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Foto © O-Ton

Träume und Romanzen

UKRAINISCHE VIRTUOSEN
(Diverse Komponisten)

Besuch am
14. November 2024
(Einmalige Aufführung)

 

Sounds of Ukraine im Bechstein-Centrum, Düsseldorf

Bereits zum zweiten Mal hat Pianistin Violina Petrychenko ihr Festival Sounds of Ukraine organi­siert. „Mein Traum ist es, verschiedene Epochen, Stile und Stimmungen zu präsen­tieren und Musiker zu vereinen, die durch den gemein­samen Wunsch verbunden sind, die reiche Welt der ukrai­ni­schen Musik für Europa zu öffnen“, schreibt die gebürtige Ukrai­nerin auf ihrer Netzseite. Mit dem Festival will sie zugleich möglichst viel Geld einsammeln, um den Ukrainern im Kriegs­gebiet zu Hilfe zu kommen. Deshalb sind auch die fünf Konzerte des diesjäh­rigen Festivals Benefiz-Veran­stal­tungen. Über drei Städte erstreckt sich das Festival, die erste Aufführung fand bereits am 12. Oktober in Köln statt. Jetzt hat Petrychenko zum einzigen Konzert in Düsseldorf mit dem Titel Ukrai­nische Virtuosen einge­laden. Einmal mehr stellt Filial­leiter Reza Indra­kesuma das Bechstein-Centrum in der Aders­straße am unteren Ende der Königs­allee mit seiner großar­tigen Konzert-Lounge zur Verfügung.

Foto © O‑Ton

Die künst­le­rische Leiterin ist zwar zugegen, um die Gäste zu begrüßen, wird aber nicht selbst am Klavier Platz nehmen. Statt­dessen hat sie zwei wunderbare Künstler gewinnen können. Die Pianistin Ievgenia Iermachkova ist auf der Krim geboren, studierte an der Ukrai­ni­schen Natio­nalen Musik­aka­demie und absol­vierte zwei Master an der Folkwang-Univer­sität in Essen. Seit vielen Jahren arbeitet sie als Dozentin für Klavier, Kammer­musik und Korre­pe­tition an der Anton-Rubin­stein-Musik­aka­demie in Düsseldorf. Andrii Paliarush ist 2002 in der Ukraine geboren. Mit acht Jahren erhielt er seinen ersten Klari­net­ten­un­ter­richt. Seit drei Jahren studiert er an der Folkwang-Univer­sität, nachdem er an der Glière Academy of Music in Kiew bereits seinen Junior-Spezia­listen-Abschluss ablegte. Er konzer­tierte regel­mäßig in der Ukraine als Orches­ter­solist und hat zunehmend Konzert­auf­tritte in Deutschland vor allem in Kammer­mu­sik­ensembles. Die beiden sind sichtlich mehr mit Vorfreude auf das bevor­ste­hende Programm als von Lampen­fieber erfüllt. Iermachkova übernimmt die kurzen Anmoderationen.

Boris Lyato­shynsky verfasste 1947 seine Melody für Klavier und Cello, ein Stück, das roman­tische Züge trägt und einem ukrai­ni­schen Volkslied nachemp­funden ist. Den sehnsüch­tigen Teil haben längst auch andere Instru­mente wie die Querflöte oder Trompete übernommen, jetzt bringt Paliarush sie gelungen auf der Klari­nette zu Gehör. Als Gedicht wollte Levko Kolodub seine Vertonung verstanden wissen. 1985 als Kompo­sition für Klavier und Geige entstanden, klingt das Poem auf der Klari­nette moderner und weniger süßlich. Schon im ersten Festival erfreute Petrychenko das Publikum, indem sie durchaus auch auf die so genannte neue Musik zurück­griff. Die Romanze von Lyudmila Shukalin, 1946 geboren, ist ein schönes Beispiel dafür, wie man das Publikum auch damit begeistern kann.

Foto © O‑Ton

Mrii heißt ein Album von Violina Petrychenko – Träume auf Ukrai­nisch. Auch ein Werk von Rostyslav Demchyshyn ist so benannt, und traumhaft sicher tragen die beiden Musiker es im Bechstein-Centrum vor. Über die Univer­sa­lität von Musik ist eigentlich längst alles gesagt. Iermachkova und Paliarush treten den Beweis erneut an, wenn sie das Grand Duo von Carl Maria von Weber ins Programm mischen. Eine virtuose Heraus­for­derung, die die beiden elegant meistern. Insbe­sondere der Klari­nettist darf mit dem dreisät­zigen Werk seine Meister­schaft mit unglaub­lichen Läufen unter Beweis stellen. Nach einer weiteren Romanze, diesmal aus der Feder von Yuriy Shchu­rovsky, kommt „endlich“ auch Myroslav Skoryk zu Wort, ein Komponist, der es neben Valentin Silvestrov tatsächlich geschafft hat, in das Bewusstsein der Deutschen vorzu­dringen. Obwohl er sich durchaus zeitge­nös­si­schen Strömungen, er lebte von 1938 bis 2020, zuwandte, ist aus seiner Musik doch auch immer die ukrai­nische Volks­musik heraus­zu­hören. Er schrieb Musiken für etwa 40 Filme, Jazz und Pop-Musik. Eines seiner bekann­testen Werke ist die Karpa­thian Rhapsody, die heute Abend eine begeis­ternde Inter­pre­tation erfährt.

Ausgie­biger Applaus veran­lasst Iermachkova und Paliarush zu einer grandiosen Zugabe. Noch einmal kommt Skoryk zu Gehör. Eigentlich als Lied für Sopran geschrieben, da klingt Mal mir eine Nacht nach Jazz mit falscher Stimme, machen die beiden Musiker daraus eine mitrei­ßende instru­mentale Swing-Nummer. Der Jubel ist groß.

Damit ist der Auftakt zum Schwer­punkt des Festivals an den folgenden drei Tagen gesetzt. Besser hätte es nicht laufen können. Im Klavierhaus Klavins in Bonn werden Violina Petrychenko und Kateryna Kostiuk am 15. November in einen Dialog mit der Stille mit Werken von Silvestrov treten. Am 16. November wird dem Publikum der Spiegel des Barock in der Basilika St. Aposteln in Köln vorge­halten und einen Tag später gibt es Kammer­musik im Wandel. Darunter sind Klavier­quin­tette mit dem Phoenix String Quartet zu verstehen. Die Besuche aller drei Konzerte sind unbedingt empfeh­lenswert. Aber wer in der Nähe ist und sich die großartige Musik anhören will, sollte vorher noch schnell seine Geldbörse füllen, damit er reichlich abgeben kann. Schließlich wird hier Geld für die bedürftige Zivil­be­völ­kerung in der Ukraine gesammelt, das unmit­telbar vor Ort zum Einsatz kommt.

Michael S. Zerban

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