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Mit einer konsequenten Stringenz der dramaturgischen Mittel und einer bühnenbildnerisch minimalistischen Umsetzung haben Regisseur Christof Loy und Dirigent Carlo Rizzi die selten gespielte Oper La fiamma mit großem Erfolg als erste Neuproduktion der Saison an der Deutschen Oper Berlin gebracht.
La fiamma – die Flamme – ist eine Oper in drei Akten von Ottorino Respighi, die 1934 in Rom uraufgeführt wurde. Die Handlung spielt in einer Zeit, als das italienische Ravenna noch weitgehend unter byzantinischem Einfluss stand, also etwa im 7. Jahrhundert. Aber die Themen von Liebe, Frust, Schuldgefühlen und Hexenverfolgung kennen keine Epoche. Sie sind zeitlos.

Im Zentrum der Oper steht Silvana, die zweite Frau von Basilio, dem Exarchen von Rom. Basilio ist ein mächtiger Anführer, aber seine Mutter, Eudossia, hat starken Einfluss auf ihn und hält de facto die Macht in ihren Händen. Silvana ist jung und leidet unter der strengen Eudossia, die ihre Schwiegertochter verachtet. Donello, Sohn des Exarchen aus erster Ehe, kehrt von seinen Reisen zurück, und die Gleichaltrigen fangen eine leidenschaftliche Affäre an. In einer anrührenden Szene zwischen dem wesentlich älteren Basilio und seiner jungen Frau, in der er seine Liebe zu ihr gesteht, platzt der Frust der jungen Frau aus ihr, sie gesteht die Affäre mit seinem Sohn und er erleidet den Herztod. Eudossia macht Silvana für den Tod ihres Sohnes verantwortlich und schürt die Vorwürfe, dass Silvana die hexerischen Fähigkeiten geerbt hat, für die ihre Mutter verbannt wurde und die sie selbst auch zu haben glaubt. Silvana wird vor Gericht gestellt, weist jeden Vorwurf der Hexerei von sich. Sie sei nur von der Flamme der Liebe angetrieben worden. Als es aber zum letzten Bekenntnis kommt, vom Hexenglauben abzuschwören, bringt sie den Schwur nicht über die Lippen und wird auf den Scheiterhaufen gebracht.
Herbert Murauer hat ein schlichtes Bühnenbild im Stil des Interieurs der Deutschen Oper mit den stilistischen Elementen Portale, Vertäfelungen und Schiebewände im warmen Holzton entworfen. Bühnenbreite Stufen geben Tiefe und Spielflächen. Barbara Drohsin entwirft die zeitlos eleganten Anzüge und Kleider der Darsteller. Es ist alles auf ein Minimum reduziert, das erlaubt, dass die psychologischen Ein- und Auswirkungen der Regie sich auf die starken Emotionen, die das Libretto von Claudio Guastalla hervorruft, konzentrieren kann. Christof Loy fokussiert auf die allzu menschlichen Sympathien, Antipathien und Intrigen, die letztendlich das Leben jeden einzelnen Charakters bestimmen. Eine Familienaufstellung etwa, die zwischen den Polen einer schon zum Tode verurteilten Hexe, Agnese di Cervia, die auch gleich zu Beginn auf dem Scheiterhaufen verbrannt wird, und dem Bischof, der für die geltende Ordnung sorgen soll, steht.
Sopran Olesya Golovneva überzeugt als Silvana, sowohl stimmlich aber auch mit ihrer in sich gekehrten Darstellung der frustrierten jungen Ehefrau, die die Schuld der Mutter trägt und doch auf eigene Erlösung hofft. Doris Soffel ist die verurteilte Hexe Agnese di Cervia, eine kurze, aber prägnante Rolle, in der sie das ganz Leid einer fürchterlichen Zeit der Hexenjagd mit Überzeugung ausdrückt. Ebenso überzeugend ist Sua Jo, die mit ihrem klaren Sopran die Vertraute von Silvana gibt. Mezzosopran Martina Serafin entfaltet eine spürbare Kälte und Strenge als Eudossia, der gestrengen Schwiegermutter, unter der alle im Haus leiden. Ivan Inverardi gibt einen Herrscher, der sich zwar öffentlich mit imposantem Bariton seiner Heldentaten rühmt, aber innerlich ein gebrochener Mann ist, der hofft, bei Silvana eine emotionale Zufluchtsstätte gefunden zu haben. Georgy Vasiliev ist der gehorsame Sohn, der sich mit lyrischem, aber eher schwachem Tenor weder bei seinem Vater noch gegen die Kirche für seine Liebe durchsetzen kann. Unter den vielen kleinen Nebenrollen sei Patrick Guetti als Exorzist mit seinem durchdringenden Bass zu nennen, dem es letztendlich nicht gelingt, Silvana den erlösenden Schwur abzuringen.

Der Chor ist ein ebenso wichtiges Element in La fiamma. Jeremy Bines zeichnet verantwortlich für den ausgewogenen Klang, und auch hier merkt man die detaillierte Personenregie von Christof Loy, der aus einer Gruppe eine Ansammlung von individuellen Persönlichkeiten gestaltet.
Die Musik von Respighi unterstreicht mit großer Orchestrierung die dramatische Intensität und Tragik der Geschichte und verleiht dem Stück eine dunkle, intensive Atmosphäre, die von der Idee der zerstörerischen Kraft der Leidenschaft getragen wird. Mit lautmalerischem, großem Pinsel werden die Szenen gemalt. Das Orchester der Deutschen Oper unter dem Dirigat von Carlo Rizzi entfaltet diese Stimmungen, oft zu laut, aber das gehört wohl dazu. Aber es gibt auch die sehr intimen Szenen, die besonders berühren und die Rizzi transparent gestaltet. Insbesondere die Auseinandersetzungen der Protagonistin Silvana mit ihrer Vertrauten Monica, bei denen es nicht nur um die Tatsache geht, dass beide Frauen den gleichen Mann lieben, sondern auch um die Machtstellung innerhalb der Gesellschaft – Silvana als Gattin des Exarchen befiehlt ohne zu zögern die Verbannung ihrer Dienerin ins Kloster. Ebenso auch der Ausbruch des ganzen Frusts von Silvana ihrem Mann gegenüber – eine anrührende Szene, eben weil sie nicht im fortissimo stattfindet.
La fiamma vereint historische und mythische Elemente mit einem düsteren und packenden musikalischen Stil, der typische Merkmale der Spätromantik aufweist. Christof Loy und das ganze Team haben die Oper aktualisiert und gezeigt, dass die grundlegenden Emotionen heute in keiner Weise ihre Wirkung verloren haben.
Großer und verdienter Applaus für alle Darsteller, den Dirigenten und das Regie-Team.
Zenaida des Aubris