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ROSENPFEFFER
(Diverse Komponisten)
Besuch am
6. Oktober 2024
(Einmalige Aufführung)
Als sie vor einem knappen Jahr in der Betlehem-Kirche im Meerbuscher Stadtteil Büderich ihr Comeback feierten, waren sie anschließend im Gegensatz zum Publikum beide nicht ganz glücklich. Bescheidene Lichtverhältnisse, eine Mikrofonanlage, die nicht funktionierte – einen glanzvollen Auftritt stellt man sich als Musiker ein bisschen anders vor. Aber es sollte ja nur ein Abend unter vielen sein, und trotz der technischen Tücken reichten die Rückmeldungen der Besucher durchgängig von Begeisterung bis Euphorie. Seit sieben Jahren waren Noémi Schröder und Nicolai Burchartz nicht mehr gemeinsam aufgetreten. Und dafür lief es so gut, dass sie beschlossen weiterzumachen.

Seit der Pandemie hat sich das Verhalten des Publikums – sehr zum Leidwesen vor allem kleinerer Veranstalter – geändert. Die Zeiten, in denen Säle Wochen im Vorfeld ausverkauft waren, sind wohl passé. Der Trend geht dazu, kurzentschlossen ins Theater, Konzert oder zu einem Tanzabend zu gehen. Die Krux dabei ist die fehlende Planungssicherheit. Und so muss sich mancher Veranstalter entschließen, eine Aufführung lieber im Vorfeld abzusagen, um hohe Folgekosten zu vermeiden, die bei fehlender Auslastung entstünden. Auch Bodo Herlyn, der mit seiner Frau Constanze Backes die Kulturvilla Mettmann betreibt, muss bis kurz vor Aufführungsbeginn bangen, um dann festzustellen, dass der Saal sich in der letzten halben Stunde vor Beginn fast vollständig füllt.
Gern ist das Duo Rosenpfeffer der Einladung in die Kulturvilla gefolgt. Neben dem behaglichen Ambiente verfügt der Saal über eine richtige Bühne mit funktionierender Technik. Obendrein gibt es bei seiner Ankunft gleich mal selbstgebackenen Apfelkuchen, wird Schröder dem Publikum später verraten. Das erlebt man als Künstler auch nicht alle Tage. Und nachdem man weiß, dass der Rosenpfeffer gegen den Tatort auf dem heimischen Sofa obsiegt, kann der Abend in bester Laune beginnen.

In der Zwischenzeit haben Schröder und Burchartz noch einmal behutsam Hand an das Programm gelegt. Aber bei der Eröffnung mit Es könnte so leicht sein, das aus der Feder der beiden stammt, bleibt es ebenso wie bei dem Beweis, dass man auch über die eigenen Schwächen lachen kann. Da ist es mit dem Nature Man, den Burchartz gerne abgäbe, doch nicht ganz so weit her, wenn es tatsächlich in die Natur geht. Die beiden folgenden Lieder Dein Herz hört zu und Lady hat Burchartz geschrieben. Ersteres gab auch den Titel für das Debüt-Album des Duos Rosenpfeffer her, beim zweiten sind Hundenarren angesprochen. Schon jetzt hat das Duo die Herzen des Publikums gewonnen. Zwei Gespräche und Koffer haben die beiden zusammen geschrieben. An der Geschichte mit dem Koffer war eigentlich überhaupt nichts lustig, als sie sich tatsächlich zutrug. Darin bewahrte Schröder alles auf, was sie so für den Auftritt braucht: Instrumente, Computer, Schminke, den warmen Pulli und das Stofftier. Nach einem Auftritt ließ sie ihn nur kurz neben dem Auto stehen, um noch einmal kurz zur Bühne zurückzugehen. Als sie zurückkehrte, war der Koffer weg. Damals war der Ärger groß, herausgekommen ist dabei ein wunderbares Lied, „das teuerste Lied, das wir je geschrieben haben“, frotzelt Burchartz. Inzwischen ist Ersatz gefunden, so dass Schröder wieder mit Melodika, Kazoo und Glockenspiel das Gitarrenspiel ihres Partners bereichern kann. Schon fast als Klassiker kann man das nachfolgende Lied bezeichnen, in dem Burchartz sich über Klischees der Rollenbesetzung belustigt. Aber mal ehrlich, wen interessieren all die Fähigkeiten einer Schauspielerin respektive Sängerin, wenn man nicht weiß, ob sie Größe 36 trägt? Vor der Pause wird noch Liebe ist alles von Rosenstolz gecovert.
Als die beiden mit Jolene von Dolly Parton wieder einsteigen, fragt man sich, ob es das braucht. Gewiss ist auch dieser Song schön interpretiert, aber eigentlich möchte man ja die schönen Geschichten hören, die Rosenpfeffer mit so viel Wortwitz zu erzählen hat. Wie zum Beispiel die vom Restgefühl, die die beiden geschrieben haben und die gleich nach Still stehn von Burchartz folgt. Bei Innerer Kritiker wissen die Rosenpfeffer-Liebhaber schon, dass jetzt der Moment zum Mitmachen gekommen ist. Das Publikum hat an der neuen Fassung richtig viel Spaß. Und dann erklärt Schröder, wie sie dazu kam, ein neues Instrument zu bauen. Dazu bildet die rechte Hand eine Faust – Schröder spricht von einer Schnecke – führt den Rist von Zeigefinger und Daumen an die Lippen und spricht oder singt mit „Hexenstimme“. Gelernt hat sie das, als sie das Cover von Zaz‘ Je veux erarbeitete. Wie es sich anhört, erfahren die Besucher anschließend. Nach dem Drachen gibt es den nächsten Schmunzler mit Holland Thailand, einem wunderbar klischeehaften Gespräch unter Eheleuten über die Urlaubsplanung. Mit Augen auf und durch, wie die andern beiden ebenfalls von Burchartz geschrieben, geht der offizielle Teil zu Ende.
Lautstark wird die Zugabe unter tosendem Applaus gefordert. Mit Was gestern war geht es weniger vergnüglich weiter. Und auch Calm After the Storm von Common Linnets wird so recht der Abschluss nicht gefunden. „Doch jetzt pass auf! Nun kommt das Glück am Ende doch noch knüppeldick“, heißt es versöhnlich wie hoffnungsvoll im Lied Knüppeldick von Burchartz – „Verzaubern wir den Augenblick – immer wieder neu“. Ein schöner Gedanke am Ende eines zauberhaften Abends.