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KLAVIERABEND MIT DONGNI CUI
(Diverse Komponisten)
Besuch am
22. November 2024
(Einmalige Aufführung)
Als das Düsseldorfer Bechstein-Centrum in die Adersstraße zog, wurde dort eine schalloptimierte Konzertlounge eingerichtet. Seitdem unternimmt Leiter Reza Indrakesuma einiges, um das Klaviergeschäft als geschätzten Spielort in Düsseldorf zu etablieren. Unter anderem entstand so die Reihe Young Professionals, in der Studenten der Robert-Schumann-Hochschule Gelegenheit bekommen, sich einem Stadtpublikum zu präsentieren. Warum aber eigentlich nur dem Nachwuchs eine Plattform bieten? Unter den Lehrkräften der Hochschule gibt es so manchen Experten, den man sicher gern häufiger in der Stadt erleben möchte.

Heute hat Indrakesuma die Pianistin Dongni Cui eingeladen. Sie wurde in Xi’an, Shaanxi, in der Volksrepublik China geboren und begann im Alter von fünf Jahren ihre Klavierausbildung an der Musikschule ihrer Heimatstadt. Nach ihrem Bachelorabschluss an der Musikhochschule Peking im Jahr 2008 setzte sie ihr Studium von 2009 bis 2011 an der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen mit einem Master in „Künstlerische Ausbildung Klavier“ fort. Anschließend absolvierte sie einen weiteren Master im Studiengang „Klavier-Duo“ und gründete zusammen mit ihrer Duo-Partnerin das Mendon-Klavier-Duo. 2018 schließlich absolvierte sie ihr Konzertexamen – der höchstmögliche Bildungsabschluss bei den Instrumentalisten – an der Robert-Schumann-Hochschule, wo sie derzeit als Dozentin arbeitet.
Mit halb sieben an einem Freitagabend ist der Zeitpunkt vielleicht nicht ganz so glücklich gewählt. Zumindest scheinen Schüler und Kollegen der Künstlerin ebenso verhindert zu sein wie das Stammpublikum des Centrums. Das ist in hohem Maße bedauerlich, weil Dongni Cui ein ausgesprochen interessantes Programm zusammengestellt hat. Der Anspruch ist hoch. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, verschiedene Aspekte der Virtuosität aufzuzeigen. Mit der Klaviersonate h‑Moll von Domenico Scarlatti legt sie den Startpunkt ihrer kleinen Reise durch die Epochen in das 18. Jahrhundert. Man muss das zarte Spiel mögen, das ihr so meisterhaft gelingt. Aus dem gleichen Zeitraum stammt die Suite en la: Gavotte et six doubles von Jean-Philippe Rameau, die schon etwas gehaltvoller daherkommt. Für Dongni Cui versteht es sich von selbst, dass der D‑Flügel nicht mit Papier zugedeckt wird. Sie hat die Noten zuhause gelassen. Da staunt schon mancher, wenn es rund hundert Jahre später an die dreisätzige Klaviersonate As-Dur von Joseph Haydn geht. Spätestens im Presto wird deutlich, dass Virtuosität sich auch im Tempo zeigt. Und die Pianistin lässt sich auch nicht aus der Ruhe bringt, als das Publikum zwischen den Sätzen klatscht.

Souverän und hochkonzentriert schreitet Dongni Cui zum zweiten Teil des Konzerts. Aus dem 19. Jahrhundert kommt ein Komponist zu Gehör, dessen Name allenfalls Spezialisten bekannt sein dürfte. Charles Valentin Alkan lebte von 1813 bis 1888 in Paris, war ein Freund Frédéric Chopins und lebte ab 1837 im Gebäudekomplex Square d’Orléans, wo er Marie Taglioni, Alexandre Dumas und George Sand und andere Künstler zu seinen Nachbarn zählte. So groß seine Leistungen als Komponist und Klaviervirtuose auch gewesen sein mögen, starb er in fast völliger Vergessenheit. Dass sein Werk nun von einigen Künstlern wiederentdeckt wird, ist, nach dem, was Dongni Cui zum Besten gibt, höchst vielversprechend. Da ist schon fast bedauerlich, dass sie nur den dritten Satz aus dem Konzert für Solo-Klavier spielt.
Die Etüde Nr. 5 Toccata grottesca des 1961 geborenen Marc-André Hamelin wird ihrem Namen als Bravourstück absolut gerecht und gibt der Pianistin einmal mehr Gelegenheit, ihrer Virtuosität Ausdruck zu verleihen. Das Publikum ist längst hin und weg. Da ist das Finale mit der Paraphrase von Nikolai Kapustin auf Aquarelo do Brasil seines Kollegen Ary Barroso bestens gewählt, eine Samba, die noch einmal für richtig gute Laune sorgt – im Übrigen auch bei der Pianistin.
Nach dem grandiosen Vortrag ist die Künstlerin sichtlich erschöpft. Und hat wohl nicht damit gerechnet, dass der Abend noch nicht zu Ende sein könnte. Im Publikum schreit keiner „Zugabe!“, stattdessen bleiben einfach alle sitzen. Das hat man so auch noch nicht erlebt, ist aber richtig schön. Überraschend hat Dongni Cui keine Zugabe vorbereitet. Aber sie lässt sich nicht lange bitten und wiederholt gern noch einmal die Samba. Wer die zierliche Person gern einmal selbst am Flügel erleben möchte, muss sich noch in Geduld üben. Im Juni kommenden Jahres wird sie erneut im Bechstein-Centrum auftreten. Und es verspricht ein weiterer Höhepunkt im Konzertleben zu werden. Denn dann wird sie mit ihrer Kollegin Daria Harbisch mit einem vierhändigen Programm aufwarten.
Michael S. Zerban