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DAS RHEINGOLD
(Richard Wagner)
Besuch am
3. November 2024
(Premiere am 27. Oktober 2024)
Richard Wagners großes Bühnenfestspiel Der Ring des Nibelungen ist eng mit der Stadt München verbunden. So fand hier am 2. September 1869 unter der Leitung von Franz Wüllner die Uraufführung des Rheingold statt, auf Geheiß König Ludwigs II. von Bayern und gegen den ausdrücklichen Willen von Richard Wagner, der das Werk nur als kompletten Ring-Zyklus aufführen wollte, was dann in Bayreuth erst am 13. August 1876 erfolgte.
Seit der Uraufführung 1869 gab es zwölf verschiedene Rheingold-Inszenierungen, ab 1878 als komplette Ring-Zyklen. Wohl in keinem Haus außerhalb von Bayreuth ist die Ring-Dichte so prägnant wie in München. Nun kommt mit Tobias Kratzer ein Regisseur, der durchaus polarisiert, aber unumstritten einer der interessantesten Vertreter des Regietheaters ist. Sein Debüt an der Bayerischen Staatsoper mit der Inszenierung von Mieczysław Weinbergs Oper Die Passagierin in der vergangenen Spielzeit wurde umjubelt, sein Tannhäuser in Bayreuth hat längst Kultstatus. Nun soll Kratzer einen neuen Ring in München auf die Bühne bringen, die Erwartungshaltung und die Neugier sind entsprechend groß. Kann Kratzer dem gerecht werden?

Im Rheingold werden früh die zentralen Themen des Gesamtwerkes angesprochen. Liebe und Macht schließen sich aus, das ist die Erkenntnis, die am Anfang des Zyklus’ steht. Und musikalisch ist das tiefe „Es“ der Streicher, das zurückführt zur Geburt der Welt, zum idealtypischen Urzustand. Doch mit Alberichs Raub des Rheingolds und seinem fatalen Fluch, Wotans größenwahnsinniger Idee einer Götterburg als Symbol längst verlorener Autorität, der Überlistung Alberichs durch Loge und schließlich Fafners Brudermord an Fasolt entwickelt sich ein Handlungsstrang, der unweigerlich zum Ende führt und auch durch Erda nicht mehr beeinflussbar ist. Im Grunde genommen sind es zwei Kernaussagen, die das Schicksal bestimmen und das Ende, die Götterdämmerung, schon am Vorabend determinieren. Zunächst entsagt Alberich der Liebe, was ihm überhaupt erst ermöglicht, das Rheingold an sich zu reißen. Der neu erschaffene Ring, der ihm unendliche Macht verleiht und den er an Wotan abtreten muss, wird Gegenstand seines Fluches, der sich schon bald im Brudermord Fafners an Fasolt auswirken sollte. Ja, wären die Rheintöchter doch nicht so gemein gewesen zu Alberich, dann hätte er der Liebe nicht entsagen müssen, hätte … hätte … hätte. Aber dann gäbe es auch keinen vier Abende dauernden Ring-Zyklus, der die Menschheit seit seiner Uraufführung 1876 in Bayreuth bewegt und zu immer neuen Interpretationen und Diskussionen führt wie kein anderes Musikdrama in der Opernliteratur.
Kratzer beschäftigt sich nun erstmalig mit dem Werk in München. Er will sich frei machen von den vielen Interpretationsversuchen des Werkes in den letzten Jahrzehnten. Er will eine Geschichte erzählen, in der das göttliche, aber vor allem das religiöse Element im Vordergrund steht. Seine Götter sind echte Götter mit menschlichen Eigenheiten und Eigenschaften. Sie sind zwar archetypisch, aber fehlbar und beeinflussbar. Und Kratzer will die komödiantischen Elemente, die es im Rheingold ja durchaus gibt, den zerstörerischen Handlungen gegenüberstellen. Seine Darstellung ist der Übergangsmoment vom archaischen zeitlosen Mythos in die Geschichte zu einem Zeitpunkt in der Gegenwart, in dem die Religion ihre größte existenzielle Bedrohung erlebt. Angesiedelt von der Ausstattung und den Kostümen spielt das Rheingold in der Jetztzeit. Bühne und Kostüme wurden von Rainer Sellmaier konzipiert, die Lichtregie ist von Michael Bauer. Regisseur Kratzer bedient sich in seiner Erzählung eines Ansatzes in zwei Ebenen, bleibt dabei aber nicht immer am erzählerischen Text.
Die Götter werden in ihrer Erzählung als blasierte, marode Gesellschaft dargestellt, hinter deren mythischer Fassade menschliche Eigenschaften zum Vorschein kommen: Liebe und Hass, Neid, Gier und Machthunger. So erinnert Wotans erster Auftritt an einen Hausdespoten, der sich selbstverliebt und eitel in seinem Glanze sonnt, während seine Gemahlin als Dame des Hauses auftritt und unwillkürlich Assoziationen an Cosima Wagner hervorruft. Freia ist mehr der Typ naives Püppchen, Froh und Donner sind arrogant wirkende Nebenfiguren, die nicht wirklich ins Geschehen eingreifen können. Ganz anders Loge, der Strippenzieher, der mit intrigantem und listigem Spiel das Heft des Handelns in der Hand hält und der Außenseiter ist, von den Göttern mehr geduldet als akzeptiert. Wotan aber verwandelt sich im Laufe des Geschehens, er spürt um seine wankende Macht. Genial ist die Erda-Szene. Während ihres Monologes brennt der kirchlich eingerichtete Raum, ein deutlicher Hinweis auf die bevorstehende Götterdämmerung. Auch auf der anderen mythischen Ebene gibt es bunte Kontraste. Die Rheintöchter sind junge Girlies, die wie Influencerinnen Alberich, den lüsternen Chef der Nibelungen, erst umgarnen, um ihn dann brutal wieder fallen zu lassen. Seine Entsagung der Liebe und der Raub des Goldes verwandelt die Komödie in ein Drama, an dessen Ende der Untergang der Götter und die Hoffnung auf eine neue Welt stehen werden. Kratzer schafft es in zweieinhalb Stunden, die Geschichte spannend und intensiv zu erzählen, ohne dramaturgische Brüche und ohne belehrenden Zeigefinger, auch wenn der Tiefgang etwas fehlt und manche Dinge in die Banalität abdriften.
Das erste Bild spielt vor einer alten Kirche, die von einem großen Zaun umschlossen ist. Alberich, bekleidet mit einem bunten T‑Shirt mit der Aufschrift „Ages of Empire“, einem bekannten Videospiel, darüber ein schwarzer Hoody und eine halblange Camouflage-Hose, scheint mit Gott und der Welt abgeschlossen zu haben. Mit Graffiti hat er auf den Zaun das berühmte Nietzsche-Zitat „Gott ist tot“ gesprüht. Dann versucht er sich, mit einer Pistole erst in den Kopf, dann in den Mund zu schießen, schafft es aber nicht. Wäre dann aber auch ein sehr kurzer Ring-Zyklus gewesen, der nach zehn Minuten schon beendet gewesen wäre. Die Rheintöchter in eher unauffälliger Straßenkleidung umgarnen den komischen Nerd, um ihn dann verächtlich wieder fallen zu lassen. Wellgunde filmt im Übrigen die ganze Szene mit ihrem Handy, willkommen in der Gegenwart. Das Rheingold findet sich in den Tiefen des Bodens vor der Kirche, da schießt schon mal eine Leuchtrakete gen Himmel, die alles illuminiert. Viel Theaternebel kommt zum Einsatz, das Setting ähnelt eher einer Krimi-Serie bei Netflix. Für Heiterkeit im Publikum sorgt ein kleiner, schwarzer Ziegenbock, der mal eben über die Bühne rennt. Alberich hat irgendwann von den drei Tussen die Nase voll, und als sie sich leichtfertig über das Rheingold austauschen, verflucht Alberich kurzentschlossen die Liebe, raubt das Gold aus der Tiefe des Bodens, nicht des Rheins, und packt es in eine Plastiktüte. Alberich verschwindet in der Kirche, die Rheintöchter hinterher, und Alberich ist plötzlich auch im Besitz eines Sturmgewehrs, mit dem er Wellgunde kurzerhand niederschießt. Beobachtet wird er dabei von einem dunkel gekleideten Mann, der sich ständig eine Zigarette ansteckt. Es ist Loge, der hier Zeuge eines Diebstahls wird, der wiederum Ausgangspunkt für die weitere Intrige ist.

Das zweite Bild zeigt die Baustelle Walhall. Ein großer, verhüllter und eingerüsteter Hochaltar steht im Mittelpunkt, davor klassische Kirchenbänke. Fricka erleuchtet mit einem Bauscheinwerfer die Szenerie, während die Götter sich um ein Feuer in einem Schutteimer versammeln, und Loge seine Intrige spinnt, um Wotan aus der Bredouille zu helfen, in die er sich mit dem Verkauf von Frickas Schwester Freia an die Riesen Fafner und Fasolt, die Baumeister der Burg, gebracht hat. Bei den Riesen muss man schon überlegen, was Kratzer sich da überlegt hat. In schwarzen Anzügen, mit einem weißen Kollar sehen sie aus wie katholische Priester. Allerdings kommen sie rein mit einem Wagen voller Prospekte, wie man es von einer bekannten Sekte kennt, die meist in Bahnhöfen ihre Botschaft verteilen. Wenn sie aber vor Wotan auf die Knie fallen und Haupt und Hände gen Boden neigen, erinnert das an ein muslimisches Gebet. Hat Kratzer dabei an Lessings „Ringparabel“ aus Nathan der Weise gedacht? Jedenfalls werden die Figuren irgendwie nicht fassbar. Sie enthüllen einen großen Aufsteller; auf dem Plakat, auf dem Wotan als Gott mit Flügelhelm abgebildet ist, prangt in großen Lettern: „Dein Walhall – Dein Wotan“. Nun ja. Das wirkt aufgesetzt, und der nordische Gott Wotan setzt sich in einer Kirche mit christlicher Symbolik auseinander. Das ist sehr konstruiert und liefert keinen neuen Interpretationsansatz.
Witzig wird es im Zwischenbild zur dritten Szene. Ein Vorhang als Leinwand wird heruntergelassen, der das gesamte Bühnenbild verdeckt. Und es läuft ein Videofilm, in dem Wotan und Loge sich auf die Reise machen zu Alberich. Das ist witzig und gut gemacht, im Hintergrund wechselt die Szenerie von München über Flughäfen bis hin nach New York, alles in schnellstem Zeitraffer. Das ist mal eine überzeugende Idee, die Zwischenmusik optisch so zu hinterlegen. Wotan trägt im Übrigen während der ganzen Zeit keine Augenklappe, sondern sein linkes Auge ist so gut maskiert, dass es als blind erscheint.
Alberichs Nibelheim ist eine Werkstatt in einer großen Garage, wo er sich eine Art Kommandozentrale aufgebaut hat. Mehrere Sturmgewehre hängen an der Wand. Mime, sein Bruder, hat ihm einen Tarnhelm geschmiedet, ganz modern mit VR-Brille, und natürlich den Ring. Mime lebt in ständiger Angst vor der Gewalttätigkeit seines Bruders. Seine einzige Freude ist ein brauner Labrador, der unter einem Tisch hockt, und aufgeregt ständig zwischen Alberich und Mime hin- und herschaut, ansonsten aber unbeteiligt wirkt. Dann erscheinen Wotan und Loge, elegant gekleidet, und es beginnt das Spiel der Eitelkeiten. Alberich verwandelt sich hinter der geschlossenen Garagentür in einen Drachen, der mal eben die Kommandozentrale kurz und klein haut. Leider überlebt auch der Labrador das Gewüte des Drachens nicht, man sieht nur noch Gedärm auf dem Boden liegen, während sich Alberich blutüberströmt wieder zurückverwandelt hat und Mime in Schockstarre verharrt. Zur Beruhigung: Der echte Labrador wurde natürlich während der Szene in Sicherheit gebracht. Die Verwandlung in eine Kröte gelingt mit Hilfe vieler Lichteffekte und Theaternebel dann eher unspektakulär, die Kröte wird in eine Proviantdose gesperrt, und schon geht es zurück nach Walhall.
Wieder wird ein Video gezeigt von der Rückreise, einige Szenen des ersten Videos laufen rückwärts. Es gibt aber auch richtig witzige Szenen. Im Flugzeug bietet Wotan seinem Sitznachbarn die Kröte quasi als Appetithappen an, den der aber dankend verschmäht. Beim Zoll versucht eine eifrige Beamtin, den unerlaubten Tierimport zu stoppen. Loge zündet kurzerhand eine Tonne an, und in dem Chaos können er und Wotan mit der Kröte entkommen. Die Videos wurden von Manuel Braun, Jonas Dahl und Janic Bebi erstellt.
Die vierte Szene spielt im Kirchenraum des zweiten Bildes. Alberich, nach seiner Rückverwandlung als Kröte, ist splitterfasernackt, und muss sich so etwa eine Viertelstunde auf der Bühne bewegen, inklusive Misshandlung und Ringfluch. Eine mutige und starke Performance von Markus Brück als Alberich, sich so auf der Bühne zu prostituieren. Die Riesenpfarrer kehren mit Freia zurück, die an einem Flaschenzug hochgezogen wird. Das Rheingold in Aktenkoffern und Taschen, von Mime persönlich mit einem großen Einkaufswagen hereingefahren, wird so aufgeschichtet, dass die am Galgen baumelnde Freia wieder Boden unter den Füßen hat. Hier hält sich Kratzer nicht an den Text, denn eigentlich soll Freia durch das Gold bedeckt werden. Da das Gold aber aus Dollarnoten besteht, war diese technische Lösung wohl praktikabler.
Großartig wie schon eingangs erwähnt die „Erda-Szene“. In schwarz gehüllt, zeigt sie Wotan den Weg aus der Misere. Die gesamte Szenerie wird dabei eingefroren, als ob die Zeit stehen bleibt, während der Kirchenraum brennt, als Vorbote der Götterdämmerung. Der Rest ist schnell erzählt. Fafner erschießt seinen Bruder mit einem Sturmgewehr, der gotische Hochaltar wird enthüllt, und die Götter, gekleidet wie beim ersten Bayreuther Ring 1876, erklimmen den Hochaltar und setzen sich wie Heilige auf die verschiedenen Ebenen. Das ist schon sehr grotesk. Dann kommen gewöhnliche Menschen in die Kirche und bestaunen den Altar mit den heiligen Göttern, das hat schon wieder was von Chereau 1976. Die Inszenierung ist ein Mix aus witzigen und interessanten Regieeinfällen, die aber ohne Tiefgang sind und teilweise in ihrer Absurdität und Groteske Unverständnis und Kopfschütteln erzeugen.

Musikalisch offenbart der Abend starke Momente. Allen voran Nicholas Brownlee in der Rolle des Wotan. Mit kraftvollem Helden-Bariton und komödiantischem Spiel dominiert er die Aufführung. Ein begeisternder Auftritt, der am Schluss vom Publikum zurecht bejubelt wird. Überzeugend auch Sean Panikkar als Loge. Das Publikum kennt ihn als Alfred in der Fledermaus, und jetzt zeigt er eine weitere Facette seines Könnens. Eine überragende Rolleninterpretation zeigt Markus Brück als Alberich. Sein markanter Bass-Bariton ist geprägt von Durchschlagskraft und sehr textverständlicher Deklamation. Sein Fluch zu Beginn des vierten Bildes, tief durchdringend, ist einer der musikalischen Höhepunkte des Abends. Sein Spiel, zunächst komödiantisch hinter den Rheintöchtern gierend, dann abgrundtief böse als Nibelungenfürst, bis hin zur Nacktheit auf der Bühne zeigt alle schauspielerischen Facetten, die seine Rolle fordert. Für diese überragende Leistung wird Brück vom Publikum am Schluss gefeiert. Auch Matthias Klink als Mime überzeugt als Charaktertenor mit dynamischem Spiel.
Ekaterina Gubanova gestaltet ihre Partie als etwas exaltierte Gemahlin Fricka mit Grand-Dame-Attitude und dramatischem Mezzo-Sopran. Milan Siljanov gibt den Donner mit derart kräftigem Bariton, dass er seinem Rollennamen alle Ehre macht. Ian Koziara als Froh wird stimmlich der kleinen Rolle nicht gerecht. Die Höhen sind gepresst, und er singt, als ob er eine heiße Kartoffel im Mund hätte. Ein solcher Auftritt passt nicht zu dem Anspruch eines Hauses wie der Bayerischen Staatsoper. Mirjam Mesak gibt die Freia mit schönfärbendem, jugendlich-dramatischem Sopran. Matthew Rose singt den Fasolt mit fast balsamischem Bass und sehr sauberer Deklamation und verleiht dem verliebten Riesen dadurch eine schon fast menschliche Note, während Timo Riihonen stimmgewaltig seinen schwarzen Bass als Brudermörder Fafner erklingen lässt. Differenziert und mit ausdrucksvollem, warmem Mezzosopran singt Wiebke Lehmkuhl die Partie der Erda. Sarah Brady mit schönem Sopran als Woglinde, Verity Wingate als Wellgunde und Yajie Zhang als Flosshilde harmonieren stimmlich und spielerisch als Rheintöchter-Trio.
Das Bayerische Staatsorchester begeistert an diesem Abend durch eine beeindruckende Klangmalerei und ein farbenreiches wie nuanciertes Spiel. Dunkel und düster erklingt der Es-Dur-Akkord zu Beginn aus dem Orchestergraben, doch die Farben wechseln schnell. Der Übergang zum zweiten Bild ist schon fast symphonisch zart, die Nibelungen-Szenen dagegen im überschäumenden Forte schon brutal, der Einzug der Götter in Walhall wiederum majestätisch und erhaben. Vladimir Jurowski führt die Orchestermusiker mit klarem Gestus durch die Partie. Er arbeitet Farbnuancen heraus, wechselt klug die Tempi und arbeitet besonders die Leitmotive und symphonischen Elemente klar heraus.
Am Schluss gibt es großen Jubel und minutenlangen Beifall für alle Beteiligten. Bei der Premiere gab es für das Regieteam neben Jubel auch deutliche Missfallensbekundungen. An diesem Abend gibt es ausschließlich Jubel. Inwieweit Kratzer sein Konzept für die noch folgenden drei Ring-Abende verfolgen wird, bleibt abzuwarten Erst 2026 steht die Premiere der Walküre auf dem Spielplan. Bis dahin fließt noch viel Wasser durch den Rhein, der an diesem Abend nicht vorhanden ist.
Andreas H. Hölscher