war er Kantor an der Betlehem-Kirche im Meerbu­scher Stadtteil Büderich, als er Uta Deilmann kennen­lernte. Seither kreuzten sich ihre Wege immer wieder.

Foto © O‑Ton

Deilmann ist in Unna geboren, studierte Harfe bis zum Konzert­examen an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf und lebt heute in Krefeld. Nach Erfah­rungen im Orchester und in kammer­mu­si­ka­li­schen Ensembles sowie der Aufnahme von drei Alben arbeitet sie heute, wenn sie nicht gerade auf Konzert­bühnen sitzt, als Musik­leh­rerin unter anderem an zwei Musik­schulen. Und nahm sehr gern die Einladung an, gemeinsam mit Hoesch ein Programm für die Freitags­musik zu erarbeiten. Die Freitags­musik ist eine Konzert­reihe, die Baumeister entwi­ckelt hat und die Hoesch nun noch gehörig ausbauen will. In der Tat muss man da wohl ein sehr attrak­tives Programm entwi­ckeln, wenn man mehr Menschen als die über 70-jährigen Gemein­de­mit­glieder in die Kirche locken will. Bislang bleibt es dabei, und die Bänke bleiben großen­teils leer. Das wird dem heutigen Angebot eindeutig nicht gerecht, auch wenn der Titel des Abends, Himmlische Harfen­klänge, vielleicht ein wenig pathe­tisch geraten ist.

Das Programm klingt denn auch durchaus weniger „himmlisch“ als originell und abwechs­lungs­reich. Der Kantor hat Flügel, Truhen­orgel und die große Orgel einbe­zogen, um die Harfe zu begleiten. Die Instru­mente sind nicht im Altarraum aufgebaut, sondern in der hinteren Ecke der Kirche. Was ungewöhnlich klingt, ist drama­tur­gisch geschickt, abgesehen davon, dass es rein praktische Erwägungen gibt. Denn in der Kirche gibt es keine Schein­werfer, die die Musiker ins rechte Licht setzen könnten. Aber licht­tech­nisch ist das wohl der inter­es­san­teste Ort des Gebäudes, wie sich schon kurz nach Beginn des Konzertes zeigen wird.

Nach der Begrüßung durch den Kantor gibt es die wunderbare Eröffnung mit einer Prelude-Berceuse von Oreste Ravanello. Das Leben des in Deutschland eher unbekannten Organisten, Kompo­nisten und Musik­päd­agogen spielte sich zwischen seinem Geburtsort Venedig und Padua ab. Mit 66 Jahren starb er 1938 im Ruf, einer der größten Organisten seiner Zeit gewesen zu sein. In Unterbach geht es aller­dings weniger darum, ein typisches Werk des Musikers aufzu­führen. Und so spielen Deilmann und Hoesch an Harfe und Flügel eher ein lyrisches, zauber­haftes Stück, das kaum an Kirchen- als vielmehr an roman­tische Musik erinnert.

Nach dem gelun­genen Einstand gibt Deilmann Solo-Kostproben ihrer Fähig­keiten als Kompo­nistin und Arran­geurin. Nach Karussell, in dem sie mit schönen Läufen besticht, setzt sie mit den Varia­tionen zu Greens­leeves auf einen echten Schlager, der die Welt seit dem Elisa­be­tha­ni­schen Zeitalter begeistert. Die Harfe­nistin hätte sich für die verträumte Musik keinen besseren Zeitpunkt aussuchen können. Durch die ebenerdigen Kirchen­fenster fällt diffuses Sonnen­licht in den Raum und unter­streicht die roman­tische Atmosphäre, die die Melodie verbreitet. Ein grandioser Augen­blick – allein das Publikum schweigt stille. Es gibt keinen Applaus.

Foto © O‑Ton

Anschließend wendet Deilmann dem Publikum den Rücken zu. Dafür entschuldigt sie sich mit entwaff­nendem Lächeln, vergisst aber zu erwähnen, was der Grund für diese Aktion ist. Für das nächste Stück braucht sie Blick­kontakt mit Hoesch. Und der hat sich an den Spiel­tisch der großen Orgel zurück­ge­zogen, der im Hinter­grund aufgebaut ist. Solcher­maßen vorbe­reitet, kann der Vortrag des Adagiettos aus Gustav Mahlers Fünfter Symphonie im Arran­gement für Harfe und Orgel beginnen. Langsam und getragen ertönt die Musik, etwas dumpf vielleicht, die Idee einer entspan­nenden Musik zum Wochen­aus­klang fortführend.

Als nächstes stehen Lieder aus Irland und der Bretagne auf dem Programm. Den stilis­ti­schen Bruch fängt Deilmann mit einem kurzen Vortrag über die Bedeutung der Harfe für die irische Musik auf. Kurzweilig fallen die drei Beispiel­lieder aus, die sie gewählt hat. Wie Claude Debussys Arabesque Nr. 1 für Klavier in das Programm passt, erschließt sich nun wirklich nicht. Aber wen inter­es­siert das, wenn Hoesch das Stück grandios am Flügel inter­pre­tiert? Ähnlich verhält es sich mit dem Skyboat-Song, den Deilmann auf der Harfe intoniert. Da ist egal, um welche Version es sich handelt, die virtuose Darbietung entzückt auch ohne große Erklärung. Das abschlie­ßende dreisätzige Harfen­konzert in B‑Dur von Georg Friedrich Händel wird von Hoesch auf der Truhen­orgel begleitet. Ein seltsames Arran­gement, das fast schon komische Züge annimmt, wenn die kleine Orgel lediglich Einsprengsel erklingen lässt. Dem Publikum gefällt’s. Und endlich applau­diert es lang und ausgiebig. Da fühlt sich dann Deilmann auch mit ihrer Zugabe von Franz Schuberts Abendlied wohl und schwelgt in ihrer Interpretation.

Für einen solch gelun­genen und origi­nellen Abend hätte es wahrhaftig weitaus mehr Applaus verdient. Für Hoesch ein Auftrag für die Zukunft. Der plaudert nach dem Konzert ein wenig aus dem Nähkästchen. Und da stehen echte Hausnummern auf der Liste. Es wird also musika­lisch spannend in Unterbach. Unbedingt vormerken sollte man sich schon jetzt den 3. November um 17 Uhr. Dann wird Dariia Lytvishko in Unterbach auftreten. Die gebürtige Ukrai­nerin und lebens­lustige Organistin reist gerade von Erfolg zu Erfolg. Neben ihren Konzerten in Deutschland stehen für dieses Jahr noch acht weitere Länder auf ihrer Terminliste.

Michael S. Zerban

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