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Foto © O-Ton

Symbiose von Ort und Handlung

WEST-LAND-TÄNZE
(Jacqueline Fischer)

Besuch am
4. Oktober 2024
(Premiere)

 

Theater der Klänge in Dä Düssel­dorfer Salon, Düsseldorf

Die Erfolgs­ge­schichte der West-Land-Tänze wird fortge­schrieben. Zur Erinnerung. Im Frühjahr des vergan­genen Jahres haben der künst­le­rische Leiter Jörg Udo Lensing und die Choreo­grafin Jacqueline Fischer vom Theater der Klänge mit ihrem Team eine Recherche zum Thema alter Tänze in Westfalen und im Rheinland begonnen. Im Juni stellten sie erste Ergeb­nisse unter freiem Himmel im Düssel­dorfer Hofgarten vor. Dann ließen sie sich ein gutes halbes Jahr Zeit, um eine Veran­staltung zu entwi­ckeln, die die Recherche-Ergeb­nisse wider­spiegeln sollte. Im Januar dieses Jahres gab es dann die Urauf­führung im Forum Freies Theater in dessen neuem Domizil am Haupt­bahnhof. Die Verqui­ckung von tänze­ri­scher Aufführung und anschlie­ßendem Tanzun­ter­richt in Form eines Bal modern für das Publikum wurde bejubelt.

Foto © O‑Ton

Jetzt hat das Theater der Klänge eine „Wieder­auf­nahme“ ausge­rufen. Über den Begriff kann man disku­tieren. Weitaus inter­es­santer ist aller­dings zunächst der Ort der neuer­lichen Aufführung. Denn das Theater lädt in „Dä Düssel­dorfer Salon (ehemals Templum)“ ein. Seit 1876 wurde im Stadtteil Grafenberg eine Provinzial-Heil- und Pflege­an­stalt, zu Deutsch eine Irren­an­stalt, eröffnet, die damals als eine der modernsten ihrer Art galt. 1902 leistete sich die Anstalt einen Festsaal. Nach den Plänen des Landes­baurats Ostrop wurde der einge­schossige Bau in einem parkähn­lichen Gelände errichtet. Längst ist der großzügig angelegte Vorplatz der Bergi­schen Landstraße, der direkten Verbindung zwischen Düsseldorf und Mettmann, gewichen. Geblieben ist das denkmal­ge­schützte Gebäude, das als einziges Festsaal­ge­bäude des frühen 20. Jahrhun­derts in Düsseldorf nahezu unver­ändert erhalten ist. Zu Beginn des 21. Jahrhun­derts übernahm eine Messebau-Gesell­schaft das Gebäude und benannte es in Templum um. Die Pläne der Gesell­schaft, aus der Gründerzeit-Archi­tektur eine „Event-Location“ zu entwi­ckeln, schei­terten. Und so stand das wunderbare Gebäude in den vergan­genen Jahren leer. Nun habe, so teilt das Theater der Klänge mit, „der Eigen­tümer erkannt, welchen Schatz er in Händen hält“. Jetzt werde der Saal der Kultur zurückgegeben.

Es wäre schön, wenn der Betreiber mit solchen Plänen Erfolg hat. Schließlich verfügt das Gebäude über ein wunder­bares Gründerzeit-Interieur, eine kleine Bühne, modernste Technik, die nötige Infra­struktur und Parkplätze direkt neben dem Haus. Das Theater der Klänge bekommt nun die Gelegenheit, diesen „zurück­er­oberten Kulturort“ zu beleben. Die Bühne am Kopfende des Saals ist für raumgrei­fende Tanzbe­we­gungen dann doch zu klein. Also haben sich dort die Musiker – Jens Barabasch mit seinen Flöten, Chris­tiane Meis am Akkordeon und Jörg Udo Lensing an Elektronik und Percussion – ihren Platz gesucht. Vor dem Podest ist ein schwarzer Tanzboden ausge­rollt. Markus Schramma setzt die Szene ins rechte Licht.

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Tatsächlich möchte man im Laufe des Abends eher von einer Weiter­ent­wicklung als von einer Wieder­auf­nahme sprechen. Zwar sind die Kostüme von Caterina Di Fiore noch dieselben, aber das Ensemble ist von acht auf sechs Tänzer reduziert. Und wenn die Erinnerung nicht täuscht, hat Fischer auch das Tanzge­schehen noch einmal verdichtet. So bleiben zwar typische Elemente des Gruppen- und Paartanzes erhalten, wirken aber heute Abend noch energie­ge­la­dener und inten­siver, als man es aus dem Forum Freies Theater erinnert. Und ganz entschieden trägt auch das histo­risch-anhei­melnde Ambiente des Saals angenehm zur Wirkung bei.

Stsiapan Hurski, Annika Kompart, Julia Monschau, Christian Paul, Mariane Verbecq und Linda Withelm veraus­gaben sich in der weiter abstra­hierten Choreo­grafie, die vom nur spärlich erschie­nenen, aber enthu­si­as­ti­schen Publikum auf der Stuhl­kante verfolgt wird. Auch die Musik rückt die Epochen näher zuein­ander, ohne den histo­ri­schen Charakter zu verlieren. So gelingt es Lensing und Fischer, Zeitab­stände zu überwinden und den Tanzele­menten aus früheren Gesell­schaften Moder­nität zu verleihen. Ob das aller­dings reicht, solche Elemente auch selbst zu tanzen?

Gewiss, antwortet Fischer und tritt im Anschluss an die umjubelte Aufführung mit einem Bal modern auch gleich den Beweis an. Wie schon bei den voran­ge­gangen Veran­stal­tungen mischen sich die Tänzer und Helfer unter das Publikum, so dass die Schritte und Bewegungen, die Fischer anleitet – in einer „normalen“ Tanzschule hätten die Teilnehmer bei der gewählten Komple­xität vermutlich sechs Doppel­stunden zum Erlernen der Tanzkom­bi­na­tionen bekommen – rasch und mit nur wenigen Unsicher­heiten verbunden auf die Tanzfläche gebracht werden können. Die Besucher sind mit Feuer­eifer dabei, und die Musiker schaffen auch hier wieder die nötige Atmosphäre, um das Ganze für das Publikum zu einem unver­gess­lichen Erlebnis werden zu lassen.

Wer sich die West-Land-Tänze noch einmal zeigen lassen will, hat dazu am kommenden Mittwoch Gelegenheit, dann aller­dings in der Festhalle von Viersen. Es wäre schön, wenn es den Betreibern des Düssel­dorfer Salons gelänge, tatsächlich in Grafenberg einen weiteren Kulturort in dieser Qualität zu etablieren. Der Bedarf ist sicher vorhanden, sowohl von Seiten der so genannten Freien Szene in Düsseldorf, die bis heute Räume braucht, um sich weiter­zu­ent­wi­ckeln, als auch von Seiten des Publikums, für das die Innen­stadt mit ihren überzo­genen Parkplatz­ge­bühren und einer steigenden Autof­eind­lichkeit immer unattrak­tiver wird. Der Einstand jeden­falls ist erst mal mehr als gelungen.

Michael S. Zerban

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